Aktuelle Paketverkäufe deutscher Immobilien
Produkte verlieren ihre IdentitätDer Grundbesitz-Invest wird kaum noch wiederzuerkennen sein, falls der große Paketverkauf gelingt. "Der Grundbesitz-Invest bekommt durch den Verkauf des Deutschland-Portfolios eine andere Ausrichtung. Der Anleger hat dann ein ganz anderes Produkt, als er ursprünglich gekauft hatte", sagt Stefan Thomas-Barein vom Bankhaus Reuschel, Anlageberater des Fonds DJE Real Estate der Jens Ehrhardt Gruppe. Der Dachfonds investiert den überwiegenden Teil des Fondsvermögens von aktuell 720 Mio. Euro in offene Immobilienfonds und als Beimischung in Immobilienaktien und -fonds. Verkaufsgewinne wie beim Grundbesitz-Global sind bei dem kleinteiligen Deutschland-Portfolio aus dem Grundbesitz-Invest, das teils aus alten Objekten in Randlagen besteht, keinesfalls zu erwarten.
Die Wertentwicklung der Deutschland-Fonds dürfte sich nach den massiven Verkäufen also nicht allzu stark verbessern. Im laufenden Jahr schneidet der Grundbesitz-Invest laut Bloomberg-Daten mit 3,7 Prozent Rendite noch am besten ab. Der Hausinvest Europa schaffte von Januar bis Ende September 3,52 Prozent, der Difa Grund 2,54 Prozent. Der Difa-Fonds Nr. 1 bringt es auf 2,12 Prozent und der Deka-Immobilienfonds auf 1,85 Prozent.
Einen Befreiungsschlag versucht jetzt auch die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate: Bis auf wenige Ausnahmen soll das gesamte Deutschland-Portfolio aus dem Grundbesitz-Invest im Wert von 1,5 bis 2 Mrd. Euro verkauft werden - noch einmal fast so viel wie die 2,3 Mrd. Euro, die der Fonds seit der vorübergehenden Schließung im Winter verkauft hat, um Mittelrückflüsse zu bedienen.
Analysten sehen Ramschverkäufe positiv
Branchenbeobachter und Analysten bewerten die Ramschverkäufe, mit denen die Anbieter ihre Deutschland-Portfolios jetzt bereinigen, durchaus positiv: "Die offenen Fonds nutzen die Gunst der Stunde", sagt Thomas-Barein. "Die Motive sind unterschiedlich - teilweise verkaufen die offenen Fonds, weil sie ihre Immobilien problematischer einschätzen als die Ausländer, teilweise auch aus Liquiditätsgründen, weil sie Anteilsrückgaben bedienen müssen", so der Experte.
Die Nachfrage internationaler Investoren nach deutschen Immobilien ist so groß wie nie. Global agierende Kapitalanleger halten den deutschen Immobilienmarkt für unterbewertet und wetten auf die konjunkturelle Erholung. "Man kann natürlich fragen: Wird nicht zu früh vor dem erwarteten Aufschwung in Deutschland verkauft?", sagt Frank Heimsaat, Leiter der Analyse bei der Ratingagentur Scope. "Aber das weiß zu diesem Zeitpunkt niemand."
Der Sparkassenanbieter Deka steht ebenfalls davor, ein Altlastenpaket aus dem Deka-Immobilienfonds im Wert von rund 850 Mio. Euro nach zähen Verhandlungen mit Bietern an einen niederländischen Finanzinvestor loszuschlagen. Die genossenschaftliche Difa hat ein erstes Paket aus dem Difa Grund für 190 Mio. Euro an den IVG-Konzern verkauft und verhandelt jetzt über ein zweites Paket für rund 600 Mio. Euro.