FTD-Serie: Informationen für Anleger
Geld anlegen nach Plan: Von Aktien bis Hedge-Fonds, von Edelmetallen bis zu Index-Zertifikaten.
11.09.2006, 08:57
Investmentfonds: Nicht zu groß, nicht zu klein
Wer sich für einen Investmentfonds interessiert, achtet bei der Auswahl in der Regel auf die verschiedensten Dinge: beispielsweise auf die Performance oder auf die Gesellschaft, die den Fonds aufgelegt hat. Nur auf das Fondsvolumen achtet kaum jemand. Dieses kann jedoch großen Einfluss haben.Das trifft besonders auf Fonds zu, die in so genannten engen Märkten operieren. Darunter versteht man Länder oder Branchen mit einer geringen Marktkapitalisierung und nur wenigen Unternehmen, die groß genug sind, damit institutionelle Investoren wie Fondsmanager in sie investieren. Das gilt vor allem für Schwellenländer.
Investoren, die an diesen Märkten anlegen und Summen in ein- oder zweistelliger Millionenhöhe unterbringen müssen, sind eindeutig im Vorteil gegenüber Managern, die mehrere hundert Millionen oder noch größere Beträge bewegen. Wird viel Geld in kurzer Zeit in enge Märkte investiert, treibt das die Kurse - beim Kauf nach oben, beim Verkauf nach unten. Kleine Fonds sind dafür besser geeignet, denn sie können unbemerkt Aktien kaufen und verkaufen und auf Grund ihres geringen Volumens schneller auf Marktveränderungen reagieren.
Allerdings birgt ein zu geringes Fondsvolumen auch Nachteile, etwa bei der Kostenbelastung. "Zulassung, Steuerberatung, Halbjahres- und Jahresberichte sind im Wesentlichen fixe Kosten, die einen Fonds überproportional belasten, je geringer das Fondsvolumen ist", sagt Thorsten Mohr, Geschäftsführer der Argentum Vermögensberatung. "Das muss aber nicht zwangsläufig zu höheren laufenden Kosten bei dem entsprechenden Fonds führen", sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters SJB Fondsskyline. "Einige Gesellschaften fangen die höheren Gebühren intern auf, weil sie vom Potenzial der Fonds überzeugt sind." Anleger sollten dennoch auf der Hut sein und bei geringen Volumina die Gesamtkostenquote des Fonds überprüfen. Oft falle diese überproportional hoch aus und schmälere damit die Rendite.
In die Depots von SJB werden deshalb Fonds mit einem Volumen unter 15 Mio. Euro nur in Ausnahmefällen aufgenommen. Argentum-Geschäftsführer Mohr empfiehlt sogar, Fonds unterhalb eines Volumens von 30 Mio. Euro zu meiden. "Darunter lassen sich Fonds nicht mehr wirtschaftlich betreiben", so Mohr.
Für Anleger heißt das, sie müssen permanent damit rechnen, dass ein Fonds mit einem geringen Volumen geschlossen oder mit einem anderen Produkt der Gesellschaft verschmolzen wird. Damit droht zwar nicht die Gefahr, dass Anleger ihr Geld verlieren, denn die Fondsgelder sind als Sondervermögen geschützt. "Bei einer Fondsschließung oder -zusammenlegung wäre aber zumindest das bei Kauf entrichtete Agio hinfällig. Bei Schließung kämen auf den Investor auch wieder Kosten für die Neuinvestition zu. Das gilt ebenso, wenn der Fonds mit einem Zielfonds verschmolzen wird, der dem Anleger nicht zusagt", sagt Mohr.
Nach Angaben des FWW Fondsfactbook wurden im vergangenen Jahr immerhin 380 Fondsschließungen und Verschmelzungen registriert. Das entspricht einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Wer sich diesen Ärger ersparen will, sollte deshalb vor dem Kauf darauf achten, dass das Fondsvolumen nicht zu gering ausfällt", sagt Bennewirtz.
Probleme bergen allerdings auch zu große Fonds. So ist es für Manager von Emerging-Markets-Fonds, deren Volumen bei mehreren hundert Millionen oder darüber liegen, oft schwer, in ihrem Anlagegebiet genügend aussichtsreiche Unternehmen zu finden. Infolgedessen streuen sie die Gelder so stark, dass sie keine Möglichkeit mehr haben, von neuen Trends oder kurzfristigen Entwicklungen an ihren Märkten zu profitieren.
Bei Fonds, die in Standardmärkte und -werte investieren, spielt das Fondsvolumen dagegen eine geringere Rolle. Schließlich haben die Manager, egal ob sie in Europa, Japan oder Nordamerika agieren, genügend Möglichkeiten, die Anlegergelder zu streuen. Viele Fonds weisen deshalb Volumina von mehreren Milliarden Euro oder Dollar auf.
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11.09.2006
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