Eine Krise durchläuft stets mehrere Phasen. Erst wittern Einzelne neue Chancen. Dann glauben alle, in einer Welt zu leben, in der es kein Risiko mehr gibt. Irgendwann bricht Panik aus. Am Ende ist der Schaden groß, und die Verantwortlichen zeigen Reue. Kurz darauf tun alle so, als wäre nichts gewesen, und warnen vor Überregulierung.
In diesem Heulsusenstadium befinden wir uns gerade. Ob bei Eigenkapitalvorschriften für Banken, Regeln für Hedge-Fonds oder eine härtere Gangart gegen Rohstoffspekulanten: Überall beschwört die Wirtschaft den Untergang des Abendlands herauf, wenn Regierungen und Behörden Ernst machen.
Etwa, wenn es um den 592.000 Mrd. $ großen Markt für außerbörsliche Derivate geht, zu dem Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) gehören. Der Versicherer AIG geriet wegen CDS-Wetten an den Abgrund. Die USA und die EU-Kommission planen deshalb, standardisierte Kontrakte von zentralen Gegenparteien abwickeln zu lassen. Diese Clearinghäuser übernehmen das Ausfallrisiko gegen eine Gebühr. Gleichzeitig wird über höhere Kapitalanforderungen nachgedacht.
Jeder sich selbst der Nächste
Natürlich regt sich dagegen Widerstand, auch aus Deutschland. Konzerne wie
BASF ,
Bayer ,
Daimler oder
Eon fühlen sich benachteiligt und warnen vor zu hohen Kosten. Der Blick in die Briefe an die EU-Kommission verrät, dass jeder - Lehren aus der Krise hin oder her - sich wieder selbst der Nächste ist.
"Wir sind der Ansicht, dass eine verschärfte Regulierung und Standardisierung in einigen Märkten von großem Vorteil wäre, beispielsweise bei Kreditderivaten. Bei Rohstoff-, Zins- und Währungsderivaten sind wir jedoch über die Konsequenzen schärferer Vorschriften sehr besorgt." (Eon)