FTD.de » Finanzen » Geldanlage » Neue Chancen für Mischfonds

Merken   Drucken   07.08.2006, 09:29 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Neue Chancen für Mischfonds

Der starke und überraschende Kurseinbruch an den globalen Aktienmärkten im Frühsommer hat viele Privatanleger kalt erwischt. Die Jahre, in denen es mit den Börsen immer nur bergauf ging, scheinen vorbei zu sein. von Markus Zydra
Risiko   Risiko
Fondssparer müssen sich dieser neuen Situation stellen. Eine Möglichkeit, die Risiken zu umschiffen, ist die Investition in Mischfonds. Diese Produkte variieren ihre Investments in aller Regel je nach Marktlage zwischen Aktien, Renten und Geldmarkt. "Wir erleben eine Zeit, in der aktive Mischfondsverwalter beweisen müssen, was sie können", sagt Markus Kaiser, Fondsmanager des A2A Wachstum, einem Produkt der Veritas SG Investment Trust. "Es gibt keine klaren Trends mehr. Das betrifft auch das Verhältnis von Renten und Aktien. Mal fallen und steigen sie gleichzeitig, mal korrelieren beide Märkte gar nicht."
Für Anleger ergibt sich bei diesen Produkten allerdings ein besonderes Problem: "Mischfonds ist ein sehr unbestimmter Begriff. Er drückt eigentlich nur aus, dass hier mehrere Assets je nach Risikoprofil gemischt werden. Im Prinzip funktionieren auch Dachfonds, Superfonds und Life-Cycle-Fonds ganz ähnlich", sagt Werner Hedrich, Chefanalyst der Rating-Agentur Morningstar. Life-Cycle-Fonds zielen zum Beispiel auf das Sparen für das spätere Studium ab. Superfonds sind im Grunde Dachfonds, sie können aber auch in Futures und Derivate investieren.
Steckbrief   Steckbrief
Zudem ist es schwer, die Performance als Entscheidungshilfe heranzuziehen; Mischfonds sind kaum vergleichbar. Ein Fonds, der maximal 60 Prozent Aktien halten darf, hat deutlich weniger Renditepotenzial als ein Fonds, der bis zu 100 Prozent in Dividendenpapiere gehen kann. Andererseits gibt eine geringere Aktienquote Sicherheit.
Anleger sind also gezwungen, eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Wie viel Risiko soll es denn sein? "30 Prozent Aktienanteil ist die defensive, 60 Prozent die ausgewogene, 100 Prozent die aggressive Variante. Darauf muss man achten. Die Entscheidung hängt davon ab, wie das persönliche Risikoprofil aussieht", sagt Hedrich.
Computer ermittelt Ausstiegszeitpunkt
Einer der wenigen Mischfonds, der den Aktienanteil zwischen null und 100 Prozent mischt, ist der Multi Invest OP von Oppenheim Pramerica Asset Management. "Wir waren Mitte April bei 100 Prozent Aktien und sind dann in zwei Schritten bis 10. Mai komplett ausgestiegen. Seit Ende Juni sind wir wieder zu 100 Prozent drin", sagt Fondsmanager Olaf-Johannes Eick.
Der Anlageexperte arbeitet mit der quantitativen Analyse. Dabei verarbeitet der Computer anhand von definierten Rechenregeln Marktinformationen. "Unsere Modelle identifizieren genaue Ausstiegszeitpunkte, wenn der Markt dreht. Es ist ein rein mathematischer Ansatz", sagt Eick. "Es gelang uns, das Risiko zu senken und dadurch die Performance zu steigern. Man erhöht die Rendite, indem man in den Verlustphasen aussteigt."
Solche quantitativen Methoden werden immer beliebter. Ihr Vorteil: Sie schalten die menschliche Emotion aus. Kauf- und Verkaufsentscheidungen trifft der Computer auf Basis nachvollziehbarer Kriterien. Keine Analysemethode kann allerdings den Anspruch für sich erheben, immer richtig zu liegen. Zu irrational können sich Märkte gerade kurzfristig verhalten.
"Wir wurden vom Einbruch an den Börsen überrascht, unsere Tools haben keine Warnsignale gegeben", sagt Ulrich Kaffarnik, Fondsmanager des DJE Alpha Global P. Auch dieses Produkt erlaubt einen Aktienanteil zwischen null und 100 Prozent. Kaffarnik geht bei seinen Anlageentscheidungen nach fundamentalen Analysekriterien vor.
Mischfonds, die eine feste Maximalaktienquote fixieren, haben ebenfalls Vorteile. Diese Fonds stellen beispielsweise sicher, dass Anleger nicht plötzlich auf zu vielen Aktien im Mischfonds sitzen. Denn das kann böse enden, wie das Jahr 2000 gezeigt hat. "Definierte Anlageproportionen bieten den Anlegern eine Struktur. Der Investor kann einschätzen, wie stark er maximal im Aktienmarkt engagiert ist", sagt Veritas-Fondsmanager Kaiser, der auch die Nachteile dieses Ansatzes kennt. "Natürlich sind mir mit der Mindestaktienquote von 40 Prozent in einer Abwärtsbewegung an den Börsen die Hände gebunden. Das ist ärgerlich. Wir positionieren uns dann in weniger volatilen Aktienfonds", sagt Kaiser, der ebenfalls quantitativ vorgeht.
Der Degussa Bank Universal Rentenfonds ist im Konkurrenzvergleich wesentlich defensiver aufgestellt. "Unser Fonds bietet so eine Art Grundversorgung, mit einem maximalen Aktienanteil von 25 Prozent entspricht das einer konservativen Vermögensverwaltung. Selbst bei stark fallenden Märkten sieht unsere Performance dann nicht so schlimm aus", sagt Fondsmanager Anton Hanskötter, für den es vor allem darum geht, die Anlagegelder sicher zu verwalten.
  • Aus der FTD vom 07.08.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6315,89  [30.14 +0,48%
  Euro Stoxx 50 2156,52  [22.47 +1,05%
  Dow Jones 12457,59  [-38.56 -0,31%
  Nasdaq Composite 2831,93  [-18.19 -0,64%
  Euro 1,25714 USD  [0.00144 +0,11%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote