Indexfonds zahlen Anlegern die Rendite des Basiswerts abzüglich Gebühren. Einige holen die Kosten wieder raus - und mehr.
von Bernd Mikosch
Mit Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) lassen sich Anleger auf eine einfache Rechnung ein: Die börsengehandelten Produkte bilden stur einen Index ab - abzüglich einer geringen Gebühr.
Doch wer seinen Depotauszug genau studiert, erfährt mitunter, dass er sogar einen Hauch besser abschneidet als der Basiswert. Der Euro-Stoxx-50-ETF der Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers etwa hat das Aktienbarometer seit Auflage Anfang 2007 um zwei Prozent geschlagen. Bei anderen ETFs auf den Leitindex für die Euro-Börsen sieht es ähnlich aus. "Im Wesentlichen sind es zwei Faktoren, die eine Überrendite ermöglichen: Einnahmen aus der Aktienleihe und der steuereffiziente Umgang mit Dividenden", sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse bei der Ratingagentur Lipper in Frankfurt.
In den drei Jahren bis Mitte 2010 haben die Fonds auf den Euro Stoxx 50 ihren Index im Schnitt um immerhin 0,2 Prozentpunkte pro Jahr geschlagen, zeigt eine Lipper-Untersuchung. Allein in den vergangenen zwölf Monaten lief der beste Fonds, der Euro-Stoxx-50-ETF der Commerzbank-Tochter Comstage, dem Euro Stoxx 50 um 0,6 Prozentpunkte voraus. Das Konkurrenzprodukt von Source dagegen hinkt dem Aktienbarometer um 0,2 Prozentpunkte hinterher - ein durchaus signifikanter Unterschied für zwei Fonds, von denen Anleger intuitiv das exakt gleiche Ergebnis erwarten würden.
Wichtigste Einnahmequelle, die eine Überrendite ermöglicht, ist die Aktienleihe: Dabei verleiht der ETF Wertpapiere, etwa an Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten wollen. Ein Beispiel dafür, welche Gebühren sich damit einstreichen lassen, liefert der Türkei-ETF der Blackrock-Tochter iShares: 2009 nahm der nur rund 70 Mio. Euro schwere Fonds über Ausleihungen 1,3 Mio. Euro ein.
Performance ausgewählter ETFs zum Euro Stoxx 50 auf Jahressicht
So war es möglich, dass der ETF, der eigentlich 0,7 Prozent Gebühren im Jahr kostet, den Index im vergangenen Jahr deutlich hinter sich ließ. "Unser Ziel ist es nicht, eine Überrendite zu erwirtschaften", sagt ein Blackrock-Sprecher. "Es ist auch gar nicht möglich, die Erträge exakt zu prognostizieren, die mit der Aktienleihe zu erwirtschaften sind. Wir sehen diese Einnahmen aber als gute Möglichkeit, die Managementgebühr zu kompensieren."
Einen kleinen Renditekick können auch Steuererstattungen liefern. "Die meisten ETFs messen sich am Euro Stoxx 50 Net Total Return. In diesem Index werden die Dividenden berücksichtigt, allerdings nach Abzug der Quellensteuer", sagt Lipper-Analyst Glow. "Den Fondshäusern gelingt es oft, unter dem Strich weniger Steuern zu zahlen, als der Indexanbieter Stoxx annimmt. Das hilft dabei, den Index zu schlagen." Stoxx rechnet zum Beispiel damit, dass die Fonds Dividenden französischer Unternehmen mit 25 Prozent versteuern. Dem französischen Fiskus stehen laut Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland aber nur 15 Prozent zu. Die ursprünglich zu viel gezahlten zehn Prozent kann sich der Fonds mit einigem bürokratischen Aufwand zurückholen. Das hilft der Rendite.
International tätige Banken können zudem versuchen, die Steuerbelastung niedrig zu halten, indem sie Aktien über den Globus verstreut lagern. "Im Steuerrecht gibt es die Tendenz, dass inländische Kapitalanleger im Vergleich zu ausländischen Investoren bevorzugt werden", sagt Alexander Born, Partner für Steuerrecht der Kanzlei White & Case. "Fondsanbieter mit Niederlassungen in mehreren Ländern können sich das zunutze machen - zum Beispiel, in dem sie Aktien im Herkunftsland des entsprechenden Unternehmens halten."
Die Deutsche Bank hat sich sogar dazu entschlossen, ihren Euro-Stoxx-50-Fonds kostenfrei anzubieten. "Unser ETF hat den Euro Stoxx 50 seit Auflage um 0,55 Prozentpunkte pro Jahr geschlagen", sagt DB-X-Trackers-Chef Thorsten Michalik. "Das hat es uns ermöglicht, die jährliche Managementgebühr von 0,15 Prozent auf null zu senken. Das heißt aber nicht, dass es künftig keine Outperformance mehr geben wird."
Auch wenn es nur um verhältnismäßig geringe Erträge geht: Die meisten Privatanleger dürften sich über das kleine Zubrot freuen. Allerdings gibt es auch Kritiker. "Die Überlegung, mit einem ETF besser abschneiden zu wollen als der Index, geht an der Idee des passiven Investierens vorbei", sagt Sascha Specketer, Deutschlandchef von Source. "Wir können unseren Anlegern zu jedem Zeitpunkt die Indexperformance abzüglich der Verwaltungsgebühr liefern. Das ist ihnen wichtiger als die Hoffnung auf eventuelle Erträge aus Leihgeschäften." Source mag im Ranking der Euro-Stoxx-ETFs hinten liegen. Doch Specketer grämt das nicht.
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