Als Fondsanleger das Vermögen künftig regelmäßig umzuschichten scheint wenig ratsam, wenn jedes Mal der Gewinn versteuert werden muss. Würde ein Anleger Käufe und Verkäufe eines Profis stets nachvollziehen, so kassierte der Fiskus bei jeder Gewinnmitnahme 25 Prozent des Ertrags. Bei einem Dachfonds lösen die Umschichtungen keine Steuerpflicht aus, der Manager kann mit dem vollen Kapital weiterarbeiten - und der Kunde vom Zinseszinseffekt profitieren. Denn die Abgeltungsteuer wird erst beim Verkauf des Dachfonds fällig. Das gilt für alle Anlagen ab 2009. "Wer vor dem Stichtag 31. Dezember 2008 seine Anlageentscheidung trifft, der genießt auch danach volle Steuerfreiheit auf alle Kursgewinne", ergänzt Schilling.
Dachfonds als elegante Lösung von Steuerproblemen? Nach der Einführung der Produkte 1998 gab es immer wieder Diskussionen über die eher unterdurchschnittlichen Performancewerte und die relativ hohen Kosten. Das zum Teil schlechte Image hat dazu beigetragen, dass nur rund sieben Prozent des Fondsvermögens hierzulande in Dachfonds angelegt sind. Lediglich bei der Deka haben sie eine größere Verbreitung gefunden: Die Fondsgesellschaft ist mit einem Marktanteil von gut 40 Prozent auch klarer Marktführer. Die besten Renditen erzielten allerdings oft eher kleinere Spezialisten wie Gecam, Sauren oder Veritas.
Branchenkenner sehen nun angesichts der Steuerdiskussion einen Durchbruch für die Produkte. "Die Dachfondsindustrie erhält mit der drohenden Abgeltungsteuer eine Steilvorlage. Sie wird bis Ende 2008 eine heute noch nicht abzuschätzende Multimilliardensumme einsammeln", vermutet Björn Drescher, der den Branchendienst "Fonds im Visier" herausgibt. Er glaubt, dass gewisse Nachteile von Dachfonds künftig kaum eine Rolle spielen: "Dachfonds mögen höhere Kosten als direkte Investments haben, im Verhältnis zu den steuerpflichtigen Kursgewinnerträgen eines Traders sind sie vernachlässigbar." In der Kostendiskussion geht es darum, dass neben der Jahresgebühr des Zielfonds die Vergütung des Dachfonds zu bezahlen ist. Nach Einschätzung der Branche liegt die Kostenbelastung bei einem Dachfonds rund 0,5 Prozent höher. Dabei kann man aber nicht einfach Managementgebühren des Dachfonds und der Zielfonds addieren, da Dachfonds von den Zielfonds Bestandsprovisionen - einen Teil der Managementgebühr - erhalten, die sie als Einnahme verbuchen.
Auch die Manager wissen, dass ihre Dachfonds teurer sind als herkömmliche Fonds. Doch diesen Nachteil konnten etliche durch gutes Management ausgleichen. Selbst die durchschnittliche Performance der Dachfonds ist in den vergangenen Jahren trotz der höheren Kosten oft besser gewesen als die vergleichbarer Fonds, die direkt investieren.
Während die Kostennachteile im Zusammenhang mit der Abgeltungsteuer eine geringere Rolle spielen dürften, bleibt die Frage nach der Zweckmäßigkeit von Dachfonds. Ist ein Dachfonds, der nur in Aktienfonds investiert, über 10 oder 20 Jahre Anlagezeitraum das Richtige? Auch an den oft starren Mischformen übt Branchenexperte Drescher Kritik: "Manche abgestufte Dachfondspalette Marke 20 Prozent Renten, 80 Prozent Aktien erinnert stark an die ‚Bananenstrategie‘, bei der das Produkt beim Kunden reift." Seiner Meinung nach müssen die Gesellschaften neue Lösungen anbieten, zum Beispiel Laufzeitdachfonds mit Ablaufmanagement oder vermögensverwaltende Dachfonds. Eine Alternative wären auch klassische, flexible Mischfonds, die aus steuerlicher Sicht die gleichen Vorteile bieten wie Dachfonds.