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Merken   Drucken   11.12.2006, 11:54 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Cost-Average und kein Ende

Das Thema auf dem jüngsten Investment-Hochschultag war neutral formuliert. Unter dem Titel "Vermarktung der Fondsanlage: Cost-Average als Verkaufsargument" fällte Thomas Langer von der Universität Münster dann jedoch ein in der Sache vernichtendes Urteil über eines der wichtigsten Verkaufsargumente bei Fondsanlagen.
von Wolf Brandes

Dem Cost-Average- Effekt - auch Durchschnittskosteneffekt genannten Verfahren - liegt die Idee zugrunde, dass Investoren bei regelmäßiger Anlage eines gleichen Betrags von Kursschwankungen profitieren können. Begründung: Bei niedrigen Kursen werden viele, bei hohen wenige Anteile gekauft.

Überall finden sich Stimmen, die dem Rechenprinzip eine Wunderwirkung bescheinigen. "Mit regelmäßigen Anlagen Kursschwankungen positiv nutzen", heißt es beispielsweise bei Cominvest, während Templeton glaubt: "Der Cost-Average-Effekt kann Anlegern helfen, die Volatilität zu meistern."

Keine renditeerhöhende Wirkung

Während der Cost-Average-Effekt in der Praxis immer noch als sehr positiv dargestellt wird, gilt er in der Wissenschaft schon längst als ein Mythos. Einigkeit besteht lediglich darin, dass die Durchschnittskosten bei einem Sparplan sinken können - doch daraus lassen sich keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen ziehen. Das verbreitete Beispiel eines Sparplans mit fester Rate im Vergleich zum Kauf einer bestimmten Anzahl von Anteilen ist realitätsfremd. Kein Anleger spart einmal für 70 Euro, dann für 120 Euro, nur um regelmäßig eine bestimmte Stückzahl zu erwerben.

Bereits 2003 kam die Behavioral Finance Group der Universität Mannheim, der auch Thomas Langer angehörte, zu der Erkenntnis: "Weder kann man von einer renditeerhöhenden Wirkung des Cost-Averaging sprechen, noch wird die höhere Volatilität zu einer wünschenswerten Eigenschaft, sobald im Rahmen eines Einzahlungsplans nicht einmalig, sondern regelmäßig investiert wird", heißt es in einem Arbeitspapier. Und weiter: "Das Argument, zur Renditesteigerung und Risikosenkung sei eine sukzessive Investition kleiner Chargen optimal, lässt sich zweifelsfrei widerlegen."

"Es gibt keinen Cost-Average-Effekt"

Das Beispiel der monatlichen Umschichtung einer Summe in Aktienfonds innerhalb von zwölf Monaten - im Vergleich zur Sofortinvestition - wurde mit historischen Daten nachgerechnet. Auf Basis von Dax-Zahlen hätte die Durchschnittskostenstrategie um zwei Prozentpunkte schlechter abgeschnitten. Quintessenz: "Es gibt keinen Cost-Average-Effekt."

Wie schwer es vielen Fondssparern fällt, sich von lieb gewonnenen Ansichten zu trennen, zeigt die Kontroverse zu dem Thema im Internet: "Also diese Leute der Uni Mannheim, welche die Untersuchungen durchgeführt haben, kommen mir so vor wie die Zeugen Jehovas", heißt es in einem Forum. Und ein anderer Nutzer schreibt: "Mit Rechenkunststückchen kann man den Cost-Average-Effekt nicht beweisen. Es ist nur ein Marketingtrick, um Umsatz zu sichern."

Wolf Brandes ist Redakteur des Anlegermagazins "Börse online".

  • Aus der FTD vom 11.12.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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