Bei Indexfonds kommt ein Grundproblem der Nachhaltigkeitsfonds besonders zum Tragen: Die Frage, was eigentlich nachhaltig ist. "Es ist sehr schwierig, das zu definieren", sagt Perovic. Aktive Fondsmanager wählen die Titel in ihrem Fonds in der Regel entweder nach dem sogenannten "Best in Class"-Ansatz aus. Sie suchen also die grünsten oder mitarbeiterfreundlichsten Unternehmen einer Branche und berücksichtigen dabei auch solche Branchen, die per se als wenig nachhaltig gelten.
ETF-Anbieter hardern mit Angebot von Nachhaltigkeits-Indizes
Oder sie schließen einige Branchen von vornherein aus, etwa die Tabak- oder Rüstungsindustrie. Die meisten Fondsmanager kombinieren beide Ansätze, haben also einen gewissen Spielraum bei der Titelauswahl. Bei ETFs entscheidet allerdings nicht der Fondsmanager darüber, in welche Titel er investiert. Sondern der Anbieter des Index, den der ETF nachbildet. ETF-Anbieter können derzeit laut SBI zwischen rund 150 Nachhaltigkeits-Indizes wählen - sind mit dem bestehenden Angebot aber offenbar nicht glücklich. "Es ist schwierig, beim Verständnis von Nachhaltigkeit mit Kunden und Indexanbietern auf einen Nenner zu kommen", sagt Marc Bubeck, Sprecher des ETF-Marktführers iShares.
Zu den Nachhaltigkeits-ETFs der Blackrock-Tochter zählt unter anderem ein Fonds auf den Index "Euro Stoxx Sustainability 40". Im Index finden sich 40 Firmen aus der Eurozone, die nach Einschätzung des Indexanbieters besonders nachhaltig wirtschaften - der Anbieter wählt also nach dem "Best in Class"-Ansatz aus. Zu den größten Positionen im Index zählen der Chemiekonzern
BASF und die Autohersteller
Volkswagen und
BMW .
Europäer stehen auf "Best in Class"
ETF-Anbieter können zwar auch eigene Indizes in Auftrag geben, die dann ganz nach ihren Vorstellungen gestaltet sind. Das ist beim Thema Nachhaltigkeit aber besonders kompliziert, meint Thibaud de Cherisey, Leiter des europäischen ETF-Geschäfts beim US-amerikanischen Indexfonds-Anbieter Invesco. Zumindest für den europäischen Markt - denn bei europäischen Investoren sei der "Best in Class"-Ansatz besonders beliebt.
Europäer setzen offenbar auf den Erziehungseffekt: Wenn selbst Chemiekonzerne in einen Nachhaltigkeitsindex dürfen, solange sie nur ökologisch korrekter sind als die Konkurrenz, geben sich die Konzerne vielleicht besonders viel Mühe, nachhaltig zu wirtschaften. Nach dem "Best in Class"-Ansatz einen Index zu bauen, sei aber sehr kompliziert, sagt Cherisey. "Es gibt schließlich keinen Industriestandard für Nachhaltigkeit." In den USA schließe man schlicht einige Branchen aus Nachhaltigkeits-Indizes aus - und legt dann den nächsten Öko-ETF auf.