Gold immer begehrter: Preis in Dollar je Feinunze
Früher hat die Mine eine Million Feinunzen ausgespuckt, gut 31 Tonnen. Aber als in den 90er-Jahren die Preise einbrachen, führte der Betreiber Ashanti Gold Fields nur noch die Untertageförderung weiter, den Tagebau gab er auf: Es lohnte sich nicht mehr. Tausende Leute verloren ihre Arbeit.
Jetzt könnte die Mine jeden Mann gebrauchen. Denn mit Gold lässt sich wieder Geld machen. Subprime Crash und Dollar-Schwäche, fallende Börsen, Rezessionsängste und Terrorrisiken - zu Tausenden fliehen die Investoren ins vermeintlich krisen- und inflationssichere Edelmetall. Und dessen Preis schnellt in nie gesehene Höhen: bis auf ein vorläufiges Allzeithoch von 915,90 $ pro Unze vor zehn Tagen. Renommierte Investmenthäuser wie Goldman Sachs erwarten noch dieses Jahr 1000 $ oder mehr. "Das ist zurzeit der attraktivste Sektor der Welt", sagt David Iben, Chefstratege bei Tradewinds Global Investors.
Goldene Zeiten für die Produzenten, sollte man meinen. Doch die Minenkonzerne können den Boom kaum ausnützen. Nicht einmal Branchenriesen wie Anglogold Ashanti und Gold Fields aus Südafrika, der kanadische Weltmarktführer Barrick Gold oder Newmont Mining aus den USA sind zurzeit in der Lage, ihren Ausstoß zu steigern. Im Gegenteil: Trotz des Nachfragebooms am Goldmarkt ist die Weltproduktion im vergangenen Jahr abermals gefallen: auf 2444 Tonnen, den niedrigsten Stand seit 1998.
Schuld an der Misere hat der Preisschock der 90er-Jahre. Damals wurde eine Unze zeitweise für 253 $ verschleudert, Dutzende Minen schrieben tiefrote Zahlen. "Weil der Goldpreis jahrelang am Boden lag, haben die Betreiber große Investitionen gescheut", sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Marktstratege des Hanauer Edelmetall-konzerns Heraeus. Die Konzerne versuchten lediglich, Kosten zu senken.
Jetzt ist Gold knapp wie nie. Und wird es bis auf Weiteres wohl auch bleiben. Denn von der Entdeckung einer Mine bis zur Förderung des Goldes dauert es in der Regel fünf bis zehn Jahre. Zugleich zieht die Nachfrage an: Der Absatz von Goldschmuck etwa stieg im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent. Vor allem asiatische Wachstumsregionen wie China, die Golfstaaten, die Türkei oder Russland ordern immer mehr Gold. Allein die Juweliere benötigen pro Jahr bereits 2410 Tonnen - und damit fast die ganze Weltproduktion. Hinzu kommt ein stetig wachsender Bedarf der Medizin- und Elektroindustrie, von Handyherstellern bis zu Computerfabrikanten.