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Diamanten als Geldanlage: Suche nach neuem Glanz
Die Diamantenszene spürt die Folgen ihrer Abschottung und kämpft um ihren beschädigten Ruf. Der Handel findet in kleinem Kreis statt, das Angebot ist knapp. Faire Preise gibt es nur mit guten Kontakten.Die Hektik steigt in einem Büro der Antwerpener Hovenierstraat. "Der Preis ist im letzten Monat 30 Prozent gestiegen. Das ist nicht gesund, Spekulanten sind im Markt", sagt der Mann in gebrochenem Englisch. "Aber ich brauche roughs. Kriegst du morgen welche, kann ich mich darauf verlassen?", fragt der Einkäufer. Beide wollen ungenannt bleiben, beide wirken gestresst, beide wollen ungeschliffene Diamanten handeln. "Ja, du kannst dich darauf verlassen. Wir kriegen roughs, aber nur kleine Steine", bestätigt er. "Aber ich brauche große", seufzt der andere. Heute ist kein guter Tag.
"Es ist verrückt, Käufer und Verkäufer können normalerweise zehn Prozent auseinanderliegen, aber derzeit liegen die Unterschiede bei 100 Prozent", sagt Ulrich Freiesleben, der einzige in Antwerpen zugelassene deutsche Händler. Rohware ist derzeit zudem teurer als Schleifware, obwohl hier noch Kosten für Arbeitskraft und Materialverluste beim Spalten und Schleifen angefallen sind. "Es ist ein Verkäufermarkt, man muss betteln und gut verdrahtet sein, um überhaupt etwas zu erhalten", sagt Freiesleben.
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Der promovierte Philosoph und Betriebswirt war ein Fremdkörper, als er vor rund 15 Jahren versuchte, in der Antwerpener Szene Fuß zu fassen-Fuß fassen hieß: an gute Ware kommen, die nicht überteuert ist. Die Preisfindung ist aber nicht transparent. Und man braucht gute Kontakte. Diese Tatsache sorgt dafür, dass die allermeisten Vermögensverwalter Diamanten - anders als Gold - nicht als sichere Geldanlage sehen. "Für einem 18-Karäter Gold gibt es einen klaren Preis. Ein 18-Karäter Diamant wird dagegen sehr subjektiv bewertet, es kommt auf die Qualität, den Schliff und auch den Marktzugang an", sagt Christian Hefti, Leiter Wealth Management Research bei UBS in Deutschland.
Eine geschlossene Gesellschaft
Auf dem Schreibtisch von Freiesleben liegt ein Steinbrief - darin sind rund 20 Diamanten eingefaltet. "Es ist ein Geschäft der Nuancen. Ist die Farbe gut, kann die Reinheit schlecht sein", sagt er. Bei einer Partie von 1000 Steinen könne man natürlich nur über Stichproben kontrollieren. "Es ist eine Kunst, hier zu einer exakten Preisbestimmung zu kommen."
Die Diamantenszene in Antwerpen ist eine geschlossene Gesellschaft. Zutritt erhält nur, wer eingeführt wird, der Bürge haftet dann mit seinem Namen oder seinem Geld. Lange waren es jüdische Familien, die hier den Ton angaben. Jetzt sind die Inder da. "Das Geschäft ist in den Osten abgewandert. In Indien gibt es eine Million Schleifer, in Antwerpen sind es vielleicht noch 150", klagt der Vertreter einer der einflussreichsten jüdischen Familien.
Die Veränderungen kommen zu einer Zeit, da der Diamant in Verruf ist. Der Begriff "Blutdiamanten" macht immer noch die Runde. Viele Jahre wurden mit Diamantenverkäufen Bürgerkriege in Afrika finanziert. Seit Beginn des politisch forcierten Kimberley-Prozesses ist der Anteil dieser "conflict diamonds" bei unter einem Prozent des globalen Handels angelangt. Dennoch hält sich die Kritik - ein Film wie "Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio sorgt für Ärger. "Das tut schon weh, auf uns wird immer gezielt", klagt ein anderer Händler der Hovenierstraat, dort wo gefeilscht wird. Hunderte säumen die Straße im Zwiegespräch.
Emissäre machen sich dann auf den Weg, um die Ware abzuholen. Sie tragen Diamanten im Wert von mehreren Millionen Euro bei sich.
"Jeder Stein ist eine Herausforderung, man kann die Qualität falsch einschätzen, der Stein könnte beim Spalten in viele Einzelteile brechen", sagt ein Mann, der von seinen Eltern und Großeltern in das Geschäft eingeführt wurde.
Die Familien halten zusammen, um die handwerklichen Fähigkeiten und Kontakte zu wahren. Der Kodex ist streng: Wer einmal betrügt, ist draußen. In der Diamantenbörse gibt es ein Anschlagbrett, das die schwarzen Schafe auflistet. Ansonsten ist dort nicht viel los. Die Börse ist kein Handelsplatz, wie ursprünglich geplant, eher ein Kaffeehaus. Zwei spielen Backgammon, das Mikroskop ist verwaist. Es gibt keinen Preischart für Diamanten - stattdessen erscheint der Dax auf einem TV-Monitor.
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05.06.2007
© 2007 Financial Times Deutschland
31.07. 20:38 Uhr
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