Tot ist das Segment der besicherten Zertifikate nicht
"Die Produkte eignen sich in erster Linie für Anleger, die sich ohne diese Absicherung gar nicht mehr an Zertifikate trauen würden", sagt Morgan-Stanley-Derivatechef Roland Lang. "Sie können aber auch für Selbstentscheider interessant sein, die auf diesem Weg ihr Emittentenrisiko ausschalten möchten und dafür bereit sind, auf etwas Rendite zu verzichten."
Verkaufsschlager sind die besicherten Zertifikate bislang nicht: Seit der Offensive im Herbst hat die Commerzbank drei Papiere emittiert, DWS Go sogar nur eins. "Die Kunden sind wieder preissensibler geworden", sagt Kemal Bagci, Derivatespezialist bei DWS Go. "Wir emittieren nur neue Safe-Produkte, wenn ein institutioneller Kunde eine solche Absicherung haben möchte." Die Nachfrage von Selbstentscheidern würde es aber nicht rechtfertigen, in der Breite neue Papiere aufzulegen. "Die Nachfrage nach besicherten Zertifikaten ist nicht vergleichbar mit der nach ‚normalen‘ Papieren", sagt Ralph Stemper vom Derivateteam der Commerzbank.
Angst vor einem Reputationsverlust
Die Zurückhaltung anderer Emittenten liegt nicht nur am mangelnden Erfolg der Pioniere. Einige haben Angst vor einem Reputationsverlust. Die Frage sei, was die Kunden denken, wenn ihnen plötzlich besicherte Zertifikate angeboten werden. Gelten die unbesicherten Papiere dann als unsicher? Andere Emittenten wehren sich nicht prinzipiell gegen besicherte Derivate, sehen aber offene Fragen bei der Bewertung der Zertifikate und der Qualität der hinterlegten Papiere.
Die Commerzbank beziffert die Kosten der Absicherung auf 0,4 bis 0,5 Prozent im Jahr. Konkurrenten, die die Zertifikate nachgepreist haben, vermuten aber eine höhere Belastung. DWS Go veranschlagt für seine Safe-Produkte rund 0,8 Prozent im Jahr, was mit der hohen Qualität der hinterlegten Papiere zusammenhänge: "Wir akzeptieren als Sicherheit nur Staatsanleihen der G10-Länder. USA und Italien nehmen wir aus", sagt Bagci. Morgan Stanley behält für sich, wie teuer die Absicherung ist.
Lang zufolge fallen diese Kosten bei Papieren mit kurzer Laufzeit kaum ins Gewicht. "Bei diesen Zertifikaten basiert die Berechnung ohnehin auf dem risikolosen Zinssatz, nicht auf dem höheren Refinanzierungssatz des Emittenten. Dem Anleger geht durch die Besicherung daher kaum Rendite verloren." Bei Zertifikaten mit über einem Jahr Laufzeit spielt der Renditeaufschlag, den die Bank ihren Gläubigern im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen bezahlen muss, eine große Rolle. Ist dieser Aufschlag hoch, kann der Emittent den Zertifikatekäufern attraktivere Konditionen bieten.
Ein Garantiezertifikat etwa besteht aus einer Nullkuponanleihe, die die Rückzahlung zum Laufzeitende sicherstellt, und einer Optionskomponente, mit der auf steigende Kurse gewettet wird. Je höher der Zins der Anleihe, umso mehr Geld bleibt für die Aktienspekulation. Bei besicherten Zertifikaten wäre dieser Zins sehr niedrig - und das Zertifikat entsprechend unattraktiv. Darum fehlen ausgerechnet besicherte Garantiezertifikate, obwohl diese genau die Anleger ansprechen, die gerne auch das Emittentenrisiko ausschalten würden.