Die EZB in Frankfurt am Main
Groß ist die Furcht vor dem Staat, der die Notenpresse anwerfen und sich über eine Entwertung des Geldes seiner Schulden peu à peu entledigen könnte. "Solche Sorgen sind insbesondere in Deutschland aufgrund der historischen Erfahrungen sehr verbreitet", bestätigt Rolf Drees, Leiter Research der WGZ Bank.
Doch die Gefahr für eine Geldentwertung über eine Hyperinflation, wie nach dem Ersten Weltkrieg, als weite Teile der Bevölkerung einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens verloren hatten, halten viele für völlig überzogen. "Dazu bedürfte es einer aktiven Mitwirkung der Zentralbanken, welche die Geldmenge explodieren lassen müssten", sagt Johannes Müller, Chief Economist im Fixed Income bei DWS Investment. "Dies ist - entgegen vieler landläufiger Horrormeldungen - definitiv nicht der Fall: Die Geldmenge ist in der Euro-Zone seit Oktober 2010 nur um 0,5 Prozent pro Jahr gewachsen", sagt Müller.
Immerhin hat die Europäische Zentralbank (EZB) als unabhängige Notenbank Preisniveaustabilität als oberstes Ziel formuliert. Zwar liegt die Inflationsrate im Euro-Raum derzeit bei 2,4 Prozent und wird auch auf absehbare Zeit nicht zurückgehen, doch hat die EZB mit einer vorsichtigen Leitzinserhöhung um 0,25 auf 1,25 Prozent schon reagiert. Damit hat sie sicherlich auch der Angst zahlreicher Anleger vor einer großen Inflation etwas den Wind aus den Segeln genommen. "Das ist ein starkes Zeichen der Unabhängigkeit, das der Politik signalisieren soll, dass es mit der geldpolitischen Unterstützung bei den Aufräumarbeiten zur Finanzkrise mal ein Ende haben muss und auch bald haben wird", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.