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Merken   Drucken   14.01.2009, 09:46 Schriftgröße: AAA

Short-Produkte: Da staunt der Bär

Short-Indizes sind die Gewinner der Finanzkrise. Die Deutsche Börse erfand ihren just, als die Kurse auf dem Höhepunkt waren, seitdem ging es steil abwärts. Das Kursverhalten ist dennoch undurchschaubar. von Christan Kirchner
Es war exzellentes Timing: Als die Deutsche Börse im März 2007 den sogenannten ShortDax erfand, stand der Bullenmarkt kurz vor seinem Ende. Ab Sommer 2007 ging es abwärts - und seitdem thronen Zertifikate und Indexfonds auf den ShortDax an der Spitze der Performanceranglisten.
Der ShortDax vollzieht jede prozentuale Tagesveränderung des Dax mit umgekehrten Vorzeichen: Verliert der Dax an einem Tag zwei Prozent, steigt der ShortDax um zwei Prozent und umgekehrt. Zudem fließt in den ShortDax der doppelte Tagesgeldzins ein, derzeit also 2 mal 2,1 Prozent pro Jahr. "Hinter dem ShortDax steckt der Verkauf des Index, der ohnehin schon die am Terminmarkt üblichen Zinseinnahmen generiert. Da Anleger das Produkt zudem kaufen, fallen auch für die Investition Zinsen ab", erläutert Christian Grabbe von der Baader Bank.
An sich mutet der ShortDax daher wie ein ideales Anlageprodukt für Pessimisten an: Geld verdienen, wenn es abwärts mit dem Dax geht, und doppelte Tagesgeldzinsen verdienen, wenn die Märkte stagnieren. Anbieter der Produkte auf den ShortDax begnügen sich zudem mit 0,4 Prozent Gebühren pro Jahr.
Die Tücke steckt in einem unscheinbaren Detail der Prozentrechnung   Die Tücke steckt in einem unscheinbaren Detail der Prozentrechnung
Doch in der Praxis bewegt sich der ShortDax aufgrund einer rechnerischen Feinheit wie ein streunender Hund, der dem Dax mal weiter vorauseilt als erwartet, mal hinterherläuft. Da der Index nur die täglichen Kursveränderungen spiegelt, fallen im ShortDax je nach Marktlage Rollverluste oder -erträge an. Setzt sich der volatile Seitwärtstrend der letzten drei Monate fort, drohen dem ShortDax binnen einem Jahr Reibungsverluste bis zu 30 Prozent.
Wie sich die Dax-Strategie-Indizes über ein Jahr schlugen   Wie sich die Dax-Strategie-Indizes über ein Jahr schlugen
Die Tücke steckt in einem unscheinbaren Detail der Prozentrechnung. Notiert etwa der Dax bei 5000 Punkten und klettert an einem starken Börsentag um 250 Punkte, beträgt der Zugewinn fünf Prozent. Der ShortDax würde an diesem Tag fünf Prozent verlieren. Gibt der Dax allerdings tags darauf seine Gewinne wieder ab und fällt um 250 Punkte auf 5000 Zähler zurück, legt der ShortDax an diesem Tag nicht etwa um fünf Prozent zu, die er am Tag zuvor verloren hat. Sein Tagesplus beträgt dann 4,76 Prozent - eben jenen prozentualen Verlust, den der Dax bei einem Rückgang von 5250 auf 5000 Punkte erlitten hat. Ein Rückgang des Dax von 5250 auf 5000 Punkte entspricht nur einem Minus von 4,76 Prozent.
Ausgewählte Indexfonds und Zertifikate auf Short-Indizes   Ausgewählte Indexfonds und Zertifikate auf Short-Indizes
Dass es sich dabei nicht bloß um theoretische Überlegungen handelt, zeigt ein Blick auf den ShortDax seit Anfang Oktober: Im letzten Vierteljahr hat der Dax 1,6 Prozent verloren. Im gleichen Zeitraum hat der ShortDax aber nicht 1,6 Prozent hinzugewonnen, sondern inklusive doppelter Tagesgeldzinsen und ohne Gebühren 5,6 Prozent an Wert verloren. Die heftigen Zuckungen im Dax haben so binnen drei Monaten 7,2 Prozent vom Indexwert des ShortDax "abgerieben" - obwohl sich der Dax unter dem Strich kaum bewegt hat.

Teil 2: Short-Produkte keine Langzeitinvestments

  • Aus der FTD vom 14.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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