An den Finanzmärkten gibt es nichts geschenkt. Was zunächst nach einer sicheren Wette aussieht, entpuppt sich nicht selten als Fehlgriff - auch an der Börse. Als sich im Sommer 2011 der Preis für Rohöl der Sorte Brent weit vom Preis für WTI -Öl entfernt hatte, kamen Produkte an den Markt, mit denen Anleger auf ein Zusammenlaufen der Preise setzen konnten. Die Überlegung der Emittenten war naheliegend, denn historisch kostet das qualitativ höherwertige WTI-Öl etwas mehr als die Nordseesorte Brent.
In den vergangenen Wochen hat sich der Preisunterschied aber wieder bis auf 20 Dollar pro Barrel (159 Liter) in der Spitze ausgeweitet, aktuell beträgt er 18 Dollar. Die Gründe dafür sind zum Teil bekannt, zum Teil aber auch neu und von Spekulationen getrieben. Denn während der Preis bei WTI maßgeblich von der Lagersituation im US-Städtchen Cushing abhängig ist und zudem von wenigen großen Investoren bestimmt wird, zeichnet die Notierung für Brent ein realistischeres Bild vom Ölmarkt .
Allerdings üben auch hier einige politische Faktoren Einfluss auf den Preis aus. So vor allem hält der Konflikt um das Atomprogramm des Iran die Notierungen auf einem hohen Niveau. Einige Beobachter glauben sogar bereits einen Zeitpunkt zu kennen, an dem Israel einen Präventivschlag gegen den Erzfeind Iran wagen wird. Das könnte vor allem dem Preis von Brent noch einmal einen heftigen Ausreißer nach oben bringen. Schon jetzt schätzen Experten, dass allein die Konflikte im Nahen Osten für eine Risikoprämie von 10 Dollar je Fass verantwortlich sind.
Zudem ist Chinas Brent-Nachfrage bisher rasant gestiegen: Die Volksrepublik importierte allein im Januar acht Prozent mehr Rohöl als im Januar 2011. Die Einkaufsmanagerindizes deuten jedoch darauf hin, dass das 2012 nicht so bleiben muss und auch von hier eine Abschwächung kommen könnte. Trotz aller Risiken scheint ein Preisaufschlag von bis zu 20 Dollar je Fass Brent jedenfalls überzogen.
Wer mit Ölpreisen von 160 Dollar oder mehr für Brent hausieren geht, vergisst nämlich, dass der Ölkonsum nicht auf der grünen Wiese stattfindet. Nicht nur die europäische, auch die asiatische Wirtschaft würde bei einem Brent-Kurs von 160 Dollar gefühlt kollabieren, aus aktueller Sicht zumindest. Für die Spritpreise in Deutschland würde dies - einen konstanten Dollar angenommen- locker 2 Euro oder mehr bedeuten. Eine Katastrophe für Spediteure, Flug- und Logistikunternehmen und deren Kunden.
Ungeachtet der momentanen Lagersituation und der politischen Gemengelage zeigen auch die Futures an, wohin die Reise gehen könnte: Während die Preise für WTI auf der Zeitachse ziemlich konstant sind, deuten die Terminkontrakte für Brent auf sinkende Notierungen hin. So kostet WTI zur Lieferung im Juni 2012 etwa genauso viel wie im Juni oder Dezember 2013. Bei Brent dagegen fallen die Notierungen verglichen mit dem aktuellen Kurs von rund 120 Dollar auf 114 und später 109 Dollar.
Schwierig wird es nun, wenn Anleger diesen Preisunterschied und auch den Verlauf der Terminkurve ausnutzen wollen. Klare Faustregel: Egal wie ausgeklügelt eine Produktidee sein mag, entfliehen kann man den Marktgegebenheiten nicht. Somit bieten sich vor allem Papiere an, die auf einen Seitwärtstrend bei Brent mit Puffer nach unten zielen, etwa Inline-Optionsscheine mit Laufzeiten bis September und Dezember. Die Renditen sind hoch und im Falle des Papiers mit Laufzeit Dezember liegen beide Barrieren in etwa 40 Dollar vom aktuellen Kurs entfernt. Beim Inliner mit Laufzeit September sollte der Preis wenn überhaupt nur in kleinen Schritten nachgeben, damit die Barriere bei 95 Dollar nicht in allzu direkte Reichweite gerät.
Voraussetzung für einen Erfolg mit den Inlinern ist aber vor allem, dass der iranische Präsident Ahmadinedschad die Situation nicht eskalieren lässt. Denn sonst dürfte der Markt wie beschrieben unberechenbar werden und die Volatilität bei den Ölpreisen kurzfristig durch die Decke schießen.
Wer darauf setzen will, dass sich WTI von unten her an die Brent-Notierung annähert, für den bieten sich zwei unterschiedliche Knock-out-Bull-Papiere an. Die Hebel liegen hier bei 4,6 beziehungsweise 3,4 und fallen damit recht moderat aus. Wie bei allen Knock-out-Produkten darf die untere Schwelle nicht durchbrochen werden, da die Papiere sonst vorzeitig ausgeknockt werden.