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Merken   Drucken   07.11.2012, 11:46 Schriftgröße: AAA

Insiderzertifikate: Wenn Topmanager mit hauseigenen Aktien handeln

Marktbeobachter können aus den Wertpapier-Käufen von Firmenchefs wichtige Schlüsse ziehen. In den letzten Jahren haben sich Insiderzertifikate beachtlich geschlagen. Mit einfachen DAX-Investments wären Anleger allerdings noch besser gefahren.
© Bild: 2012 FTD.de/FTD/Christina Bretschneider
Marktbeobachter können aus den Wertpapier-Käufen von Firmenchefs wichtige Schlüsse ziehen. In den letzten Jahren haben sich Insiderzertifikate beachtlich geschlagen. Mit einfachen DAX-Investments wären Anleger allerdings noch besser gefahren.
von Gian Hessami

Jüngst lief die Haltefrist für rund 200 Millionen Aktien der Facebook-Mitarbeiter aus. Manager des Unternehmens nutzten die Gunst der Stunde und verkauften einige ihrer Unternehmensanteile. Chefbuchhalter David Spillane, Chefjurist Ted Ullyot und die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, Nummer zwei hinter Konzernchef Marc Zuckerberg, veräußerten zusammen 750.000 Facebook-Papiere . Allein Sandberg setzte rund 7,44 Mio. Dollar (5,8 Mio. Euro) bei dem Geschäft um.

Was Firmenchefs mit den Aktien des eigenen Unternehmens machen, ist für Anleger aufschlussreich. Denn wer sollte es besser wissen als die Insider selbst, wie es um ihre Firmen bestellt ist? Im Falle der Facebook-Papiere jedenfalls scheinen die Konzernlenker der eigenen Aktie kaum größeres Aufwärtspotenzial zuzutrauen.

Die Marktbeobachter können aus dem Verhalten der Manager ihre eigenen Schlüsse ziehen. Sogenannte Insidergeschäfte können deshalb Indikatoren für fallende oder steigende Märkte sein. Als Insider gelten nicht nur der Aufsichtsratschef oder der Vorstand eines börsennotierten Unternehmens, sondern alle Mandatsträger und deren Angehörige.

Kaufen oder verkaufen Insider eines Unternehmens, dessen Aktien an deutschen Börsen gehandelt werden, konzerneigene Aktien, müssen sie diese als Director's Dealing bezeichneten Geschäfte der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) mitteilen. Das soll die Kapitalmärkte transparenter machen.

Anhand der gemeldeten Daten haben Emittenten Indizes entwickelt, von deren Wertentwicklung Anleger mit entsprechenden Zertifikaten profitieren können. Anleger begeben sich mit den Insiderzertifikaten auf die Spuren der Firmenbosse. Die entscheidende Frage: Liegen die Topmanager mit ihrer Meinung richtig?

Auf den Spuren der Chefs: Insiderzertifikate auf deutsche Aktien   Auf den Spuren der Chefs: Insiderzertifikate auf deutsche Aktien

Die Commerzbank bietet ein Insiderzertifikat auf einen Index an, der sich aus maximal neun DAX-Werten mit den höchsten Kaufvolumina von "legalen Insider-Transaktionen" zusammensetzt. Die Berechnung erfolgt jeweils am 15. eines jeden Monats. Derzeit sind in dem Index die Aktien von Daimler  (Gewichtung: 33,33 Prozent), Henkel  (22,22), BASF  (11,11), RWE  (11,11), SAP  (11,11) und ThyssenKrupp  (11,11) enthalten. Die Dividenden der Indexmitglieder werden reinvestiert und erhöhen den Wert des Zertifikats.

Anleger zahlen eine jährliche Managementgebühr von 0,8 Prozent. Außerdem wird eine Outperformancegebühr fällig, die ein Zehntel des monatlichen Renditevorsprungs des Insiderindex gegenüber dem DAX beträgt. Die Gebühr wird im Zertifikatepreis berücksichtigt. In den vergangenen drei Jahren erzielte das Zertifikat eine Performance von rund 26 Prozent. Das ist nicht schlecht, der DAX war jedoch besser: Er stieg im gleichen Zeitraum um rund 32 Prozent.

Das Indexzertifikat der Deutschen Bank  auf den Solactive Insider Index setzt auf jene 15 Titel unter den 100 größten deutschen Aktiengesellschaften, bei denen im abgelaufenen Quartal die größten Insiderkäufe getätigt wurden. Zu den Top Five gehören derzeit Merck (Gewichtung: 13,57 Prozent), Deutsche Telekom (11,05), Jungheinrich (10,97), Rhön-Klinikum (9,74) und Krones (7,26). Die Indexzusammensetzung wird einmal pro Quartal überprüft. Auch hier kommen die Dividenden der in dem Index enthaltenen Unternehmen den Zertifikateanlegern zugute. Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent. In den vergangenen drei Jahren konnte das Papier um rund zwölf Prozent an Wert zulegen.

Für Anleger, die lieber Aktien aus der zweiten Reihe bevorzugen, bietet die Commerzbank  ein Papier auf den Deutschland Mid Cap Insider Index an. Das Aktienbarometer setzt sich aus maximal 15 MDAX-Werte zusammen, die die höchsten Kaufvolumina bei den Insidertransaktionen aufweisen. Die Zusammensetzung des Index wird monatlich aktualisiert. Die Schwergewichte des Index sind derzeit Klöckner & Co. (Gewichtung: 20,00), Gerry Weber, Hannover Rück und Krones (jeweils 13,33 Prozent). Auch hier verlangt die Commerzbank eine jährliche Managementgebühr von 0,8 Prozent sowie eine zehnprozentige Outperformancegebühr, falls das Papier besser abschneidet als der MDAX. In den vergangenen drei Jahren machte das Zertifikat ein Plus von 58 Prozent - der MDAX stieg in der gleichen Zeit um rund 61 Prozent.

Alle genannten Insiderzertifikate erzielten somit in den vergangenen drei Jahren deutlich positive Renditen. Allein: Mit einem schlichten Indexzertifikat auf den DAX beziehungsweise den MDAX wären Anleger noch besser gefahren.

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  • Aus der FTD vom 07.11.2012
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