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Merken   Drucken   14.01.2009, 09:25 Schriftgröße: AAA

"Super-Contango": Rollverluste vermiesen Ölwetten

Selbst bei steigenden Rohölpreisen drohen Anlegern mit Ölzertifikaten derzeit Verluste. "Die Problematik der Rollverluste wird von vielen Investoren immer noch unterschätzt", sagt Jochen Fischer vom Goldman-Sachs-Derivateteam. von Bernd Mikosch
Wetten auf einen steigenden Ölpreis sind derzeit äußerst beliebt. Allein für die vergangene Woche vermeldete der britische Investmentanbieter ETF Securities Zuflüsse von 40 Mio. $ in Papiere, mit denen Anleger auf steigende Rohölnotierungen setzen. Seit Anfang November steckten Investoren 435 Mio. $ in solche Derivate, das ist der Hälfte aller Zuflüsse, die ETF Securities seither verbuchte. Auch deutsche Zertifikateanbieter berichten von einer sehr hohen Nachfrage nach Ölzertifikaten.
Der Preis der Sorte WTI ist seit seinem Hoch im Juli um mehr als 75 Prozent gefallen. Nach Weihnachten startete eine fulminante Erholung. WTI stieg um 38 Prozent, korrigierte dann aber wieder. Trotzdem rechnen Experten langfristig mit deutlich höheren Preisen.
Herbe Rollverluste - Monat für Monat
Von diesen Aussichten sollten sich Anleger aber nicht blenden lassen, denn sie können nie eins zu eins an einer Erholung partizipieren - es sei denn, sie lagern Rohölfässer in ihrer Garage, um das Öl später mit Gewinn zu verkaufen. Finanzprodukte auf den Ölpreis hingegen basieren immer auf Terminkontrakten. Bei Papieren ohne Laufzeitbegrenzung muss der Anbieter in regelmäßigen Abständen fällige Futures verkaufen und dafür Kontrakte mit längeren Laufzeiten erwerben. Bei diesem "Rollen" entstehen Verluste, wenn der neue Kontrakt teurer ist als der fällige. Experten nennen das Contango.
Preisdifferenz ausgewählter WTI-Kontrakte   Preisdifferenz ausgewählter WTI-Kontrakte
"Derzeit ist die Situation so ausgeprägt, dass unsere Analysten von Super-Contango sprechen", sagt Fischer. Am Dienstag kostete der März-Future 17 Prozent mehr als der Februar-WTI-Kontrakt. Diese Differenz schlägt eins zu eins auf den Preis herkömmlicher Ölzertifikate durch und sorgt für herbe Rollverluste - Monat für Monat. Anleger verbuchen erst dann einen Gewinn, wenn die Rohölnotierung dieses Minus aufgeholt hat.
Mit einem verbesserten Rollmechanismus will Goldman Sachs dieses Problem abmildern: Drohen Rollverluste von mehr 0,5 Prozent im nächstfälligen Future, wird in den fünften Monatskontrakt gerollt. Damit wären aktuell statt 17 Prozent Rollverlust nur gut drei Prozent zu erwarten. "Ganz vermeiden lassen sich Rollverluste allerdings auch mit dem besten Rollmechanismus nicht", sagt Fischer. Auf dieser Strategie basieren je drei Cap-Bonus- und Discountzertifikate sowie ein Papier ohne Laufzeitbeschränkung (ISIN DE000GS1TA18).
Terminmarkttücken
Minus Der März-Kontrakt für WTI-Rohöl kostet derzeit 17 Prozent mehr als der Februar-Future. Entsprechend hoch sind die Einbußen für Investoren, wenn der Anbieter den aktuellen Kontrakt gegen den März-Future austauscht.
  • Aus der FTD vom 14.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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