Die Spiele- und Konsolenhersteller kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Wachstumsmarkt. Dabei weisen die Aktien der drei großen Konzerne ungleiches Potenzial auf. von Christian Ingerl
Der Markt um Spielkonsolen ist hart umkämpft. Drei große Konzerne machen sich das Geschäft streitig: Microsoft, Nintendo und Sony. Seit der jüngsten Einführung der Sony Playstation 3 ist das neue Konsolentrio zwar komplett. Die Jagd nach Spielern verläuft aber nicht gleichermaßen erfolgreich. Während sich die Sony-Konsole als Ladenhüter erweist, gibt Nintendos Wii mächtig Gas. Der Marketing-Chef ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen, Nintendo werde innerhalb von fünf Jahren zum Weltmarktführer Sony aufschließen.
Ein Nintendo-Mitarbeiter dirigiert ein virtuelles Orchester auf einer Messe
Im Mai verkaufte Nintendo in Japan laut Branchenverlag Enterbrain fünfmal so viele Konsolen wie Sony. Und auch in den USA ist Wii seit Jahresanfang Marktführer. Bis 2012 will Nintendo in den USA rund 35 Millionen Wii-Exemplare verkaufen. Zum Vergleich: Sonys Playstation 2 ging seit 2000 über 38 Millionen Mal über die Theke. Die hohe Nachfrage hat den Profit bei Nintendo deutlich nach oben gehebelt. Auf 174,29 Mrd. Yen (1,1 Mrd. Euro) summierte sich der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr - ein Plus von 77 Prozent.
Ein umgedrehtes Bild zeigt der Sony-Quartalsabschluss. Aufgrund des schleppenden Verkaufs der Playstation 3 weitete der Konzern seinen Verlust aus und erwirtschaftete mit 67,6 Mrd. Yen das größte Minus seit vier Jahren. Für 2007/2008 rechnet Sony aber bei einem zehnprozentigen Umsatzwachstum mit einem Rekordgewinn. UBS-Analyst Shunsuke Tsuchiya teilt diesen Optimismus nicht. Er geht von einem stagnierenden Wachstum aus und stuft den Titel als "Neutral" ein.
An der Börse laufen die beiden Japaner in dieselbe Richtung, jedoch mit unterschiedlichem Tempo. In den vergangenen zwölf Monaten konnte Nintendo seinen Unternehmenswert mehr als verdoppeln, Sony brachte es nur auf ein Plus von knapp 35 Prozent.
Einen ähnlichen Zuwachs verzeichnete Microsoft. Der Dritte im Bunde ist trotz des Erfolgs der Xbox mit seiner Spielkonsole immer noch in der "losing-money"-Phase. Robbie Bach, Chef der Entertainmentsparte bei Microsoft, glaubt aber an die Wende. 2008 soll der Bereich erstmals schwarze Zahlen schreiben. Für den Konzerngewinn entscheidend ist aber nach wie vor das Softwaregeschäft, das den Gewinn je Aktie 2006 um drei Viertel nach oben schnellen ließ.
Keine Spielkonsole ohne das passende "Game". Aufgrund der hohen Wachstumsraten - Experten gehen davon aus, dass der europäische und amerikanische Spielemarkt bis 2009 um durchschnittlich zwölf Prozent zulegen wird - ist dieser Markt ebenso hart umkämpft. Der Wettbewerb sorgt auch für einen volatilen Gewinnverlauf der Konzerne. Vor einem Jahr noch in der Verlustzone zählt Ubisoft derzeit zu den erfolgreichsten Mitstreitern. Die Franzosen haben sich im aktuellen Konsolenzyklus auf Wii und Xbox fokussiert. Der Nettogewinn erreichte im abgelaufenen Geschäftjahr einen Rekordwert von 40,5 Mio. Euro. Die Ubisoft-Aktie hat jedoch viel von der positiven Geschäftsentwicklung vorweggenommen. UBS-Analyst Thomas Kwan errechnet bei dem Papier einen Aufschlag von rund 40 Prozent gegenüber dem Sektor.
Die großen Player: Sony vs. Nintendo vs. Microsoft
Electronic Arts ist eine Wette wert
Deutlich billiger ist der größte britische Publisher zu haben. Für SCI Entertainment zahlen Anleger derzeit das 13-Fache des für 2008 erwarteten Gewinns. Dabei holte sich das Unternehmen mit Warner Bros. erst kürzlich einen prominenten Partner ins Boot. Der US-Konzern hat sich mit zehn Prozent an SCI beteiligt.
Eine Wette wert sein könnte auch der US-Spieleriese Electronic Arts. Nach einer langen Phase der Konsolidierung hat sich die Aktie wieder auf den Weg nach oben gemacht. Auch fundamental spricht nichts gegen eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Der Spezialist für Sportcomputerspiele konnte im vierten Quartal die Erwartungen übertreffen. Auf das laufende Jahr blickt der Konzern optimistisch und rechnet mit einem bereinigten Gewinn von 0,90 bis 1,20 $ je Aktie - eine Steigerung um mehr als 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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