Die US-Investmentbank Morgan Stanley fürchtet Kosten in Milliardenhöhe für den Fall, dass die großen Ratingagenturen ihre Bonitätsnote senken. Das Szenario ist so unwahrscheinlich nicht: Moody's hatte die Kreditwürdigkeit von Morgan Stanley sowie vieler weiterer Banken im Februar auf die Beobachtungsliste für eine mögliche Herabstufung gesetzt.
Die Agentur hatte ihre Entscheidung, die weltweit mehr als 100 Geldhäuser betraf, damit begründet, dass sich die Rahmenbedingungen für das Finanzgewerbe verschlechtern - ganz allgemein wegen der schärferen Regulierung, im Speziellen aber auch wegen der Schuldenkrise in Europa.
Moody's bewertet die Kreditwürdigkeit der Bank derzeit mit "A2" und damit eine Stufe höher als der Rivale Standard & Poor's (S&P), der sie im November auf "A-" gesenkt hatte. Beide Agenturen drohen mit Herabstufungen: Moody's um drei Stufen auf "Baa2", S&P um zwei auf "BBB". Dann wäre Morgan Stanleys Bonität bei den zwei relevantesten Ratingagenturen auf demselben Niveau - und nur noch zwei Schritte vom gefürchteten Ramschstatus entfernt, ab dem die Refinanzierung über Anleihen sprunghaft teurer wird, um dem höheren Risiko Rechnung zu tragen.
Diesen Refinanzierungseffekt kann die Bank zwar nicht beziffern, wohl aber, welche zusätzlichen Sicherheiten ihre Geschäftspartner im riskanten Derivatehandel fordern dürften. Diese beziffert Morgan Stanley in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) auf 7,2 Mrd. Dollar. Hinzu kämen 2,4 Mrd. Dollar an Sicherheiten, die Börsen und Wertpapierabwickler verlangen könnten.
Zusammen sind das 9,6 Mrd. Dollar und damit rund 3,1 Mrd. Dollar mehr, als Morgan Stanley noch Ende 2011 geschätzt hatte. Dass die Schätzung jetzt höher ausfällt, dürfte daran liegen, dass insgesamt die Risiken an den Kapitalmärkten gestiegen sind.
Die höheren Nachschusspflichten wären auch bilanzwirksam. So schätzen die Analysten von AllianceBernstein, dass Morgan Stanleys Einnahmen im Anleihegeschäft um rund ein Drittel sinken würden. Das träfe die Bank besonders hart. Schließlich ist der Anleihehandel das Kernstück des Kapitalmarktgeschäfts des Konzerns, der nicht, wie zum Beispiel die Deutsche Bank , als Ausgleich für Einnahmeverluste auf die Erträge im Massenkundengeschäft zurückgreifen.
Immerhin kann sich Morgan Stanley auf die Erträge der Tochter Smith Barney stützen. Noch gehört der Vermögensverwalter, einer der weltgrößten, zu 49 Prozent der Citigroup. Doch diese gilt als verkaufswillig. Für Erleichterung könnte zudem sorgen, dass viele andere Banken, deren Bonität auf dem Prüfstand steht, ähnlich kalkulieren müssen. Erzrivale Goldman Sachs freilich, dem bei Moody's eine Herabstufung um zwei Stufen droht, rechnet nur mit 2,2 Mrd. Dollar an zusätzlichen Kosten.
| Rundumschlag Dienstag Am 16. Februar stellte Moody's 131 Banken auf die Beobachtungsliste für eine Bonitätsherabstufung. Donnerstag Die Deutsche Bank muss seither fürchten, dass ihre Kreditwürdigkeit um zwei Stufen sinkt. Morgan Stanley, UBS und Credit Suisse könnten sogar drei Noten verlieren. |