Geld anlegen nach Plan: Von Aktien bis Hedge-Fonds, von Edelmetallen bis zu Index-Zertifikaten.
500 Punkte Rückgang klingen zwar nach einem gewaltigen Rutsch, sind aber in Anbetracht der Tatsache, dass der Dax in wenigen Wochen ohne nennenswerte Pause von knapp 6500 auf 8000 Punkte gestiegen war, alles andere als dramatisch.
Dennoch: Aus markttechnischer Sicht dürfte der Rückgang seine Spuren hinterlassen. Erkennen lässt sich dies beispielsweise an der "Bearish-Engulfing-Formation" (Candlestick-Technik). Nach Auftauchen dieser auf sinkende Kurse hindeutenden Formation benötigte der Dax in der Vergangenheit im Schnitt drei bis vier Wochen, um den vorhergehenden Aufwärtstrend - zumeist auf spürbar tieferem Niveau - fortzusetzen. Da die mittelfristige markttechnische Struktur weiter unterstützend wirken sollte, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass der Index spätestens im Bereich 7100/7400 Punkte seinen Boden finden und die überkaufte Lage eher über die Zeitachse, als über die Preisachse abbauen wird.
Auch die statistische Auswertung der Saisonalitäten lässt eine weiterhin positive mittelfristige Entwicklung vermuten. So zeigen unsere Untersuchungen über einen Zeitraum von über 50 Jahren, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent zu einer Gesamtjahresrendite von etwa 18 bis 28 Prozent kommen wird. Im Durchschnitt würde dies einem Dax-Stand von 8250 Punkten zum Jahresende entsprechen.
Neben diesen technisch-statistischen Faktoren sollte natürlich auch die fundamentale Seite stimmen. Um den fairen Wert des Dax ermitteln zu können, werden anhand eines ökonometrischen Modells die Gewinnerwartungen für alle Dax-Werte entsprechend dem Dax-Index aggregiert. Das Modell prognostiziert auf Basis unternehmerischer Kennzahlen sowie anhand des ökonomischen Umfelds einen Gewinnanstieg der Dax-Unternehmen je Aktie in zwölf Monaten auf 577 Euro. Woraus sich ein fairer Wert für den Dax von 8114 Punkte ableiten lässt.
Doch es lauern auch Gefahren. Neben geopolitischen Risiken sind dies vor allem die Zinsen. So nähert sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen langsam, aber sicher der 4,5-Prozent-Marke (siehe Grafik). Seit dem Zinstief hat die Rendite damit etwa 130 Basispunkte zugelegt. Unsere ökonometrischen Schätzungen zeigen, dass die Rendite mittelfristig in Richtung 4,9 Prozent steigen sollte. Für den Aktienmarkt ist das keine gute Nachricht. Denn zum einen erhöht sich hierdurch die relative Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien. Zum anderen steigen auch die Opportunitätskosten von Unternehmen, was sich negativ auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum und damit auch auf den Aktienmarkt auswirkt.
Negativ sind auch das sich immer schneller drehende Übernahmekarussell und die dabei gezahlten Rekordsummen. Zeigt dies doch, dass die Firmen die vom Kapitalmarkt geforderten hohen Wachstumsraten teilweise nur noch über Zusammenschlüsse und die hierdurch erhofften Synergie- und Größeneffekte realisieren können, sprich: ihr Grenzwachstum erreicht haben. Danach wären Aktien auf heutigem Niveau bereits fair bewertet.
Fazit: Der Aktienmarkt bleibt interessant. Doch zeigt die Risiko-Ertrags-Analyse, dass mittelfristig eine Reduzierung der Aktienquote zwischen 10 und 30 Prozent zu Gunsten von Cash die beste risikoadjustierte Rendite bringen sollte.
Reza Darius Montassér ist Mitglied des Vorstands der Alpenbank AG.