Die schon Anfang Februar veröffentlichte Scope-Studie machte kaum Schlagzeilen, auch in den Derivateabteilungen der deutschen Banken sorgte sie allenfalls für kurze Diskussionen. Das ist einerseits verständlich, schließlich kommt die Aussage für Experten alles andere als überraschend. Andererseits verdeutlicht sie Privatanlegern ein Risiko, das ihnen oft nicht mit aller Konsequenz bewusst ist: Steigen am Aktienmarkt die Kurse, entgehen Anlegern mit vielen Zertifikaten satte Gewinne.
Die meisten Zertifikate sind mit einem Risikopuffer ausgestattet, nehmen dafür aber nicht in vollem Umfang an Gewinnen teil. Dass die Papiere dem Markt in der Hausse hinterherhinken, ist darum eine Selbstverständlichkeit. So gewann der Dax im zweiten Halbjahr 23,9 Prozent an Wert, Discountzertifikate auf den deutschen Leitindex dagegen nur durchschnittlich 12,5 Prozent. Wie der Risikopuffer funktioniert, zeigte sich im ersten Quartal 2009: Der Dax verlor gut 15 Prozent, die von Scope untersuchten Dax-Discounter bloß rund zehn Prozent.
Asymmetrische Investments
Typisches Beispiel für Zertifikate, bei denen Anleger einen Risikopuffer mit einem Verzicht auf mögliche Gewinne bezahlen, sind die immer beliebteren Aktienanleihen. In den Papieren waren Ende 2009 immerhin 2,3 Mrd. Euro investiert, viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Bei Aktienanleihen bezahlt der Emittent regelmäßig einen Kupon. Am Laufzeitende erhalten Anleger ihren Einsatz zurück oder, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Titels gefallen ist, den Gegenwert dieser Aktie. Zu einem Verlust kommt es, wenn das Kursminus die Kupons überschreitet. Discountzertifikate sind wirtschaftlich betrachtet gleich konstruiert, nur das Auszahlungsprofil ist anders: Anleger erwerben die Aktie quasi mit Abschlag, dafür nehmen sie nur bis zu einer bestimmten Schwelle an Kurssteigerungen teil.