Die Bundesländer können ab Januar 2007 über ihre Ladenschlusszeiten selbst bestimmen. Viele Länder haben bereits angekündigt, dass sie davon Gebrauch machen wollen. Innenstädte und Shoppingcenter profitieren von der Ladenschluss-Liberalisierung. von Miriam Beul
Einkaufszentren wie die "Gropius-Passagen" in Berlin werden von der Ladenschluss-Liberalisierung profitieren
In Berlin zum Beispiel können die Kunden möglicherweise schon an den Adventssonntagen rund um die Uhr einkaufen gehen. Wie eine Studie der Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung (DLP) zeigt, werden die Gewinner des neuen Nonstop-Shoppings vor allem attraktive Innenstädte sowie Einkaufszentren sein.
Bereits die Erfahrungen mit der letzten Liberalisierung hätten gezeigt, dass vor allem die Innenstädte in Oberzentren (meist Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern) durch die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten auf 20 Uhr Kunden zurückgewinnen konnten. Eine aktuelle Umfrage von DLP unter 400 Haushalten hat nun gezeigt, dass rund 30 Prozent der Verbraucher längere Öffnungszeiten begrüßen würden. 70 Prozent halten allerdings die bisherigen zeitlichen Einkaufsmöglichkeiten für ausreichend.
"Die bisherigen Ladenschlusszeiten entsprechen daher nur zum Teil den Verbraucherpräferenzen", sagt Rainer Lademann, Geschäftsführer von DLP. Allerdings müsse standortspezifisch ausgelotet werden, ob sich längere Öffnungszeiten wirklich rechnen. So zeige eine vertiefte Präferenzanalyse der Erhebung, dass der tatsächliche Nutzengewinn verlängerter Einkaufszeiten nur gering ist. Deshalb würden auch die Haushalte, die längere Einkaufszeiten begrüßen, zunächst nur in geringem Umfang davon Gebrauch machen. Lediglich Einkaufsmöglichkeiten werktags bis 22 Uhr stellten für einen Teil der Verbraucher einen echten Mehrwert dar, während für darüber hinausgehende Einkaufszeiten nur noch negative Nutzeneffekte gefunden wurden.
Was für die Standortwahl beim Shopping ausschlaggebend ist
Ob am Ende tatsächlich mehr Geld in die Kassen der Händler fließt, bleibt also fraglich. Als sicher gilt dagegen, dass es zu räumlichen Verlagerungen der Passantenströme kommt. "Die Umsätze werden sich stärker auf die Haupt- und Nebenzentren der großen Städte konzentrieren. Periphere Lagen werden Marktanteile verlieren", sagt Lademann. Nutznießer sind neben Händlern, die am richtigen Standort gemietet haben, die entsprechenden Vermieter, in der Regel institutionelle Investoren und Publikumsfonds. "Die meisten deutschen Bummelmeilen sind inzwischen fest in den Händen von Versicherungen und Versorgungswerken. Und Einkaufscenter sind beliebte Kaufobjekte bei offenen Immobilienfonds", sagt Achim Weitkamp, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Lührmann. Laufen die Geschäfte der Läden gut, seien den Eigentümern Mieten und Renditen sicher.
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