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Merken   Drucken   16.06.2008, 11:42 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Schutz vor Geldentwertung

Die Preise für Lebensmittel und Energierohstoffe sind in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Im Mai betrug die Teuerungsrate in der Euro-Zone 3,7 Prozent. Das ist der höchste Stand seit der Einführung des Euro. von Christoph Hus
Inzwischen ist auch die Europäische Zentralbank alarmiert: Sie hat angedeutet, dass sie die Zinsen bald erhöhen könnte. Denn ihr Grenzwert für die Geldentwertung liegt bei zwei Prozent.
Wer in dieser Situation in Anleihen investiert, macht ein schlechtes Geschäft. Der Zins der Rentenpapiere liegt oft nur wenig höher als die Inflation - unter dem Strich verdienen Anleger mit ihrem Investment also kaum Geld. "Inflation ist eines der größten Risiken für Inhaber herkömmlicher Staatsanleihen", sagt Marten-Pieter van Harten, Rentenportfoliomanager bei ING Investment Management. Denn die Realverzinsung hängt bei solchen Papieren direkt von der Höhe der Geldentwertung ab.
Top-Inflationskiller im Vergleich   Top-Inflationskiller im Vergleich
Für Anleger werden deshalb Fonds interessant, die in inflationsgeschützte Anleihen investieren. Diese Papiere schützen vor Kaufkraftverlust. "Inflationsgeschützte Anleihen sind momentan eine besonders attraktive Anlageform", urteilt van Harten.
Weltweit waren Ende vergangenen Jahres 1620 Mrd. $ in inflationsgeschützte Anleihen investiert, hat Barclays Capital errechnet. Damit hat sich das Volumen seit dem Jahr 2005 mehr als verdoppelt. Die meisten inflationsgeschützten Papiere stammen von Emittenten aus den USA: Sie machen rund ein Drittel des weltweiten Markts aus, schätzt Barclays.
Die Anleihen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Die Höhe der Zinszahlungen sowie die Höhe des zurückzuzahlenden Kapitals am Ende der Laufzeit richten sich nach der Entwicklung eines Inflationsindex. Bei Anleihen europäischer Emittenten handelt es sich meist um den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).
Von inflationsgeschützten Papieren profitieren Anleger besonders, wenn sich die Inflation stärker erhöht, als die Mehrheit der Marktteilnehmer es erwartet. In dem Fall zahlt sich die Koppelung an den Verbraucherpreisindex am stärksten aus. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von der "Breakeven-Inflationsrate". Damit meinen sie die Höhe der Geldentwertung, ab der Käufer inflationsgesicherter Anleihen besser dastehen als Anleger, die in andere Festverzinsliche investiert haben.
Für die kommenden Monate und Jahre rechnen Marktbeobachter damit, dass die Inflation weiter ansteigen könnte - oder zumindest auf hohem Niveau bleibt. "Die Teuerung wird mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten fünf Jahren ein Problem darstellen", sagt Bernhard Urech, bei der Privatbank Julius Bär für Anleihe-Investments verantwortlich. "In den Industrieländern geht die Zeit niedriger Inflationsraten zu Ende", sagt auch ING-Experte van Harten. "Angesichts der niedrigen Arbeitslosenrate haben die Gewerkschaften jetzt die Macht, den Kaufkraftverlust durch Lohn- und Gehaltszuwächse auszugleichen." Die Inflationsrate in der Euro-Zone werde deshalb auch mittelfristig über dem Ziel der EZB liegen, denn ein Anstieg des Lohnniveaus heizt die Geldentwertung weiter an.
Investoren sind deshalb gezwungen, ihre Investmentstrategie anzupassen. "Für viele Anleger ist die jetzige Situation eine ganz neue Erfahrung, denn jahrelang waren die Inflationsraten sehr niedrig", sagt Rainer Ottemann von KBC Asset Management. In ihre Geldanlageentscheidungen haben Anleger die Geldentwertung deshalb meist nicht einbezogen.
Anbieter von Fonds, die auf inflationsgesicherte Anleihen setzen, versprechen mit ihren Produkten eine Lösung des Problems. In den vergangenen Jahren haben allerdings nur wenige dieser sogenannten Inflationsfonds gut abgeschnitten. Am besten stand der Fonds MAT Real Return da, der im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 6,2 Prozent erwirtschaftete. Die Mehrzahl der Produkte enttäuschte die Anleger: Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre erzielten inflationsgesicherte Anleihefonds gerade einmal ein Plus von 0,7 Prozent, wie Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar belegen. Mit den schlechtesten Produkten verloren Investoren sogar über zehn Prozent pro Jahr.
  • Aus der FTD vom 16.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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