Die reichste US-Hochschule hatte den Fondsmanager Ende 2005 vom Vermögensverwalter Pacific Investment Management Co. (Pimco), einer Allianz-Tochter, abgeworben. Vorausgegangen war eine monatelange Suche nach einem Nachfolger für Jack Meyer, der Harvard nach 15 Jahren im Streit um sein Gehalt verlassen und einen eigenen Hedge-Fonds gegründet hatte. Meyers Jahresgehalt betrug zuletzt 7 Mio. $. El-Erian war auch als Kandidat für die Nachfolge von Pimco-Investmentchef Bill Gross gehandelt worden.
Viele der vermögenden US-Unis kämpfen mit Schwierigkeiten, kompetente Manager für ihre Milliardenfonds zu gewinnen - die Investmentbanken und Finanzkonzerne der Wall Street wie auch Hedge-Fonds zahlen deutlich höhere Gehälter. Immer mehr Institutionen suchen deshalb die Hilfe externer Vermögensverwaltungsgesellschaften. So hat das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Management an Dritte abgegeben. Die großen US-Unis sind stark auf die Vermehrung ihrer Stiftungsvermögen angewiesen, um ihre Ausgaben zu finanzieren - anderenfalls würden die ohnehin hohen Studiengebühren noch weiter steigen.
Traditionelle Renditequellen versiegen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte die Harvard-Stiftung mit einer Wertentwicklung ihrer Anlagen von netto 16,7 Prozent erneut die eigenen Vorgaben von 13 Prozent übertroffen. Auch im Konkurrenzvergleich glänzte die zur Klasse der traditionellen Ivy-League-Universitäten zählende Elitehochschule: Das Vergleichsbarometer für institutionelle Fonds mit Anlagen von mehr als 1 Mrd. $ wurde nach Angaben des Trust Universe Comparison Service um satte 5,9 Prozentpunkte geschlagen.
Wie El-Erian weiter sagte, ist der Anteil an Anlagen in festverzinsliche Wertpapiere um acht Prozentpunkte innerhalb des Portfolios gesunken. Der Anteil der Gelder, die im Ausland investiert sind, stieg dagegen um vier Prozentpunkte. Rund 40 Prozent des Harvard-Vermögens sind mittlerweile außerhalb der USA angelegt. "Die traditionellen Renditequellen versiegen allmählich, weil inzwischen fast jeder Investor die gleichen Ansätze verfolgt", sagte El-Erian weiter.
Dass sich Harvard weg von Anlagen in der Heimat bewegt, begründete der Fondsmanager mit zwei Entwicklungen: "Die Bewertung einiger Anlageklassen in den USA ist überzogen, vor allem, was den Immobilienmarkt und Private Equity angeht. Zum anderen gibt es in Europa neue und attraktive Märkte, die Produktivität der asiatischen Volkswirtschaften steigt, und die Stabilität der Finanzsysteme in Lateinamerika nimmt ebenfalls zu."
Hohe Gebühr
Teure Uni Ohne die Erträge aus den Stiftungen wären die Studiengebühren in Harvard wohl noch höher. Derzeit muss jährlich 37.500 $ überweisen, wer an der Harvard Business School seinen Master machen will.