Anleger bekommen immer mehr Möglichkeiten, mit Fonds gehebelt auf steigende und fallende Kurse zu spekulieren. Der britische Anbieter ETF Securities lässt am Dienstag vier dieser börsengehandelten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) an der Deutschen Börse listen. Die Produktkategorie ist umstritten, weil sich ihre langfristige Wertentwicklung nur schwer nachvollziehen lässt.
Die Hebel- und Short-ETFs richten sich vor allem an institutionelle Investoren. Weil sie an der Börse gehandelt werden, können aber auch Privatanleger problemlos zugreifen. Die Fonds treten in Konkurrenz zu Hebelzertifikaten und werden immer beliebter. Ende Juni waren an der Deutschen Börse 13 Short- und drei Hebel-ETFs gelistet. Die Anbieter
Deutsche Bank (DB X-Trackers),
Commerzbank (Comstage) und
Société Générale (Lyxor) verwalteten in diesen Produkten immerhin 2,3 Mrd. Euro, ein Drittel mehr als noch Ende März. Neben ETF Securities kündigte auch Crédit Agricole Asset Management an, Short- und Hebel-Fonds auf den deutschen Markt zu bringen. Details stehen allerdings noch aus.
Die vier neuen Produkte von ETF Securities bilden Indizes ab, die täglich die zweifache Wertentwicklung des
Dax und des
Euro Stoxx 50 nachvollziehen - mit positivem oder negativem Vorzeichen. Die beiden Short-Produkte sind echte Neuheiten für den deutschen Markt, denn bislang ließ sich noch nicht mit ETFs gehebelt auf fallende Kurse spekulieren. So gewinnt der ETFS Dax 2x Short Fund sechs Prozent an Wert, wenn der Dax an einem Tag drei Prozent verliert.
Diese Formel gilt jedoch nur für die Kursentwicklung an einem Tag, bei längeren Zeiträumen sind große Abweichungen möglich. So liegt der Dax auf Sicht von einem Jahr 17,6 Prozent im Minus. Der ShortDax x2 hat jedoch nicht 35,2 Prozent gewonnen, wie auf den ersten Blick zu erwarten gewesen wäre, sondern 7,9 Prozent verloren.
Schuld sind die Tücken der Prozentrechnung. Notiert etwa der Dax bei 5000 Punkten und klettert an einem starken Börsentag um 250 Punkte, gewinnt er fünf Prozent. Der ShortDax x2 würde an diesem Tag zehn Prozent verlieren. Gibt der Dax allerdings tags darauf seine Gewinne wieder ab und fällt auf 5000 Zähler zurück, legt der ShortDax x2 nicht etwa um zehn Prozent zu. Sein Tagesplus beträgt nur 9,5 Prozent - das Doppelte des prozentualen Verlusts, den der Dax beim Rückgang von 5250 auf 5000 Punkte erlitten hat.