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Merken   Drucken   02.04.2008, 09:45 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Fidel geht, Kuba kommt

Seit Raul Castro die kubanischen Regierungsgeschäfte von seinem erkrankten Bruder Fidel übernommen hat, stehen Investoren in den Startlöchern. Genährt wird die Kubafantasie durch erste, kleine Zeichen der Öffnung, die fast täglich von der Insel kommen. von Samira Lazarovic
So sind Fernseher und Computer wieder frei erhältlich, und jeder Kubaner darf nun ein Handy besitzen. Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Derivatebranche Kuba für sich entdeckte. Jetzt hat die französische Großbank Société Générale (SocGen) das erste Zertifikat an den Markt gebracht. Da ein direktes Investment in kubanische Firmen nicht möglich ist, füllte der Emittent einen Zertifikatekorb mit Unternehmen, die besonders vom Wachstumspotenzial des Landes profitieren könnten. Von den 16 Firmen, die der SG Cuba Basket derzeit enthält, sind viele auch im bislang einzigen Kubafonds, dem Herzfeld Caribean Basin Fund (ISIN US42804T1060), zu finden. Dazu gehören beispielsweise der mexikanische Baustoffriese Cemex oder das Immobilienunternehmen Lennar aus Miami.
Die Zusammensetzung des SG Cuba Basket wird halbjährlich überprüft. Da viele Aktien in einer ausländischen Währung notieren, gibt es das Zertifikat auch in einer währungsgesicherten Variante. Bei beiden Papieren werden 80 Prozent der Bruttodividenden reinvestiert.
"Kuba ist eher eine langfristige Sache"
SocGen schwärmt von den attraktiven Tourismuszielen und den Rohstoffressourcen des karibischen Inselstaats. Es bleibt aber die Frage, ob und wann es zu einer tatsächlichen Liberalisierung Kubas kommt. Auch wenn sich die Wirtschaft langsam vom Kollaps Ende der 90er-Jahre, als die sowjetische Bruderhilfe wegbrach, zu erholen beginnt, ist es noch ein weiter Weg bis zum Wirtschaftsboom. Und was die neuen Freiheiten angeht: Bislang fehlt den meisten Kubanern schlicht das Geld, diese auch genießen zu können.
"Kuba ist eher eine langfristige Sache", sagt Mauro Toldo, Senior Economist bei der Deka-Bank. Daher sei die Laufzeit des Zertifikats bis 2011 relativ kurz. Das Land habe zweifellos großes Aufholpotenzial und mit einer gut ausgebildeten Bevölkerung auch die Chance, aus der Öffnung etwas zu machen. "Potenzial alleine reicht jedoch nicht, vieles hängt von den politischen Entscheidungen ab", so Toldo. Raul Castro sei sicher flexibler als Fidel, zu einem deutlichen Richtungswechsel sei er aber noch nicht bereit - nicht, solange sein Bruder noch lebt.
Steckbrief
ISIN DE000SG5D600
ISIN* DE000SG5D618
Emittent Société Générale
Spread 1,00 %
jährliche Gebühr 0,50 %
Laufzeit 18. 3. 11
*Quanto-, d. h. währungsgesicherte Variante; Stand: 1. 4. 08; Quelle: Société Générale, Onvista
 
Wie sehr das Schicksal Kubas an dem des "Maximo Lider" hängt, lässt sich am Herzfeld Caribbean Basin Fund ablesen. Der Kurs verdoppelte sich 2006, als Fidel Castro schwer erkrankte. Als dieser sich erholte, stürzte der Kurs wieder ab. Auch die Hoffnung auf schnelle Reformen nach dem Amtsantritt Raul Castros ist verflogen. In den vergangenen vier Wochen hat der Fonds fast 20 Prozent verloren.
Die Risiken eines Investments in Kuba seien noch sehr hoch, meint Dominik Thiesen, Lateinamerikaexperte der Dresdner Bank. In dem Kubazertifikat von SocGen würden diese aufgefangen, da sich im Portfolio solide Firmen aus Lateinamerika befänden, etwa die brasilianische Petrobras, deren Engagement in Kuba allenfalls ein Randbereich des Gesamtgeschäfts ausmache. Das Zertifikat biete somit die Möglichkeit, von der positiven Entwicklung Lateinamerikas zu profitieren, so Thiesen. "Ein reines Kubainvestment ist es dagegen nicht, und das ist auch gut so. Das Label Kuba dient hier wohl eher als Marketingidee."
  • Aus der FTD vom 02.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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