Bric-Erfinder O'Neill favorisiert Brasilien, Fondsmanager setzen auf Russland. Wie sich Anleger auch entscheiden - für beide gibt es eine breite Palette von Fonds und Zertifikaten. von Stefan Mayriedl
Fast schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit meldet sich Jim O'Neill mit einer Einschätzung zu den Bric-Börsen zu Wort. Wer auch könnte berufener dazu sein? Immerhin hatte der Goldman-Sachs-Chefvolkswirt im Herbst 2001 in einer wegweisenden Analyse das Kürzel selbst geprägt, das sich aus den Anfangsbuchstaben der dynamischen Volkswirtschaften Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas zusammensetzt.
Am Beginn des neuen Jahrzehnts nun weist O'Neill darauf hin, dass sich diese Länder besser als von ihm erwartet entwickelt hätten. Statt der prognostizierten zehn Prozent, die die Bric-Länder zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt beisteuern sollten, werden es Ende 2010 zwischen 16 und 17 Prozent sein, so O'Neill.
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Von der globalen Rezession hätten sich die Länder sehr gut abkoppeln können, da ihre Bankensysteme kaum in die weltweite Finanzkrise verstrickt seien. Zudem spiele das Thema Staatsverschuldung so gut wie keine Rolle. Nach der hervorragenden Entwicklung 2009 werde es aber nach Auffassung von O'Neill zunehmend schwieriger, in Bric-Aktien zu investieren.
Im aktuellen Umfeld favorisiert der Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Brasilien, deren Volkswirtschaft in den vergangenen neun Jahren als einzige der vier Bric-Staaten hinter seinen Prognosen zurückgeblieben sei. Für das soeben begonnene Jahrzehnt sagt der Analyst im Schnitt ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent pro Jahr voraus, was eine Steigerung gegenüber den vergangenen zehn Jahren bedeuten würde.
Auch für die Analysten von HSBC Trinkaus ist die Börse São Paulo der Favorit unter den Bric-Ländern. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 sei der Markt attraktiv bewertet, meint Christian Heger, Chefanlagestratege von HSBC Global Asset Management Germany. Ein weiteres Argument, das für ein Engagement am Zuckerhut spricht ist, dass mit der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 gleich zwei der vier größten globalen Sportereignisse in den kommenden sechs Jahre in Brasilien stattfinden. Gerade aufstrebenden Volkswirtschaften kann ein solches Ereignis einen Schub verleihen.
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