Das aktuelle Marktumfeld macht Garantiezertifikate attraktiv. Vor allem für defensive Anleger bieten sich Chancen. Zumal derzeit auch die Volatilität mitspielt. von Christian Ingerl
Der Risikoappetit an den Kapitalmärkten scheint sich zu verflüchtigen. Externe Faktoren wie die Griechenland-Krise lassen die Anleger wieder vermehrt zu defensiven Produkten greifen. Vor allem Kapitalschutzzertifikate stehen hoch in der Gunst der Investoren. Nach einer Auswertung des Deutschen Derivate Verbands waren im April Papiere mit vollständigem Kapitalschutz mit einem Anteil von 60,8 Prozent am ausstehenden Volumen am meisten gefragt. Dabei stellten strukturierte Anleihen die beliebteste Kategorie.
Garantiepapiere sind nicht nur aufgrund des unsicheren Umfelds en vogue. Heiko Geiger von der Bank Vontobel nennt einen weiteren Grund: "Ein höheres Zinsniveau führt zu besseren Konditionen bei Garantiezertifikaten." Zur Erinnerung: Die EZB hat am 7. April den ersten Zinsschritt nach oben gewagt, der nächste soll bereits am Donnerstag folgen.
Da ein Kapitalschutzzertifikat größtenteils aus einer Nullkuponanleihe besteht und diese bei steigenden Zinsen günstiger wird, ergeben sich für den Emittenten Vorteile bei der Finanzierung des Zertifikats. Diese kann er - sei es in Form von mehr Schutz oder als höhere Renditechance - an die Anleger weitergeben.
Produktexpertin Nicole Wittmann von Macquarie gibt aber zu bedenken: "Nicht nur die Zinsen spielen eine Rolle, sondern auch die Volatilität." Sei die Schwankungsbreite zu hoch, könne trotz steigender Zinsen keine attraktive Struktur erstellt werden. Grund: Der Call, ein weiterer Baustein des Zertifikats, werde dann zu teuer.
Zuletzt hat sich die Volatilität allerdings auf einem gemäßigten Niveau eingependelt. Abgesehen von kleineren Ausschlägen nach oben lag der Volatilitätsgradmesser VDAX permanent unter 20 Prozent. "Die Traummaße von 100 Prozent Schutz und 100 Prozent Partizipation waren lange Zeit selten zu finden", sagt Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope. "Niedrige Volatilitäten und erste Anzeichen steigender Zinsen hätten dafür gesorgt, dass diese Ausstattung zuletzt wieder häufiger auftauchte.
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