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06.01.2008, 19:56
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FTD-Zinsumfrage:
Dilemma der EZB verschärft sich
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung führender Volkswirte ihr Preisziel in diesem Jahr deutlich verfehlen. Bei der FTD-Zinsumfrage zeigten sich die Experten skeptischer als die Notenbänker.
von Mark Schrörs (Frankfurt)
Bei der Umfrage unter internationalen Banken erklärten die Ökonomen, dass sie die Teuerung im Jahresschnitt bei 2,4 Prozent sehen. Die EZB strebt knapp unter 2,0 Prozent an. Zugleich erwarten sie, dass sich das Wachstum massiv von 2,6 Prozent 2007 auf 1,7 Prozent abkühlt - deutlich unter jene 2,25 Prozent, die die EZB als Potenzialrate ansieht. "Die EZB steht vor einem prekären Dilemma", sagte Ken Wattret, Europa-Chefvolkswirt bei BNP Paribas.
Die FTD-Zinsumfrage im Januar
"Das Wahrscheinlichste ist, dass die EZB ihren Zins auf absehbare Zeit konstant hält", sagte James Nixon, EZB-Experte der Société Générale, zum Spagat zwischen zu hoher Teuerung einerseits und nachlassender Konjunkturdynamik bei anhaltenden Finanzturbulenzen andererseits. Rund 60 Prozent der befragten Volkswirte erwarten, dass der Zins das ganze Jahr bei 4,0 Prozent bleibt. Für die erste EZB-Sitzung des Jahres am Donnerstag erwartet niemand einen Zinsschritt.
Mit ihren Prognosen sind die Bankvolkswirte skeptischer als die Ökonomen der EZB. In ihren jüngsten Projektionen hatten diese Anfang Dezember zwar ähnlich im Mittel 2,5 Prozent Inflation für 2008 vorausgesagt. Zugleich erwarten sie aber 1,5 bis 2,5 Prozent Wachstum. Die skeptischere Wachstumseinschätzung ist der Hauptgrund, warum nur eine Minderheit der Befragten glaubt, dass die EZB dieses Jahr ihren Zins noch mal anhebt.
Die zehn Banken mit den bislang genauesten Prognosen
Seit Juni hält die Notenbank ihren Schlüsselsatz konstant. Zuvor hatte sie ihn binnen eineinhalb Jahren von 2,0 auf 4,0 Prozent verdoppelt. Eigentlich hatte sie zumindest eine weitere Zinserhöhung im September signalisiert, ehe sich die Probleme an den Finanzmärkten infolge der US-Hypothekenmarktkrise zuspitzten. Während die US-Fed und die Bank of England (BoE) inzwischen ihren Zins gesenkt haben, erweckt die EZB bislang eher den Eindruck, als wolle sie ihren Satz doch noch mal anheben.
Für eine Zinserhöhung spricht, dass die Teuerung wegen gestiegener Energie- und Nahrungspreise hochgeschnellt ist und Zweitrundeneffekte über höhere Preise und Löhne drohen. Im Dezember legten die Preise wie im Vormonat um 3,1 Prozent zu. Zudem wächst die Geldmenge M3 so schnell wie seit 28 Jahren nicht - was für die EZB auf eine höhere Inflation in der Zukunft hindeutet. Schließlich ist Öl jüngst über die 100-$-Marke geklettert.
Vergleich der Befragungen
Andererseits zeichnet sich aber ab, dass der Höhepunkt des aktuellen Aufschwungs überschritten ist und die Finanzkrise, der starke Euro und die Schwäche der US-Wirtschaft gar zur massiven Belastung für die Euro-Zone werden können. Während einige EZB-Notenbanker zuletzt sehr stark ihre Sorgen über die hohe Inflation betont haben und weiteren Zinserhöhungen zuneigen, haben sich andere eher besorgt über die Wachstumsrisiken gezeigt. "Da der EZB-Rat im Konsens entscheidet, sprechen so unterschiedliche Meinungen für eine abwartende Haltung", sagte BNP-Volkswirt Wattret.
Für Donnerstag erwarten die Beobachter, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wieder die Preisgefahren betonen, Zinssenkungen eine Absage erteilen und die Tarifpartner zu angemessenen Lohnabschlüssen ermahnen wird. "Das ist dem Versuch geschuldet, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten", sagt Andreas Möller von der DZ Bank. Es scheint, als sei die EZB bereit, eine Phase schwächeren Wachstums zu tolerieren, damit der Inflationsdruck nachlässt.
Allerdings wächst die Zahl der Volkswirte, die auf Jahressicht eine erste Zinssenkung für möglich halten. "Die Inflation muss ihren Höhepunkt überschreiten und das Wachstum einige Zeit unter den Trend fallen, dann könnte die EZB ihre Analyse der Kreditkrise ändern und senken", sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Bislang scheint die EZB weniger besorgt über die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Finanzturbulenzen als Fed oder BoE.
Teil 2: Warum der Einfluss der Fed umstritten ist
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Aus der FTD vom 07.01.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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