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Merken   Drucken   08.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Indexfonds: Die Vielfalt bei den ETFs lebt

Auf dem deutschen Markt für börsennotierte Indexfonds hat der Wettbewerb zugenommen. Das zwingt die Anbieter, eigene Schwerpunkte zu setzen. von Willi Weber
Kaum eine Anlageklasse verzeichnete in Deutschland in den vergangenen Jahren einen so hohen Zulauf wie Exchange-Traded Funds (ETFs). Die starke Nachfrage - allein 2007 legte das in ETF investierte Anlagevolumen in Deutschland um mehr als 20 Mrd. Euro zu - hat den Markt in Bewegung versetzt. Tummelten sich vor einem Jahr lediglich sechs Anbieter am deutschen Markt, sind es mittlerweile schon elf (siehe Tabelle). Die Zahl der am ETF-Segment der Deutschen Börse XTF gehandelten Indexfonds schnellte von 264 auf 368 hoch.
Als die Deutsche Börse den ETF-Handel im Jahr 2000 startete, begrenzte sich das Angebot auf wenige klassische Aktienindizes wie den Dax und den DJ EuroStoxx 50. Zwar sind derartige Benchmark-ETFs auch heute noch die umsatzstärksten Indexfonds. Allerdings haben sie Konkurrenz bekommen. "Neu auf den Markt kommende ETFs zeichnen sich durch eine immer größere Spezialisierung aus", sagt Natalia Wolfstetter, Analystin bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar. Für nahezu alle erdenklichen Länder, Branchen, Stile und Anlageklassen gäbe es mittlerweile den passenden ETF, sagt die Expertin.
Damit ist der Evolutionsprozess aber noch nicht zu Ende. Eine ETF-Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin sieht im Fondswrapping den neusten Trend. ETFs dienen demnach als Mantel für unterschiedliche Anlagestrategien. "Die Zeiten des klassischen Long-Only-Investments sind vorüber", sagt Wolfstetter. Mit Strategie-ETFs könne man auf fallende Kurse setzen, mit einem Hebel investieren oder Indizes mit Absicherungsmechanismen à la Covered Call oder Protective Put erwerben.
Die Gesellschaften verfolgen unterschiedliche Strategien
Die Gebühren von ETFs sind in einem hohen Maße transparent. Was die Anleger freut, ist für die Anbieter eine Herausforderung. Sie müssen sich in einem relativ überschaubaren Markt, in dem ein hoher Preiswettbewerb herrscht, gegen die Konkurrenz behaupten. Dazu verfolgen die Gesellschaften verschiedene Strategien. "Während die einen auf Größe und ein breites Angebot setzen, fokussieren sich andere auf bestimmte Anlageklassen", sagt Markus Jordan, ETF-Experte und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Isarvest.
Zur ersteren Gruppe gehört Barclays Global Investors (BGI) mit der ETF-Marke iShares. Die Briten sind sowohl nach der Anzahl als auch nach dem Gesamtvolumen der verwalteten Fonds die mit Abstand weltweit größte ETF-Gesellschaft. Auch in Deutschland ist BGI mit 130 notierten Indexfonds Marktführer. Zu den Flaggschiffen der Gesellschaft gehören der iShares Dax ETF sowie der iShares DJ EuroStoxx 50 ETF. Diese beiden Indexfonds belegen regelmäßig die ersten beiden Plätze auf der monatlichen Umsatzrangliste der Deutschen Börse.
Wie Barclays verfolgt auch die Deutsche Bank mit der Tochter DB X-Trackers eine Universalstrategie. Das Haus deckt mit seinen ETFs auf Aktien-, Renten-, Kredit- und Geldmarktindizes verschiedenste Assetklassen ab. Nur knapp zwei Jahre nach dem Markteintritt ist das Haus zum drittgrößten ETF-Anbieter in Europa herangewachsen.
In Deutschland gehandelte ETFs   In Deutschland gehandelte ETFs
DB X-Tracker brachte einige Innovationen auf den Markt
"DB X-Trackers hat in Deutschland eine ganze Reihe von Innovationen auf den Markt gebracht, darunter den ersten ETF auf einen Short-Index sowie die ersten Geldmarkt-ETFs", sagt ETF-Profi Jordan. Gerade Geldmarktfonds erfreuten sich wegen der Finanzmarktkrise hoher Mittelzuflüsse. So legte das verwaltete Vermögen im DB X-Trackers Eonia TR Index ETF von 1,4 Mrd. Euro zu Jahresbeginn auf nun 4,3 Mrd. Euro zu.
Während iShares bei Standardindizes führend ist und DB X-Trackers bei Geldmarktprodukten den Ton angibt, hat Lyxor - der dritte große ETF-Player in Deutschland - bei Schwellenmarkt-ETFs die Nase vorn. Die zur französischen Großbank Société Générale gehörende Gesellschaft hatte als erster Anbieter alle vier Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China als eigene Indexfonds im Programm. Erst kürzlich starteten die Franzosen eine Asienoffensive mit Produkten auf Aktienmärkte wie Malaysia oder Thailand. Auch der erste ETF auf einen Afrikaindex kommt aus dem Hause Lyxor.
Der stark wachsende ETF-Markt sowie die günstigen Perspektiven haben seit Jahresbeginn mehrere Banken dazu motiviert, ein eigenes Angebot zu starten. Dazu gehört die Dekabank mit dem Ableger ETF-Lab. Im Unterschied zu den meisten Wettbewerbern bildet ETF-Lab die zugrunde liegenden Indizes ausschließlich mit den Original-Wertpapieren des Index ab - Stichwort: Full Replication. Das schränkt zwar das Angebotsspektrum ein, dafür will ETF-Lab bei Anlegern punkten, die mögliche Ausfallrisiken komplett ausschließen wollen.

Teil 2: Commerzbank-Tochter setzt aggressive Preispolitik ein

  • FTD.de, 08.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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