Die US-Finanzaufsicht hat vier Großbanken wegen Fehlberatung Geldbußen und Entschädigungszahlungen von insgesamt 9,1 Mio. Dollar auferlegt. Die Citigroup , Morgan Stanley , Wells Fargo und die Schweizer Bank UBS hatten Rentnern und anderen Kleinanlegern komplexe Finanzprodukte verkauft, mit denen die Kunden schwere Verluste erlitten.
Die Entscheidung der Financial Industry Regulatory Authority (Finra) wirft ein Schlaglicht auf die Risiken börsengehandelter Indexfonds (ETFs). Auf den ersten Blick sind diese Produkte leicht zu verstehen: ETFs bilden die Kursentwicklung einer Gruppe von Wertpapieren nach, beispielsweise aller in einem Index wie dem DAX vertretenen Aktien. Anders als traditionelle Fonds werden sie also nicht eigens zusammengestellt und sind deshalb billiger. Da es ohnehin nur wenigen Fondsmanagern gelingt, den Gesamtmarkt zu schlagen, erfreuen sich ETFs wachsender Beliebtheit.
Bei den von der Finra geahndeten Geschäften ging es allerdings nicht um traditionelle, sondern um invertierte und gehebelte Indexfonds. Invertierte ETFs gewinnen an Wert, wenn der zugrundeliegende Index fällt - und umgekehrt. Ein Hebel sorgt dafür, dass sowohl Gewinne als auch Verluste die prozentuale Veränderung des Index um ein Vielfaches übertreffen. Viele dieser komplexen ETFs sind laut Finra nur für kurzfristige Wetten geeignet. Bei den meisten werde schon nach Ablauf eines Tages abgerechnet. Die betroffenen Kunden hätten die Papiere aber teilweise über Monate gehalten, weil sie von den Banken nicht auf die Risiken hingewiesen worden seien.
Die Folge: Selbst Anleger, die in der Tendenz richtig auf einen Anstieg der Öl- und Gaspreise wetteten, machten wegen der heftigen Kursschwankungen auf Tagesbasis zum Teil Verluste. Das beschreibt die Finanzaufsicht am Beispiel von ETFs auf einen des Anbieters Dow Jones für Öl- und Gasprodukte. Vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. April 2009 sei der Index um zwei Prozent gestiegen. Dennoch habe ein ETF, der das zweifache des täglichen Index-Anstiegs abwerfen sollte, seinen Inhabern über denselben Zeitraum einen Verlust von sechs Prozent beschert.
Zu den düpierten Kunden zählte laut den von der Finra veröffentlichten Unterlagen ein 65-Jähriger mit einem Nettovermögen von weniger als 50.000 Dollar, der mit einem ETF 25.000 Dollar Verlust machte. Gekauft hatte er das Produkt bei der US-Bank Wells Fargo, die auch einem 92-Jährigen einen riskanten Indexfonds andrehte. Das Geldhaus wurde von der Finra am härtesten bestraft: Neben einer Geldbuße von 2,1 Mio. Dollar muss es 641.000 Dollar an Entschädigungsleistungen zahlen.