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Merken   Drucken   27.09.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Zertifikate im Selbstbau: Bastelstunde für Anleger

Derivate nach Maß stoßen auf immer größeres Interesse. Die UBS wickelt auf ihrer 2003 gestarteten Plattform Equity Investor Monat für Monat mehr Volumen und Transaktionen ab. von Bernd Mikosch 
"Derzeit handeln wir über diese Plattform täglich 300 bis 400 Geschäfte", sagt Marcel Langer vom UBS-Zertifikateteam in Frankfurt. Das Geschäft laufe inzwischen besser als vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die den Zertifikatemarkt vor einem Jahr hart getroffen hat.
Mit dem Equity Investor können Vermögensverwalter und Finanzberater für ihre Kunden maßgeschneiderte Zertifikate bauen lassen. Vontobel plant, ein ähnliches Internetwerkzeug in Deutschland einzuführen. "Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Wochen starten können", sagt Georg von Wattenwyl, verantwortlich für das Derivategeschäft bei Vontobel. Bislang ist die Zürcher Privatbank mit der Deritrade genannten Plattform nur in der Schweiz aktiv. Andere Emittenten haben vergleichbare Programme, die sie allerdings nur intern nutzen.
Zwei Trends sprechen für die Plattformen: Zum einen fragen die Berater für ihre Kunden Produkte nach, die genau auf ihr Risikoprofil zugeschnitten sind - Parameter wie Basiswert und Sicherheitspuffer lassen sich flexibel wählen. Dazu kommt der Wunsch nach Papieren mit kurzer Laufzeit. "Drei Viertel der gehandelten Zertifikate laufen über höchstens ein halbes Jahr", so Langer. "Viele Investoren trauen sich derzeit nur eine Prognose darüber zu, wie sich die Märkte kurzfristig entwickeln, scheuen aber eine langfristige Positionierung." Kurzlaufende Papiere gewinnen auch deshalb an Bedeutung, weil sie seit Einführung der Abgeltungsteuer nicht mehr steuerlich benachteiligt werden.
Der Equity Investor hat der UBS in den vergangenen Monaten quasi das Zertifikategeschäft gerettet. Die Schweizer bieten vor allem Anlagepapiere an, die nach der Lehman-Pleite kaum noch gefragt waren. Im relativ stabilen Geschäft mit Hebelprodukten ist die UBS dagegen nur schwach vertreten. Dazu kommt der Renommeeverlust, der viele Anleger vor Geschäften mit der Bank zurückschrecken ließ. Die Bedeutung des Hauses auf dem deutschen Markt ist zurückgegangen, zeigen Zahlen des Branchenverbands DDV: Zum Halbjahr hatte die UBS gemessen am ausstehenden Volumen einen Marktanteil von 3,3 Prozent, nach 9,8 Prozent vor einem Jahr. Die über den Equity Investor abgewickelten Geschäfte sind in diesen Daten nicht berücksichtigt - der tatsächliche Marktanteil der UBS dürfte also etwas höher sein. Genaue Zahlen behält die Bank für sich.
Einen Schub erhielt der Equity Investor im April, nachdem die UBS die Mindestorder von 50.000 auf 20.000 Euro herabgesetzt hat. Bei Vontobel beträgt die Mindestorder derzeit meist 100.000 Franken. "Die Mindestgrößen, die für Deutschland gelten sollen, stehen noch nicht fest", sagt Wattenwyl.
In Deutschland sollen über Deritrade zunächst Aktienanleihen sowie Discount- und Bonuszertifikate bestellt werden können. Die UBS bietet über den Equity Investor Bonus-, Discount- und - für risikoscheuere Anleger - Discountpluspapiere an. Aktienanleihen und Aktienanleihenplus sollen demnächst folgen.
  • FTD.de, 27.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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