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Merken   Drucken   29.03.2012, 10:11 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Mit Lebensmitteln spekuliert man nicht

Deka und Union Investment erwägen Verzicht auf Agrarderivate. LBBW plant Alternativfonds für kritische Anleger.
© Bild: 2012 Reuters/STRINGER SHANGHAI
Deka und Union Investment erwägen Verzicht auf Agrarderivate. LBBW plant Alternativfonds für kritische Anleger.
von Martin Reim und

Die Diskussion um Lebensmittelspekulationen hat die Anbieter von Publikumsfonds erreicht. Deka und Union Investment erwägen, sich von Geschäften fernzuhalten, die mit Grundnahrungsmitteln zu tun haben. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) plant einen Rohstofffonds, in dem Agrargüter keine Rolle spielen.

Als Erster hatte die Deutsche Bank  reagiert. Der in Deutschland größte Akteur in diesem Bereich teilte jüngst mit: "In diesem Jahr werden wir keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen." Ein Sprecher des Instituts präzisierte jetzt, damit seien in erster Linie börsennotierte Anlageprodukte wie Exchange-Traded Commodities (ETCs) und Exchange-Traded Funds (ETFs) gemeint. Bei aktiv gemanagten Fonds seien keine Veränderungen oder neue Tranchen geplant.

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Anlass der Diskussion war eine kritische Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch im Herbst 2011. Ihr Fazit: Finanztransaktionen treiben Nahrungsmittelpreise in die Höhe und tragen eine Mitschuld an den Hungersnöten in armen Ländern. Die Anbieter von Agrarfonds investieren dabei nicht in physische Nahrungsmittel, sondern bilden Kursveränderungen über Futures oder Derivate ab.

Zu dem Thema hatten sich auch Prominente zu Wort gemeldet, zum Beispiel Uli Hoeneß, Präsident des Fußballbundesligisten FC Bayern München. Er hatte Spekulation mit Rohstoffen kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" als "Perversion" bezeichnet. Hoeneß ist im Hauptberuf Wurstfabrikant und war deshalb nach eigener Aussage "schon immer ein kritischer Beobachter" solcher Geschäfte.

Unter Wissenschaftlern ist umstritten, wie stark sich Anlagen in Agrarderivaten auf die realen Preise von Grundnahrungsmitteln auswirken. Experten kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Etliche Studien zeigen aber, dass es mindestens einen kleinen Effekt gibt. Einige Fachleute begründen Preisspitzen mit Spekulationen über Futures.

Manche Produktanbieter dürften dieser Argumentation folgen, andere aus Sorge um ihr Image über einen Verzicht auf Rohstoffspekulationen nachdenken. Ein Sprecher des Sparkassendienstleisters Deka erklärte auf Anfrage, man erwäge beim Deka-Commodities eine "Umstellung der Anlagepolitik". Der Fonds bildet über Derivate die Wertentwicklung des Dow Jones-UBS Commodity Index ab. Man prüfe nun, ohne Wetten auf Weizen, Soja, Mais, Rinder und Schweine auszukommen. Dafür soll die Genehmigung bei den Luxemburger Aufsichtsbehörden beantragt werden. Stimmt das Gremium zu, soll das Vorhaben bis Dezember umgesetzt werden. Anlass der Prüfung seien zahlreiche Stimmen aus dem Sparkassenlager gewesen, dass solche Engagements nicht zu den Instituten passten, sagte der Deka-Sprecher. Es gebe noch keine Indikation, welche Auswirkungen ein solcher Schritt auf die Wertentwicklung des Fonds habe.

Auch Union Investment aus dem Lager der Genossenschaftsbanken stellt ihre Anlagen in Grundnahrungsmittel zur Diskussion: "Unsere Aktivitäten im Bereich Agrarrohstoffe werden wir - auch mit Blick auf ethische und nachhaltige Gesichtspunkte - gründlich prüfen", sagte ein Sprecher. Es sei ein internes Expertengremium gebildet worden. Auch sei man eine "strategische Kooperation" mit dem Entwicklungsforscher Joachim von Braun eingegangen. Man wolle sich über die "sozialen Folgen" der Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen Klarheit verschaffen. Union verkauft den Unicommodities an Privatanleger.

Veränderungen strebt auch die LBBW an. Ein Sprecher sagte, man werde zusätzlich zum existierenden Fonds LBBW Rohstoffe voraussichtlich im zweiten Quartal einen LBBW Rohstoffe 3 Ex-Food offerieren, mit dem Ziel, "Kunden, die zwar in Rohstoffe, jedoch nicht in Nahrungsmittel investieren wollen, eine Option zu bieten".

Andere Wettbewerber sehen keinen Grund, etwas zu unternehmen. Ein Sprecher der Allianz -Tochter Allianz Global Investors (AGI) sagte, es seien in seinem Hause keine Änderungen geplant. AGI hat den Allianz Commodities Strategy für Privatanleger im Programm. Auch iShares, die ETF-Tochter des weltgrößte Vermögensverwalters Blackrock, hat in dieser Hinsicht nichts geplant. Der iShares S&P GSCI Dynamic Roll Agriculture Swap ETF investiert in Futures, unter anderem auf Getreide, Sojabohnen, Zucker und Weizen.

Ein Sprecher der Commerzbank  sagte, man wolle zu dem Thema angesichts der "teilweise unsachlich geführten öffentlichen Debatte" nicht Stellung nehmen. Die Commerzbank hat den Comstage ETF Commerzbank Commodity im Programm. Auch die Société Générale wollte sich nicht äußern. Die Bank verkauft über ihre Sparte Lyxor entsprechende ETFs. Nicht zuletzt lehnte auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS eine Aussage zum DWS Invest Commodity Plus ab: Der Fonds werde von der US-Tochter Rreef gemanagt. Zu Rreef gebe man derzeit keine Stellungnahmen ab. Die Deutsche Bank  stellt einen großen Teil ihrer weltweiten Vermögensverwaltung zum Verkauf oder zumindest zur Disposition, darunter auch Rreef.


Foodwatch und die Deutsche Bank
Studie Finanzinstitute stehen schon seit Längerem in der Kritik, wenn es um Engagements rund um Nahrungsmittel geht. Bewegung kam hierzulande in die Diskussion, als im vergangenen Herbst, die Verbraucherorganisation Foodwatch eine extrem kritische Studie veröffentlichte. Tenor: Spekulationen mit Weizen, Mais, Reis oder Soja treiben in manchen Marktphasen die Preise und sind mit schuld an Hungersnöten in armen Ländern. Foodwatch forderte zugleich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem offenen Brief auf, er solle mit gutem Beispiel vorangehen und die anrüchigen Geschäfte beenden. Ackermann, der zugleich Präsident des Weltbankenverbands IIF ist, trage "eine persönliche Verantwortung dafür, dass Menschen Hunger leiden". Die Deutsche Bank wird in der Studie als einziger deutscher Finanzdienstleister explizit genannt. Allerdings offerieren eine ganze Reihe von Anbietern einen oder mehrere Fonds, mit denen Privatanleger von einem Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln profitieren können. Gründer und starker Mann bei Foodwatch ist seit Herbst 2002 der ehemalige Greenpeace-Chef Thilo Bode.

 

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