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Merken   Drucken   30.08.2006, 11:18 Schriftgröße: AAA

Derivate: Discountzertifikate sind wieder gefragt

Die Rabattpapiere haben die anderen Anlagezertifikate im Juli abgehängt. Durch ihre Beimischung können Anleger das Chance-Risiko-Profil ihres Portfolios optimieren. von Martin Ahlers
Durch die richtige Beimischung von Discountzertifikaten können ...   Durch die richtige Beimischung von Discountzertifikaten können Anleger ihr Portfolios optimieren
So übertrafen die Börsenumsätze bei den Rabattpapieren im Juli mit 30,37 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder die aller anderen Gruppen von Anlagezertifikaten. Hauptgrund ist sicherlich die gestiegene Volatilität vieler Basiswerte, die für eine erhöhte Attraktivität von Discountzertifikaten sorgt.
Über den Volatilitätsaspekt hinaus bieten sich die relativ einfach gestrickten Derivate aber auch auf Grund ihrer langfristigen positiven Performance an. So hätte sich im Vergleich zu entsprechenden Direktinvestments in der Vergangenheit ein Umweg über Discountzertifikate in der Mehrzahl der Fälle durchaus gelohnt.
Dennoch wäre es wenig sinnvoll, sämtliche Aktienpositionen durch Discounter zu ersetzen. Entscheidend ist letztendlich nämlich nicht, wie sich die Papiere im Vergleich zu ihren Basiswerten entwickeln, sondern wie sie sich unter Chance-Risiko-Aspekten in das Gesamtkonzept eines breit diversifizierten Depots einfügen.
Um dies zu klären, ging das Institut für Vermögensaufbau in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt der Frage nach, wie sich eine strategische Beimischung von Discountzertifikaten mit unterschiedlichen Cap-Niveaus auf die Entwicklung von Portfolios auswirkt, die auf das Erreichen einer bestimmten Zielrendite hin strukturiert worden sind. Zu diesem Zweck wurden - ausgehend von aus der Vergangenheit abgeleiteten Renditeerwartungen - Basisportfolios für verschiedene Assetklassen zusammengestellt. Als Portfoliozielrenditen wurden Werte von vier, fünf und 6,5 Prozent gewählt.
Risikoreduzierung möglich
Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass insbesondere bei der angestrebten Zielrendite von 6,5 Prozent eine Beimischung (3,5 bis 5,4 Prozent) von At-The-Money-Discountern, also Papieren, bei denen der Basispreis dem aktuellen Wert des Unterlyings entspricht, eine Risikoreduzierung bewirkt. Bei einer Zielrendite von vier Prozent liegen beide Portfolios gleichauf, bei fünf Prozent schneidet das Discountportfolio unter Risikogesichtspunkten geringfügig besser ab.
3 bis 20 Prozent sind sinnvoll
Möglicher Anteil von Discountern bei unterschiedlichen Aktienmarkterwartungen
Portfolio-      
zielrendite bullish* (+ 8 %) seitwärts* (± 0 %) bearish* (– 5 %)
4,00 % 3–5 % ATM 4–8 % ATM 5–10 % ITM (DITM)
5,00 % 4–6 % ATM 8–12 % ATM 10–15 % ITM (DITM)
6,50 % 5–7 % ATM 10–15 % ATM 15–20 % ITM (DITM)
       
* Aus der Tabelle lässt sich für die einzelnen Discountportfolios bei unterschiedlichen Markterwartungen der jeweils vorgeschlagene Anteil an Discountzertifikaten ablesen. Bei positiver Einschätzung (bullish) und einer angestrebten Zielrendite von 6,5 Prozent könnte der Anteil an At-The-Money-Discountern beispielsweise zwischen fünf und sieben Prozent betragen; ATM = At-the-Money, ITM = In-the-Money, DITM = Deep In-the-Money; Quelle: Institut für Vermögensaufbau.
 
Anders formuliert bedeutet dies, dass bei einem Portfolio, das auch Discountzertifikate enthält, das Gesamtrisiko zum Erreichen eines höheren Zielrendite-Niveaus weniger stark erhöht werden muss als bei Portfolios, die ausschließlich auf Direktinvestments basieren.
Hinzu kommt, dass Discountportfolios bei geringer als erwartet ausfallenden Aktienmarktrenditen ein bestimmtes Zielrendite-Niveau im Durchschnitt länger halten können. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Discountportfolios ihre Zielrendite auch dann noch erreichen, wenn die Basiswerte in dem durch Discounter gepufferten Portfoliosegment leicht unter ihren Erwartungen bleiben. Das lässt den Schluss zu, dass die Discountportfolios auf eine Überschätzung der zu erwartenden Aktienrenditen robuster reagieren als Portfolios mit reinen Direktinvestments.
Was bei der Absicherung zu beachten ist
Grundsätzlich funktioniert das Absichern einer definierten Zielrendite über Discountzertifikate allerdings nur solange, wie die Maximalrendite der eingesetzten Discounter mindestens im Bereich der angestrebten Gesamtrendite des Portfolios liegt und gleichzeitig noch ein relevanter Discount vereinnahmt werden kann. Ab einer bestimmten Höhe der Portfoliozielrendite werden solche Papiere kaum noch zu finden sein, sodass in diesen Fällen von einem Einsatz von Discountzertifikaten abgesehen werden kann.
Zudem sollte in der Regel nicht mehr als ein Portfoliosegment - also beispielsweise europäische Aktien - durch Discountpapiere abgesichert werden. Andernfalls besteht nämlich die Gefahr, dass die wünschenswerten Diversifikationseffekte eines optimierten Musterdepots sich gegenseitig zu sehr aufheben. Sinnvoll ist es, immer genau das Segment abzupuffern, bei dem eine relevante Outperformance der erwarteten Renditen am ehesten ausgeschlossen werden kann.
In Abhängigkeit von der erwarteten Aktienmarktentwicklung sowie der angestrebten Zielrendite halten die Wissenschaftler vom Institut für Vermögensaufbau einen Anteil von Discountzertifikaten in einem Portfolio zwischen drei und maximal 20 Prozent für sinnvoll. Dabei sind die Angaben in der unten aufgeführten Tabelle allerdings nur als Orientierungspunkte zu sehen. Sie können nicht mechanisch übertragen werden, sondern müssen vor dem Hintergrund des jeweiligen konkreten Marktumfelds interpretiert werden.
  • Aus der FTD vom 30.08.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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