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Merken   Drucken   18.09.2006, 09:11 Schriftgröße: AAA

Inverstmentfonds: Wenn die Gesellschaft zweimal kassiert

Nichts ist für die Popularität eines Investmentfonds so wichtig wie die Wertentwicklung. Doch die Performance ist nicht das einzige, worauf es wirklich ankommt. Ein genauer Blick auf die Gebühren lohnt sich. von Martin Diekmann
Erfolgsabhängige Gebühren kommen immer mehr in Mode   Erfolgsabhängige Gebühren kommen immer mehr in Mode
Die entscheidende Rolle für die Wertentwicklung eines Fonds spielt der Manager - sein Können entscheidet darüber, wie der Fonds in seiner Vergleichsgruppe abschneidet, und ob es ihm gelingt, seinen Vergleichsindex zu schlagen.
Doch das Können des Managers ist nicht das einzige Kriterium, das Einfluss auf die Performance nimmt. Da sind die jährlichen Gebühren, welche die Gesellschaft für das Management des Fonds erhält und von denen der Manager für seine Leistung bezahlt wird. Liegen diese bei Geldmarkt- oder Rentenfonds, die verhältnismäßig niedrige Renditen erwirtschaften, im Schnitt zwischen 0,5 und einem Prozent, verlangen die Gesellschaften bei Aktienfonds mehr. Teure Anbieter kassieren jährlich bis zu zwei Prozent des Fondsvolumens.
Doch das war einigen Anbietern nicht genug. Aus diesem Grund erfanden sie die so genannte Performance Fee, die erfolgsabhängige Vergütung. Diese wird erhoben, wenn der Manager eine bestimmte Zielmarke, etwa einen Index übertrifft, sie bezieht sich also auf den Mehrertrag, den ein Fondsmanager gegenüber dem Index oder einer Performancemarke erzielt. Zwar fällt die Performance Fee von Fonds zu Fonds unterschiedlich aus, in den meisten Fällen bewegt sie sich aber zwischen zehn und 20 Prozent. Liegt das Performanceziel beispielsweise bei fünf Prozent im Jahr, der Fonds erreicht aber zehn Prozent, kassiert die Investmentgesellschaft bei einer Performancegebühr von 20 Prozent einen erfolgsabhängigen Ertrag von einem Prozent.
Offensichtlich ist das Ganze ein lohnendes Geschäft, denn die erfolgsabhängige Gebühr wird immer populärer - zumindest bei den Investmentgesellschaften.
Performancegebühren im Vergleich   Performancegebühren im Vergleich
Den meisten Anlegern dürfte allerdings nicht einmal bewusst sein, dass sie mittlerweile bei einigen Fonds eine Performance Fee bezahlen müssen, denn die ist schwierig auszumachen. Bei der laufenden jährlichen Gebühr wird sie nicht erwähnt, und auch in der Total Expense Ratio (TER), der Gesamtkostenquote, die alle im BVI vertretenen Gesellschaften ausweisen müssen, taucht sie nicht auf. Fündig werden Anleger nur im Fondsprospekt. Der aber liefert nur eine abstrakte Performanceangabe. Die wirklichen Kosten zeigen sich erst am Ende eines Jahres, wenn die Wertentwicklung des Fonds vorliegt.
Das ruft Kritiker auf den Plan: "Die Performancegebühr bevorteilt den Fondsmanager auf äußerst einseitige Weise", sagt Ferdinand Haas, Vorstand des Maklerpools BCA. "Bei guter Performance zahlt der Kunde, bei schlechter Performance erhält er aber keinesfalls eine Rückvergütung und bleibt deshalb alleine auf den Verlusten sitzen." Diese Asymmetrie erzeuge Anreize, die nicht zum Vorteil der Anleger sind: "Da das Fondsmanagement bei spektakulärer positiver Performance fürstlich entlohnt, bei miserabler Performance aber nicht zur Kasse gebeten wird, lohnt es sich aus seiner Sicht möglicherweise nicht, unnötige Risiken zu vermeiden. Es kann sogar ein starker Anreiz entstehen, aggressive Wetten einzugehen", sagt Haas. Damit bestehe die Gefahr, dass ein ausreichendes Risikomanagement, einer der größten Vorteile der Fondsanlage, auf der Strecke bleibt.
Haas steht mit seiner Kritik nicht allein da. "Ich bin grundsätzlich gegen jede Form von Performance Fee im Management offener Investmentfonds", sagt Eric Wiese, Geschäftsführer des Geldanlage-Centrums Hamburg/Berlin. "Jeder Fondsmanager sollte seine Fonds nach bestem Wissen und Gewissen managen. Dafür wird er in der Regel sehr gut bezahlt." Auch stelle sich die Frage nach einer sinnvollen Bemessung derartiger Gebühren. "Eine reine Outperformance gegenüber einem Vergleichsindex nützt Anlegern nichts, wenn der Fonds trotzdem Verluste einfährt."
  • Aus der FTD vom 18.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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