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Merken   Drucken   06.11.2006, 10:50 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Meisterwerke für Millionen

Für Kunst wird so viel Geld bezahlt wie nie zuvor: Bei den morgen in New York beginnenden Herbstauktionen von Sotheby's und Christie's sollen Sammler erstmals mehr als 1 Mrd. Dollar ausgeben - mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. von Claudia Herstatt (Hamburg)
Wertvoll: Jackson Pollocks "No. 5, 1948" erzielte 140 ...   Wertvoll: Jackson Pollocks "No. 5, 1948" erzielte 140 Mio. Dollar
Der Kunstmarkt läuft besser denn je. Selbst Insider können kaum glauben, welche Preise vor allem für zeitgenössische Kunst ausgegeben werden. Auch Design und jahrelang zurückhaltend gekaufte Alte Meister erringen bei Auktionen Spitzenbeträge. Mitte letzter Woche wurde mit 140 Mio. $ für ein Bild des 1956 verstorbenen Amerikaners Jackson Pollock ein neuer Rekordpreis erzielt.
In dieser Woche schaut die gesamte Kunstwelt nach New York. Bei den Herbstversteigerungen der beiden großen Auktionshäuser Christie's und Sotheby's, die morgen beginnen, soll erstmals ein Gesamtumsatz von 1 Mrd. $ erreicht werden. Im November 2005 waren es rund 291 Mio. $.
Diesmal soll bei Christie's bereits ein einzelner Verkaufstag, der Mittwoch, bis zu 490 Mio. $ bringen. "Monumental" werde die Auktion, prophezeit Guy Bennett von Christie's. Vier Werke des deutschen Expressionisten Gustav Klimt, ein Bild von Ernst Ludwig Kirchner und Picassos "Porträt von Angel Fernández de Soto", das bisher dem Komponisten Andrew Lloyd Webber gehört, stehen zum Verkauf.
"Kunstwerke sind inzwischen wertvoller als jede Aktie"
"Kunstwerke sind inzwischen wertvoller als jede Aktie", sagt der Düsseldorfer Kunsthändler Hans Mayer. Als er vor 40 Jahren sein Geschäft begann, habe es etwa 4000 Sammler gegeben. "Heute", so schätzt er, "gibt es rund um den Globus 200.000 ernst zu nehmende Käufer." Weltweit wird das jährliche Umsatzvolumen für Kunst auf 20 Mrd. E geschätzt.
Das Auktionshaus Christie's rechnet für Gustav Klimts ...   Das Auktionshaus Christie's rechnet für Gustav Klimts "Häuser in Unterach am Attersee" mit bis zu 25 Mio. Dollar
Zu den wichtigsten Sammlern gehört der Nudel-Milliardär Guido Barilla, in dessen Besitz sich angeblich das für rund 104 Mio. $ versteigerte Picasso-Gemälde "Junge mit Pfeife" befinden soll. Der Kosmetikhersteller Ronald Lauder leistete sich im Juni dieses Jahre für 135 Mio. $ Gustav Klimts Bild "Adele Bloch-Bauer I", auch die "Goldene Adele" genannt. Der mexikanische Finanzier David Martinez zahlte Höchstsummen für Werke von Willem de Kooning und Mark Rothko - und soll jetzt als Käufer von Pollocks "No. 5, 1948" mehr hingelegt haben, als jemals für ein Bild vorher gezahlt wurde.
Lohnende Investitionen
Die teuersten Bilder   Die teuersten Bilder
Fünf Prozent ihres Einkommens geben Leute unter 40 Jahren im Schnitt für Kunst aus, hat die US-Zeitschrift "Vanity Fair" ermittelt. Man muss also nicht zu den Topsammlern gehören, um sich für Kunst zu begeistern und viel Geld dafür auszugeben. Händler Hans Mayer tätigte auf der letzten Art Basel 45 Verkäufe im Wert von 10.000 bis 700.000 E - an Kunden, die seinen Angaben zufolge ihr Geld als Banker, Manager und Unternehmensberater verdienen.
Gerd Harry Lybke, Galerist der jüngeren Generation und derzeit mit seinen Leipziger Stars wie Neo Rauch und Yehudit Sasportas einer der Erfolgreichsten, erklärt den Boom am Kunstmarkt gern mit der "glücklichen Generation", die keinen Krieg erlebt habe, ein Sparbuch und eine Wohnung geerbt habe, dreimal am Tag essen gehe, fünfmal im Jahr in Urlaub fahre und "richtige Probleme hat, ihr Geld auszugeben". Es begeistere ihn, "dass solche Menschen bereit sind, auf das reine Versprechen der Kunst hin Geld zu investieren".
Dass sich diese Investitionen lohnen können, zeigt der Picasso, den Andrew Lloyd Webber jetzt versteigern lässt. Bis zu 60 Mio. $ soll er bringen. Webber hatte einst nur rund 25 Mio. $ gezahlt.
  • Aus der FTD vom 06.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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