So sind Fernseher und Computer wieder frei erhältlich, und jeder Kubaner darf nun ein Handy besitzen. Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Derivatebranche Kuba für sich entdeckte. Jetzt hat die französische Großbank Société Générale (SocGen) das erste Zertifikat an den Markt gebracht. Da ein direktes Investment in kubanische Firmen nicht möglich ist, füllte der Emittent einen Zertifikatekorb mit Unternehmen, die besonders vom Wachstumspotenzial des Landes profitieren könnten. Von den 16 Firmen, die der SG Cuba Basket derzeit enthält, sind viele auch im bislang einzigen Kubafonds, dem Herzfeld Caribean Basin Fund (ISIN US42804T1060), zu finden. Dazu gehören beispielsweise der mexikanische Baustoffriese Cemex oder das Immobilienunternehmen Lennar aus Miami.
Die Zusammensetzung des SG Cuba Basket wird halbjährlich überprüft. Da viele Aktien in einer ausländischen Währung notieren, gibt es das Zertifikat auch in einer währungsgesicherten Variante. Bei beiden Papieren werden 80 Prozent der Bruttodividenden reinvestiert.
"Kuba ist eher eine langfristige Sache"
SocGen schwärmt von den attraktiven Tourismuszielen und den Rohstoffressourcen des karibischen Inselstaats. Es bleibt aber die Frage, ob und wann es zu einer tatsächlichen Liberalisierung Kubas kommt. Auch wenn sich die Wirtschaft langsam vom Kollaps Ende der 90er-Jahre, als die sowjetische Bruderhilfe wegbrach, zu erholen beginnt, ist es noch ein weiter Weg bis zum Wirtschaftsboom. Und was die neuen Freiheiten angeht: Bislang fehlt den meisten Kubanern schlicht das Geld, diese auch genießen zu können.
"Kuba ist eher eine langfristige Sache", sagt Mauro Toldo, Senior Economist bei der Deka-Bank. Daher sei die Laufzeit des Zertifikats bis 2011 relativ kurz. Das Land habe zweifellos großes Aufholpotenzial und mit einer gut ausgebildeten Bevölkerung auch die Chance, aus der Öffnung etwas zu machen. "Potenzial alleine reicht jedoch nicht, vieles hängt von den politischen Entscheidungen ab", so Toldo. Raul Castro sei sicher flexibler als Fidel, zu einem deutlichen Richtungswechsel sei er aber noch nicht bereit - nicht, solange sein Bruder noch lebt.