Dadurch wäre die gesetzliche Mindestliquidität von fünf Prozent spätestens am Mittwoch unterschritten worden, teilte Kan Am mit. Anleger kommen vorerst für drei Monate nicht an ihr Geld. In dieser Zeit wolle Kan Am Immobilien aus dem Fonds verkaufen, um Liquidität zu beschaffen, sagte Kan-Am-Sprecher Michael Birnbaum.
Die zweite Schließung eines offenen Immobilienfonds nur vier Wochen nach dem Debakel um den Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank zeigt, wie sensibel Anleger auf schlechte Nachrichten bei offenen Immobilienfonds reagieren. Die Branche, die insgesamt knapp 90 Mrd. Euro verwaltet, versucht nun, eine Massenpanik abzuwenden: Voraussichtlich am Mittwoch wird der Fondsverband BVI - eine Woche früher als geplant - Vorschläge zur Reform der Immobilienfonds vorstellen.
Anders als der Fonds der Deutschen Bank ist der US-Grundinvest mit einem Volumen von 580 Mio. $ nicht im kriselnden deutschen Büromarkt investiert, sondern in US-Gewerbeimmobilien, die dank starker Kredithebel auf Dollar-Basis sechs bis sieben Prozent Rendite abwarfen. Misstrauisch wurden Anleger erst nach der Verkaufsempfehlung durch Scope. Die Rating-Agentur hatte am Wochenende auf eine Untersuchung der Börsenaufsicht SEC wegen möglicher Bilanzierungsfehler bei Kan Ams US-Partner The Mills aufmerksam gemacht. Mills, ein Betreiber von Einkaufszentren, an dem Kan Am beteiligt ist, hat zwei Malls aus dem Fonds gemietet. Gleichzeitig setzte Scope den größeren Kan-Am-Fonds Grundinvest (Volumen: 3,2 Mrd. Euro) auf die Verkaufsliste, obwohl er nicht in Mills-Objekte investiert hat.
BaFin wirft Scope Panikmache vor
Die Finanzaufsicht BaFin kritisierte das Vorgehen scharf: "Die BaFin hat kein Verständnis dafür, dass Anleger in einer Situation, in der ohnehin große Nervosität herrscht, mit Informationen konfrontiert werden, die nur Experten interpretieren können, da es um ausländische Sachverhalte und Rechtsfragen geht", sagte eine Sprecherin. "Man hätte wissen müssen, dass Anleger dadurch in Panik versetzt werden." Auch der Grundinvest hat laut Kan Am durch Abflüsse in zweistelliger Millionenhöhe gelitten, verfüge aber über genügend Liquidität.
Die Fondsbranche will mit ihren Reformvorschlägen eine marktgerechtere Bewertung von Immobilien und eine Stabilisierung der Mittelflüsse erreichen. Großanleger sollen nicht mehr unbeschränkte Summen in offene Fonds investieren oder abziehen können. Auch bei Kan Am sind institutionelle Investoren aktiv. So hielten die Dachfonds Sauren Defensiv und Berenberg-Select-Universal zum Jahreswechsel jeweils größere Millionenbeträge im US-Grundinvest und im Grundinvest.
"Wir sind überzeugt, dass die offenen Fonds eine Zukunft haben", sagte ein BVI-Sprecher. "Es geht darum, Privatanleger zu schützen, die das Produkt adäquat nutzen."