Eine gute Schwäche ist besser als eine schlechte Stärke. Dieser Weisheit scheint derzeit der Euro zu folgen. Denn eigentlich müsste es der europäischen Gemeinschaftswährung schlechter gehen, als es die Notierungen an den Devisenmärkten derzeit widerspiegeln. Die Schuldenkrise ist nach den Regierungsturbulenzen in den Niederlanden und der Abwertung Spaniens zurückgekehrt. Und die mögliche Wahl des französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande lässt die Sorge um den mühsam geschnürten EU-Fiskalpakt in seiner jetzigen Form größer werden. Trotzdem gelang dem Euro wiederholt der Ausbruch über die Marke von 1,32 Dollar. "Der Euro zeigt sich weiterhin erstaunlich stabil", stellte Devisenexperte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler fest. "Trotz des überraschend schwachen Geschäftsklimas und Wirtschaftsvertrauens im Euro-Raum bewegt sich die Gemeinschaftswährung in einer vergleichsweise engen Bandbreite", so Keller weiter.
Mutige Anleger können mit Inline-Optionsscheinen auf einen solchen seitwärts tendierenden Markt setzen. Diese Papiere werfen Gewinne ab, wenn sich der Wechselkurs während der Laufzeit innerhalb einer festgelegten Spanne bewegt. Wichtig dabei ist: Weder die untere noch die obere Begrenzung des Korridors dürfen verletzt werden.
Und davon ist im Moment auszugehen. Im Clinch mit dem Dollar beweist der Euro angesichts immer wieder enttäuschend ausfallender Konjunkturdaten aus Übersee ein ums andere Mal mehr Stärke. Die anhaltend lockere Geldpolitik in den USA und die Bereitschaft der Notenbank Fed, der heimischen Wirtschaft zur Not mit weiteren quantitativen Lockerungen zu helfen, tun ein Übriges.
Der Yen wiederum wertete gegenüber dem Dollar und dem Euro in den vergangenen Monaten ab, nachdem er zuvor lange als sicherer Anlagehafen in Euro-Krisenzeiten galt. Grund ist die neue Geldpolitik der Bank of Japan, die ihren jahrelangen restriktiven Kurs aufgegeben und die Geldschleusen geöffnet hat. Zwar fiel die letzte Ausweitung des Anleihekaufprogramms mit netto 5000 Mrd. auf 70.000 Mrd. Yen (rund 653 Mrd. Euro) niedriger aus als erwartet; aber Devisenexperten, wie etwa Commerzbank-Analyst Marco Wagner, gehen davon aus, dass die japanische Notenbank in den kommenden Monaten weiter "aufs Gaspedal drücken wird". So dürfte auch der Yen in naher Zukunft zur Schwäche neigen, aber im Vergleich zum ebenfalls schwächelnden Euro tendenziell stagnieren.
In einem Seitwärtstrend ist es schwer, mit herkömmlichen Hebelprodukten wie Knock-outs oder Optionsscheinen Geld zu verdienen. Besser bewerkstelligen lässt sich das mit Inline-Optionsscheinen. Mit diesen Papieren lassen sich hohe Renditen erzielen, wenn eine vorgegebene Bandbreite nicht überschritten wird.
Den großen Chancen steht aber ein Totalverlustrisiko gegenüber. Sollte nämlich die obere oder untere Grenze der vorgegebenen Bandbreite nur einmal erreicht beziehungsweise über- oder unterschritten werden, verfällt der Inliner sofort, und es kommt quasi zum Totalverlust. Konkret heißt das: Der Emittent solcher Papiere zahlt in dem Fall 0,001 Euro pro Inline-Optionsschein zurück. Geht die Rechnung auf und die Begrenzungen halten Stand, gibt es für Optionsscheininhaber 10 Euro als Rückzahlung.
Der Wettcharakter dieser Papiere kommt auch in den meist sehr kurzen Laufzeiten zum Ausdruck. So bietet die Deutsche Bank mit ihrem Double-No-Touch-Optionsschein, wie die Inliner dort heißen, ein Produkt mit einer Laufzeit bis zum 25. Mai diese Jahres an. Der Schein hat eine Bandbreite, die von 1,28 Dollar (untere Barriere) bis 1,35 Dollar (obere Barriere) reicht, und ein Renditepotenzial von insgesamt rund 71 Prozent. Die 1,35er-Marke liegt bei einem aktuellen Euro-Kurs von 1,3220 Dollar allerdings nicht weit entfernt, was die guten Renditechancen bei einer Laufzeit von rund drei Wochen erklärt. Allerdings wurde das Niveau von 1,35 Dollar zuletzt Ende 2011 erreicht.
Anleger, die kein so hohes Risiko eingehen wollen, haben die Möglichkeit, größere Spielräume zu wählen. Der in der Tabelle aufgeführte Inline-Optionsschein mit der Bandbreite von 1,26 bis 1,45 Dollar verfügt über diese Voraussetzung. Die Laufzeit endet etwas später am 29. Juni 2012. Der Schein kostet aktuell knapp 9 Euro, sodass sich eine Renditechance von rund 13 Prozent über eine Laufzeit von knapp zwei Monaten errechnet.
Auch der seitwärts tendierende Euro-Yen-Wechselkurs ermöglicht als Inliner verpackt ansprechende Renditen. Der aktuelle Yen-Kurs bei dem für die Produkttabelle ausgewählten 99-111er-Inline-Optionsschein liegt ziemlich in der Mitte der vorgegebenen Bandbreite. Die Renditechance bei diesem Papier, das am 27. Juni 2012 fällig wird, beträgt rund 31 Prozent.
So verlockend die Chance-Risiko-Profile auch sein mögen, der Einsatz von Inline-Papieren ist lediglich als Depotergänzung zu empfehlen Aufgrund ihres Alles-oder-nichts-Charakters sollte ihr Anteil am Depot in der Regel unter 15 Prozent liegen.