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  FTD-Serie: Investmentfonds

Investmentfonds bekommen starke Konkurrenz. Derivate und Indexprodukte laufen ihnen bei vielen Anlegern den Rang ab. Einige Fonds denken deshalb um: Sie nehmen die Gegner mit ins Boot, um so von deren Vorteilen zu profitieren.

Merken   Drucken   08.07.2006, 07:49 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Trügerische Sicherheit

Anleger können über zahlreiche neue REIT-Fonds in den globalen Häusermarkt investieren. Das klingt solide, doch auch bei Immobilienaktien gibt es empfindliche Kursschwankungen. von Christoph Hus
Wie Real Estate Investment Trusts (REITs) in den USA funktionieren   Wie Real Estate Investment Trusts (REITs) in den USA funktionieren
Bei der Vorstellung eines neuen Investmentfonds gab sich Klaus-Jürgen Baum euphorisch. "Immobilienaktienfonds verbinden die Vorzüge des indirekten Immobilieninvestments mit den Stärken der Aktienanlage", schwärmte der Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Fidelity über den neuen Fidelity Global Property Fund. In den kommenden anderthalb Jahren will Baum über 100 Mio. Euro bei deutschen Anlegern einsammeln.
Die bisher relativ unbekannte Anlageklasse der Immobilienaktienfonds habe großes Potenzial: "Auf Grund ihrer Vorteile werden sich Immobilienaktienfonds rasch einen prominenten Platz neben offenen Immobilienfonds erobern", sagte Baum. Immerhin haben Immobilienaktien im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre weltweit ein Plus von 13,5 Prozent pro Jahr erzielt, hat Fidelity errechnet.
Mit dem neuen Produkt reiht sich Fidelity ein in die Branche, die auf Immobilienaktienfonds als neuen Verkaufsschlager setzt. In den vergangenen Monaten ist gleich ein ganzer Schwung neuer Fonds auf den deutschen Markt gekommen.
Auf neue Produkte setzen
So buhlt zum Beispiel SEB Asset Management gleich mit vier neuen Fonds um deutsche Kunden. Während sich einer auf europäische Immobilienaktien konzentriert, investieren zwei andere Produkte in Asien, ein weiterer streut das Kapital weltweit. Die Fonds investieren überwiegend in so genannte REITs (Real Estate Investment Trusts).
Dabei handelt es sich um börsennotierte Gesellschaften, die Immobilien finanzieren, entwickeln und verwalten. Sie schütten bis zu 100 Prozent ihrer Erträge an Anleger aus, weil sie auf Unternehmensebene von der Steuer befreit sind. In den USA gibt es viele solcher Gesellschaften, ebenso in einigen europäischen Ländern. In anderen Staaten, darunter auch Deutschland, sind sie aber bisher nicht zugelassen.
Deutsche Anleger fliegen auch deshalb auf die neuen Fondsprodukte, weil sie den offenen Immobilienfonds immer weniger trauen. Seitdem die Deutsche Bank  ihren Fonds Grundbesitz-Invest vorübergehend zeitweise schließen musste, hat die Anlageklasse viel an Vertrauen eingebüßt - obwohl sie über Jahrzehnte hinweg in Deutschland das Maß aller Dinge war.
Schließlich galten diese Produkte unter risikoscheuen Anlegern als sicherer Hafen für ihr Erspartes. Die Risiken blendeten viele Investoren komplett aus.
Volatil aber liquide
REITs stehen derweil in Deutschland in der öffentlichen Diskussion, was ihnen einen Aufmerksamkeitsschub beschert. In Berlin diskutieren Politiker, ob die börsennotierten Immobiliengesellschaften auch in Deutschland zugelassen werden sollen. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob die Branche besonders strenge Vorgaben des Gesetzgebers braucht.
So verlangen einige Parlamentarier zum Beispiel so genannte Haltefristen für REITs. Diese würden Unternehmen daran hindern, große Teile ihres Immobilienportfolios innerhalb kurzer Zeit zu verkaufen. Außerdem sorgen sich Abgeordnete um Steuerausfälle und um negative Folgen für Mieter. Es ist unklar, ob sich die REITs-Befürworter oder die Bedenkenträger durchsetzen werden.
Für Anleger bieten REIT-Fonds im Vergleich zu offenen Immobilienfonds einen entscheidenden Vorteil. Sie sind jederzeit liquide, wenn Anleger ihr Geld aus dem Fonds abziehen wollen - schließlich können sie kurzfristig über die Börse Aktien verkaufen. Bei offenen Immobilienfonds ist das nicht möglich, weil sie selbst Gebäude besitzen, die sie nicht innerhalb kurzer Zeit abstoßen können.
Die Preisfindung ist bei REIT-Fonds besonders einfach: Sie richtet sich nach dem Kurs der Aktien an der Börse. Die Kehrseite: Immobilienaktienfonds unterliegen kurzfristig größeren Wertschwankungen als offene Immobilienfonds. Ursache ist die hohe Volatilität der Aktienkurse.

Lesen Sie mehr über die Entwicklung der REITs

  • FTD.de, 08.07.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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