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Merken   Drucken   02.06.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Angriff der Hedge-Fonds-Klone

Die Manager der spekulativen Fonds kassieren Milliarden. Doch jetzt machen ihnen Banken mit synthetischen Produkten Konkurrenz - für geringere Kosten. von Heike Buchter
Für rund 80 Mio. $ ging Marilyn Monroe vergangene Woche an den Hedge-Fonds-Manager Steven Cohen. Den Rekordpreis soll der eifrige Kunstsammler laut Berichten für das Andy-Warhol-Bild "Turquoise Marilyn" gezahlt haben. Einschränken muss sich der Gründer von SAC Capital Advisors deshalb aber kaum: 2006 nahm Cohen 900 Mio. $ mit nach Hause. Damit gehört er noch nicht einmal zu den Spitzenverdienern der Branche: Der Titel gebührt laut Investorenmagazin "Alpha" James Simons, Gründer von Renaissance Technologies, mit einem Jahresgehalt von 1,7 Mrd. $.
Allein im ersten Quartal 2007 sammelten die Hedge Funds weltweit 60 Mrd. $ ein - fast halb so viel wie im Gesamtjahr 2006. Was die Hedge Funds so attraktiv macht, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Alpha. Die Finanzgemeinde bezeichnet Rendite, die letztlich auf das Marktgeschehen zurückzuführen ist, als Beta. Das ist einfach zu haben an der Wall Street. Manager, die ihre Rendite durch ihre speziellen Strategien unabhängig von den Marktbewegungen erzielen, liefern dagegen ein Prämiumprodukt, eben Alpha. Wie sie Alpha erzielen, ist ihr Geheimrezept. Dafür sind die Investoren bereit, horrende Gebühren zu zahlen.
Hilfreiche Geheimniskrämerei
Jetzt mehren sich Stimmen, die bezweifeln, dass Anleger dafür immer einen Gegenwert bekommen. "Es gibt Fonds, die ihre Beta-Profite aufhübschen und als Alpha verkaufen", sagt Narayan Naik, Professor an der London Business School. Hilfreich ist dabei die komplexe Struktur und die Geheimniskrämerei der Branche. "Da laufen einige Schafe im Wolfspelz rum."
Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch andere Finanzforscher gekommen. Die Akademiker haben den Boden bereitet für eine neuartige Konkurrenz: Hedge-Fonds-Klone. Dabei handelt es sich um synthetische Finanzinstrumente, die versuchen, das Verhalten eines Hedge-Fonds und seine Ergebnisse nachzubauen. Daran basteln die Entwicklungsabteilungen großer Wall-Street-Häuser wie Merrill Lynch, JP Morgan Chase und Goldman Sachs.
Angriff setzt Branche unter Druck
Die Finanzingenieure verfolgen zwei Ansätze: Einmal bauen sie erfolgreiche historische Portfolios von Hedge-Fonds nach. Zum anderen entwickeln sie eine Art selbstgesteuerten Fonds, der nach festen Regeln automatisch handelt. "Synthetische Produkte können ähnliche Renditen erzielen und bieten den Vorteil höherer Transparenz und niedrigerer Kosten", lobt Ben Bowler, Co-Head Global Equity-Linked Research bei Merrill Lynch. Er erwartet eine ähnliche Entwicklung wie bei klassischen Investmentfonds, die immer mehr Konkurrenz von Indexprodukten erhalten.
Jedoch warnt die französische Business School Edhec, die Banken seien zu früh mit den Klonen an den Start gegangen. Die Ökonomen äußern sich verwundert, weil es ihrer Ansicht nach noch gar keine Lösung und robuste Methoden für die Hedge-Fonds-Replikationen gibt.
Eines steht schon fest: Der Angriff der Klone setzt die Branche unter Druck. Mit ihnen als Vergleichsmaßstab wird es nicht mehr so einfach sein, Pensionskassen ein Beta für ein Alpha vorzumachen. Das Ende des Goldenen Zeitalters für die Superspekulanten? Wohl kaum: Wer beweisen kann, dass er auch die Klone um Längen schlägt, kann noch höhere Gebühren verlangen.
  • Aus der FTD vom 02.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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