Die Schweizer Bank galt als verschwiegen - bislang
Es wird eng für die Zufluchtsorte Gutverdienender. Eine Allianz aus europäischen Spitzenpolitikern, hohen EU-Funktionären und der neuen US-Führung unter Barack Obama will das Bankgeheimnis in ganz Europa knacken. Großbritanniens Premier
Gordon Brown hat das Thema ganz oben auf die Agenda des Londoner Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) im April gesetzt. Und beim Vorbereitungstreffen in Berlin am vergangenen Sonntag forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel "Sanktionen gegen unkooperative Gebiete", um Steueroasen auszutrocknen.
Das leidige Bankgeheimnis. Seit Jahrzehnten wird es immer wieder angegriffen: mal von deutschen Politikern, mal von Franzosen, am Ende stets erfolglos. Sagenhafte 11.500 Mrd. $ ruhen nach Schätzungen des Netzwerks für Internationale Steuergerechtigkeit auf Offshore-Konten weltweit, mehr als ein Drittel davon in Europa. Jahr für Jahr kommen laut Weltbank zwischen 1000 und 1600 Mrd. Euro dazu.
Dieser Vorstoß könnte gelingen. Nie zuvor waren die Angreifer so entschlossen, so energisch und vor allem so einig. Und nie zuvor haben die Verteidiger zugelassen, dass ihr kostbarer Standortvorteil so aufgehebelt wird wie im Moment. "Wir erleben eine Zeitenwende", sagt der Baseler Wirtschaftsstrafrechtler Mark Pieth. "Staaten wie die Schweiz, Österreich oder Liechtenstein müssen nun überlegen, wie sie das Steuerproblem lösen. Gelingt das nicht, ist es das Aus für ihr Bankgeheimnis."