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Merken   Drucken   16.06.2009, 12:27 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Anleger springen für Banken ein

Institute verweigern zwei Fondsschiffen Kredite - obwohl die Frachter schuldenfrei sind. Jetzt müssen die Investoren ran. von Susanne Osadnik
Anleger müssen ihren Schiffsfonds mit frischem Geld aus der Klemme helfen, weil Banken mit Krediten knausern. Rund 4,7 Mio. Euro werden die Investoren der beiden Schwesterschiffe MS Elisabeth und MS Eyrene des Emissionshauses Gebab nachschießen, um die Insolvenz und einen Notverkauf zu vermeiden.
Die beiden Containerschiffe sind zurzeit beschäftigungslos - ein Schicksal, das sie mit rund 500 weiteren Schiffen der Weltflotte teilen. Die Banken weigerten sich, ein Übergangsdarlehen zu gewähren, obwohl beide Schiffe komplett entschuldet sind. "Jetzt wird man auch noch bestraft, wenn man sich wirtschaftlich vernünftig verhalten und seine Darlehen früh getilgt hat", sagt Gebab-Geschäftsführer Dirk Schildwächter. Der Kredit ist nötig, um etwa Liegegebühren oder Betriebskosten bezahlen zu können.
Der Fall der beiden Gebab-Schiffe zeigt, welche Auswirkungen die Kreditklemme auf Anleger haben kann. Vor Ausbruch der Finanzkrise galt eine frühe Tilgung von Verbindlichkeiten als Qualitätskriterium bei der Beurteilung von Emissionshäusern - nicht nur aus Sicht der Investoren, sondern auch aus Sicht der Banken. Doch heute gelten andere Regeln.
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Noch vor einem Jahr wäre ein Überbrückungskredit für die Gebab-Schiffe keine große Sache gewesen, schätzt der Schifffahrtsfachjournalist Jürgen Dobert. Die Banken hätten die Finanzierung problemlos gewährt, weil Schiffe ohne Restschuld kaum mehr ein Risiko darstellen. "Aber heute halten die Banken ihr Geld so lange zurück, wie es nur geht, um die eigenen Ressourcen zu schonen", sagt Dobert.
"Die Schiffe, die noch kein so großes Problem haben, werden sich selbst überlassen." Denn auf der anderen Seite gibt es noch eine ganze Reihe hoch verschuldeter Schiffe, bei denen die Banken jetzt oder künftig einspringen müssen, um nicht selbst Millionenbeträge abschreiben zu müssen.
Für Jens Brandis, Chef des Fondshauses Hamburg, führt das zu der "völlig absurden" Situation, dass hoch verschuldete Schiffe Vorrang bei den Banken haben. "Das geht jetzt zulasten der Anleger", sagt Brandis. Er feilt zurzeit selbst an Sanierungsalternativen für acht Fonds, deren Schiffe unterschiedlich entschuldet und beschäftigungslos sind oder auf dem Schiffsbetriebskostenniveau fahren. Noch ist er zuversichtlich: "Zwei von vier finanzierenden Banken haben schon zugesagt zu helfen."

Teil 2:

  • Aus der FTD vom 16.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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