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Merken   Drucken   02.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Höhenflug: Indexfonds-Erfolg wird Banken zu groß

Anleger fragen immer stärker passive Investments nach. Die Zuflüsse könnten sogar noch größer sein. Doch die Geldhäuser haben oft etwas dagegen. von Heino Reents
Der Höhenflug der Zertifikatebranche scheint beendet. Laut aktueller Statistik des Deutschen Derivate Verbands (DDV) musste der Markt für derivative Wertpapiere zuletzt Mittelabflüsse in Höhe von 5,7 Mrd. Euro hinnehmen. Seit Jahresbeginn verringerte sich die Summe der angelegten Gelder um 17,7 Prozent. Doch auch die Fondsbranche hierzulande leidet unter den Folgen der Finanzkrise.
Publikumsfonds verbuchten im September laut Branchenverband BVI einen dramatischen Nettoabfluss von 8 Mrd. Euro. Aus Aktienfonds flossen knapp 2 Mrd. Euro ab, aus Mischfonds 2,1 Mrd. Euro und aus Rentenfonds immerhin 2,8 Mrd. Euro. Schwere Zeiten also für die Investmentgesellschaften. Doch es gibt eine Ausnahme. Die Anbieter von Exchange-Traded Funds - oder kurz ETFs - erfreuen sich trotz Finanzkrise konstanter, zum Teil sogar steigender Mittelzuflüsse.
"ETFs werden am Ende einer der Gewinner der Finanzkrise sein", sagt Andreas Fehrenbach, Leiter der Dekabank-Tochter ETF-Lab. Das Thema Transparenz werde bei der Produktauswahl für viele Anleger künftig noch wichtiger werden - und das müssten die ETF-Anbieter nutzen. ETFs - dahinter verbirgt sich eine Anlagemöglichkeit, die sich durch einfachen Aufbau, Transparenz und vor allem geringe Kosten auszeichnet.
Die Vorteile der ETFs
Die börsengehandelten Indexfonds sind transparent, da sie lediglich einen Aktienindex wie den Deutschen Aktienindex Dax oder den EuroStoxx 50 im Verhältnis eins zu eins nachbilden. Kein Fondsmanager muss sich für oder gegen eine Aktie aus dem Index entscheiden. Aus diesem Grund spricht man von passivem Management.
Die Vorteile der Produkte sind offensichtlich: ETFs sind deutlich günstiger als aktiv gemanagte Aktienfonds, werden an der Börse gehandelt, was Anlegern den Ausgabeaufschlag erspart, und kosten in der Regel zwischen 0,15 und 0,6 Prozent, was im Vergleich mit aktiven Investmentfonds, die im Durchschnitt 1,5 Prozent pro Jahr kosten, sehr günstig ist. Lediglich die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis an der Börse ist zu berappen.
"Investoren bewerten ihre Anlageinstrumente neu. Die deutlichen Zuwächse bei ETFs zeigen: Der Trend geht zu flexiblen, kostengünstigen und vor allem transparenten Produkten", begründet Dirk Klee, Vorstandsvorsitzender der Barclays Global Investors (BGI) Deutschland, das starke Interesse. BGI rechnet damit, dass das weltweit in ETFs verwaltete Vermögen 2009 über 1000 Mrd. $ und 2012 über 2000 Mrd. $ liegen wird.
Das große Interesse an passiven Investmentlösungen
"Die hohen Zuwachsraten der letzten Jahre zeigen, dass sowohl bei institutionellen, als auch bei privaten Investoren das Interesse an solchen passiven Investmentlösungen ausgesprochen groß ist", sagt auch Thomas Timmermann, Geschäftsführer der neuen Commerzbank-Tochter Com Stage. Er kündigt zugleich an: "Wir werden unseren Fokus stärker auf den Privatanleger richten, bei dem das Thema ETF noch nicht wirklich angekommen ist."
Denn trotz der niedrigen Kosten sind - anders etwa als in den USA - verhältnismäßig wenige deutsche Privatanleger in ETFs engagiert. Im Gegensatz dazu nutzen laut einer Untersuchung der französischen Wirtschaftsuniversität EDHEC fast 80 Prozent der institutionellen Investoren ETFs für Aktieninvestments. Sie schätzen vor allem die große Flexibilität, die ETFs bieten. Denn mit ETFs kann man jederzeit die Performance eines Marktes kaufen und auch wieder verkaufen.
Die Zuwachsraten für die passiven Anlageinstrumente könnten um ein Vielfaches höher sein, wenn es nicht entscheidende Hürden gäbe. Denn ETFs sind im Filialvertrieb deutscher Banken nach wie vor die Ausnahme. Sie werden Kunden selbst auf deren besonderen Wunsch nur ungern empfohlen, wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung MC4MS im Auftrag der Quirin Bank ergab. Der Grund: Ein Indexfonds kostet keinen Ausgabeaufschlag, und die Anbieter zahlen Vermittlern im Gegensatz zu aktiven Fonds auch keine jährliche Bestandsprovision.

Teil 2: Anleger haben hohen Nachholbedarf

  • FTD.de, 02.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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