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  30.06.2009, 15:09    

Neuer Markt: Absicherung gegen Staatspleiten boomt

"Massenvernichtungswaffen" nennt sie Warren Buffett - Credit Default Swaps haben keinen guten Ruf. Dabei entsteht mit ihrer Hilfe gerade eine neue Anlageklasse: Wetten auf die Verschuldung von Staaten. Jetzt kommen die ersten Indizes auf den Markt.

von Tobias Bayer und Christine Mai (Frankfurt)
Die steigende Staatsverschuldung weltweit erhöht unter Investoren die Nachfrage nach Absicherungsinstrumenten. Das Handelsvolumen bei Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS) auf Länder stieg in den vergangenen Monaten deutlich an. Zudem preschen Dienstleister mit neuen Produkten wie beispielsweise CDS-Indizes auf den Markt. Im Fokus stehen dabei nicht mehr allein Schwellenländer, sondern auch Industriestaaten.
"Das Interesse an Kreditausfallderivaten auf entwickelte Staaten ist seit der zweiten Hälfte 2008 dramatisch gestiegen", sagte Dave Klein, der bei Creditresearch für Indizes auf diese Instrumente verantwortlich ist. Simon Ballard, Leiter Kreditstrategie Europa beim Researchhaus Creditsights, bestätigte die Entwicklung: "Hauptgrund sind die Auswirkungen der Programme, mit denen Regierungen die Wirtschaft wieder ankurbeln wollen."
CDS-Kontrakte sind eine Art Versicherung für Anleihen: Dabei übernimmt ein Marktteilnehmer, häufig eine Bank, den Part des Versicherers. Gegen eine Gebühr verpflichtet sich der Versicherer zu zahlen, wenn eine Anleihe ausfällt. Investoren, die den Schutz kaufen, müssen dann einen Bond der Pleitefirma liefern und erhalten dafür die Versicherungssumme. Der Versicherer hofft, noch über das Insolvenzverfahren etwas zu erhalten. Die Kontrakte werden bisher außerbörslich gehandelt - und auch für gezielte Spekulationen auf die Bonität von Unternehmen genutzt.
Absicherung gegen Ausfall der Ukraine und Kaliforniens
Die Defizite schwellen an, weil Regierungen mit Konjunkturprogrammen und Bankenrettungspaketen einspringen. Das schürt unter Investoren die Angst vor Zahlungsausfällen. Als große Warnung dient ihnen der Beinahekollaps Islands im vergangenen Jahr. Der Inselstaat im Nordatlantik benötigte internationale Hilfe, nachdem er die drei größten heimischen Banken auffangen musste.
Als besonders riskant angesehen werden laut dem Datendienstleister CMA Datavision momentan Argentinien, die Ukraine, Venezuela, Lettland, Dubai, Litauen, Kasachstan, Rumänien, Bulgarien und der größte US-Bundesstaat Kalifornien.
Zwar wurden CDS auf Schwellenländer während deren Krise Ende der 90er-Jahre sehr aktiv gehandelt. Die Volumen waren damals aber deutlich geringer. Hintergrund ist neben der besonderen Schwere der Krise die rasante Entwicklung des CDS-Markts: Die Kontrakte werden zunehmend standardisiert, zentrale Clearingstellen werden eingerichtet, die bei jedem Handel als Gegenpartei auftreten und so das Risiko minimieren sollen.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch Islands hat bei den Investoren ...   Der wirtschaftliche Zusammenbruch Islands hat bei den Investoren das Interesse nach Länder-CDS geweckt
Das ausstehende Volumen bei Kreditderivaten liegt laut dem CDS-Register DTCC derzeit bei rund 25.200 Mrd. $. Davon entfallen 13.800 Mrd. $ auf Single-Name-CDS. Das sind Kontrakte auf einzelne Emittenten. Länder und Staaten standen bei den Investoren bisher nicht im Fokus. Sie machen mit 1610 Mrd. $ derzeit nur zwölf Prozent des ausstehenden Volumens aus. Es ist stark konzentriert: Im Fall Italiens liegt es bei 182 Mrd. $, bei Brasilien bei 126 Mrd. $, bei Spanien bei 75 Mrd. $ und bei Deutschland bei 49 Mrd. $.
Es zeichnet sich indes deutlich ab, dass die Bedeutung von Länder-CDS wächst. Laut der DTCC erhöhten die Anleger ihre Positionen in der Woche bis zum 19. Juni um insgesamt 160 Mrd. $. 28,3 Prozent des Anstiegs gingen auf Länder-CDS zurück. Besonders gefragt waren Kontrakte auf die Türkei, Russland und Kasachstan.

Teil 2: Neue Indizes erweitern Spielraum

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