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Merken   Drucken   12.04.2011, 17:22 Schriftgröße: AAA

Inflation in Europa: Geldentwertung rückt in den Fokus der Anleger

Trotz der Katastrophe in Japan und den Unruhen in Nordafrika kehren die Sorgen über die europäische Inflation zurück. Steigende Preise bei mageren Renditen - für Anleger ein beängstigendes Szenario. Statt sich zu verkriechen, sollten sie sich richtig positionieren. von Rolf Beike und Niklas Lach
Die aktuelle Katastrophe in Japan, die Angst vor dem Super-GAU, dessen Ausmaße bisher kaum abzuschätzen sind, lassen die hiesigen Sorgen wie Schuldenberg und Inflation mehr als belanglos erscheinen. Doch erfahrungsgemäß ist es nur eine Frage der Zeit, bis die wirtschaftlichen Probleme, die Europa belasten, wieder in den Fokus der Anleger rücken. Bereits seit Ende des vergangenen Jahres, als die Teuerungsrate in der Euro-Zone erstmals wieder über die kritische Zwei-Prozent-Marke stieg, stöhnen die Verbraucher über die steigenden Preise. Mittlerweile treibt der Gedanke an den Geldwertschwund aber auch den Anlegern den Schweiß auf die Stirn.
Die Unruhen in der arabischen Welt, vor allem die Proteste gegen das herrschende Regime in Libyen, sind zwar derzeit in den Hintergrund gerückt. Doch sind ihre Auswirkungen weiterhin spürbar. Besonders bei den Energiepreisen haben die Unruhen deutliche Spuren hinterlassen - auch wenn sie kurzfristig wegen der Ereignisse in Japan gefallen sind.
Obschon Libyen auf der Liste der erdölexportierenden Länder nur einen der hinteren Ränge einnimmt, ist unter anderem der Preis für das aus der Nordsee stammende Rohöl der Sorte Brent seit Jahresanfang um rund 20 Prozent gestiegen. Als Ursache hierfür gelten hauptsächlich die Befürchtungen der Märkte, die ein nachhaltiges Überspringen der politischen Proteste auf die großen Ölförderländer, etwa den Iran, Saudi-Arabien oder Kuwait, für durchaus möglich halten.
Schon kehrt das Schreckgespenst der Inflation wieder zurück in das Bewusstsein der Anleger. Doch die Angst vor einer Geldentwertung ist nicht allein mit dem Ölpreis zu erklären. Es ist auch die Schuldenkrise in den Euro-Ländern, die Anlegern zu schaffen macht. Denn hohe Staatsschulden in Kombination mit einer üppigen Geldversorgung durch die Notenbanken führen bei guter Konjunktur aller Erfahrung nach zu mehr Inflation. Kein Wunder, dass die Sorge der Anleger um die Wertbeständigkeit ihres Ersparten wächst.
Die EZB in Frankfurt am Main   Die EZB in Frankfurt am Main
Groß ist die Furcht vor dem Staat, der die Notenpresse anwerfen und sich über eine Entwertung des Geldes seiner Schulden peu à peu entledigen könnte. "Solche Sorgen sind insbesondere in Deutschland aufgrund der historischen Erfahrungen sehr verbreitet", bestätigt Rolf Drees, Leiter Research der WGZ Bank.
Doch die Gefahr für eine Geldentwertung über eine Hyperinflation, wie nach dem Ersten Weltkrieg, als weite Teile der Bevölkerung einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens verloren hatten, halten viele für völlig überzogen. "Dazu bedürfte es einer aktiven Mitwirkung der Zentralbanken, welche die Geldmenge explodieren lassen müssten", sagt Johannes Müller, Chief Economist im Fixed Income bei DWS Investment. "Dies ist - entgegen vieler landläufiger Horrormeldungen - definitiv nicht der Fall: Die Geldmenge ist in der Euro-Zone seit Oktober 2010 nur um 0,5 Prozent pro Jahr gewachsen", sagt Müller.
Immerhin hat die Europäische Zentralbank (EZB) als unabhängige Notenbank Preisniveaustabilität als oberstes Ziel formuliert. Zwar liegt die Inflationsrate im Euro-Raum derzeit bei 2,4 Prozent und wird auch auf absehbare Zeit nicht zurückgehen, doch hat die EZB mit einer vorsichtigen Leitzinserhöhung um 0,25 auf 1,25 Prozent schon reagiert. Damit hat sie sicherlich auch der Angst zahlreicher Anleger vor einer großen Inflation etwas den Wind aus den Segeln genommen. "Das ist ein starkes Zeichen der Unabhängigkeit, das der Politik signalisieren soll, dass es mit der geldpolitischen Unterstützung bei den Aufräumarbeiten zur Finanzkrise mal ein Ende haben muss und auch bald haben wird", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Teil 2: Sparer suchen Anlagen ohne übermäßige Risiken

  • FTD.de, 12.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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