Ranking: Derivateanbieter nach Preisen und Handelsspannen
Doch bietet sie den Anlegern die Möglichkeit, Preise und Spreads der Emittenten bei den zehn untersuchten Zertifikatearten zu vergleichen: Bonus-, Outperformance-, Sprint- und Discountzertifikate sowie sechs Sonderformen von Bonuszertifikaten hat Scope analysiert. Garantiezertifikate, die mit gut 30 Prozent den größten Anteil am Marktvolumen ausmachen, wurden nicht getestet. Den eigenen Anspruch, "die jeweils besten Emissionshäuser für die zehn wichtigsten Zertifikatetypen" festgestellt zu haben, löst Scope daher nicht ganz ein. Analysiert worden sei die Qualität von 31 Emittenten und rund 117.000 Anlagezertifikaten.
Die Methodik der Analyse bei Preisen und Spreads sei in Ordnung, hieß es von einem Emittenten. Allerdings wird bei der Spread-Analyse kritisiert, dass Scope die prozentuale Differenz von Kauf- und Verkaufskurs messe. "Die Emittenten arbeiten mit festen Spreads", sagt Ciftci. "Ein prozentualer Vergleich bringt Vorteile für Anbieter, die mit einem Aufschlag emittieren, obwohl das aus Anlegersicht teuer ist."
Weniger relevant für Anleger als der Preisvergleich ist das dritte Kriterium der Scope-Studie, die Marktabdeckung einzelner Anbieter. Denn viele Investoren suchen im Internet nach Derivaten verschiedener Banken. Das Kriterium Marktabdeckung bringt den großen Anbietern Deutsche Bank und Commerzbank Vorteile, was vermutlich zu dem Urteil von Scope beiträgt, nur die beiden seien durchgängig anlegerfreundlich.
Die Ratingagentur verweist sogar selbst darauf, dass bei den unterschiedlichen Zertifikatetypen nicht immer die Anbieter führen, die im Gesamtranking vorn liegen. Für Anleger empfiehlt sich daher der Blick auf die Ranglisten bei Preisen und Spreads für den jeweiligen Produkttyp, den er kaufen möchte.
"Eine große Marktabdeckung ist vor allem aus Anbietersicht wichtig" , sagt Gregoire Toublanc, Leiter des Derivatevertriebs bei BNP Paribas. Die große Zahl an Derivaten sei Ausdruck des scharfen Wettbewerbs, der auch die Preise drücke, sagt er. "Gerade bei Discount- und Bonuszertifikaten bekommen Anleger sehr gute Preise."
Großes Angebot erschwert Suche
Allerdings erschwere das große Angebot auch die Suche nach dem passenden Zertifikat. "Deshalb brauchen wir ein Zertifikaterating, das Anleger zum Beispiel bei der Suche auf Internetfinanzseiten nutzen können", fordert Toublanc, dessen Bank beim Preis auf Rang fünf und bei den Spreads auf Rang acht liegt. Bislang ist noch kein Zertifikaterating in die bekannten Internetanlegerportale eingebaut.
Der Deutsche Derivate Verband (DDV) äußert sich zurückhaltend zum Scope-Rating. "Der DDV will für die Branche auch mit Blick auf das Rating von Zertifikaten Marktstandards setzen und ist dabei auf keine Ratingagentur festgelegt", sagt DDV-Geschäftsführer Hartmut Knüppel. "Der Deutsche Derivate Verband unterstützt das auch von ihm mitinitiierte Rating der European Derivates Group, da dieses wissenschaftlich fundiert ist und alle wesentlichen Kriterien für ein Zertifikaterating erfüllt, das die notwendige Produkttransparenz schafft und den Anlegern eine wichtige Orientierung bei ihren Anlageentscheidungen vermittelt." Das Konzept stehe, die Umsetzung liege im Zeitplan. "Der Startschuss soll noch im laufenden Halbjahr erfolgen", sagt Knüppel.
Investoren sollten die Studie nur als Hinweis nutzen. Denn den Anlageerfolg bestimmt auch die durchgängige Handelbarkeit, die diese Studie nicht untersucht.