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Merken   Drucken   16.07.2007, 11:59 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Auf der Straße zum Wohlstand

Kein Problem, mit dem anderen Ende des Welt zu telefonieren oder binnen 24 Stunden in alle Zentren der Erde zu reisen. Doch viele ländliche Gebiete in Entwicklungs- und Schwellenländern, sind kaum erschlossen. Hier boomt der Infrastruktursektor, Anleger können mit Fonds auf eine robuste Weltwirtschaft wetten. von Martin Diekmann
Flughäfen, Straßen, Brücken, Pipelines, Telefonnetze, Gas- und Wasserleitungen oder Wohnungen: Der Infrastruktursektor boomt. Schätzungen der Weltbank zufolge liegen die weltweiten Investitionen zwischen 2005 und 2010 bei 850 Mrd. $ im Jahr und damit doppelt so hoch wie in den fünf Jahren davor.
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Profitieren wollen auch zwei Investmentfonds, die sich ausschließlich dem Thema Infrastruktur verschrieben haben: Der Invesco Asia Infrastructure Fund und der Clariden Leu (Lux) Infrastructure Fund, die beide Ende März vergangenen Jahres aufgelegt wurden. Während sich das Produkt von Invesco ausschließlich auf Asien konzentriert, investiert das Management des Clariden-Fonds weltweit. Die Schweizer Bank Julius Bär und die österreichische Erste Sparinvest haben inzwischen ebenfalls Infrastrukturfonds aufgelegt, die jedoch noch nicht in Deutschland zugelassen sind.
Invesco-Managerin Maggie Lee steuert ihren Fonds von Hongkong aus. Chinesische Unternehmen machen mit 26 Prozent den Löwenanteil im 1,5 Mrd. $ schweren Fonds aus, gefolgt von Gesellschaften aus Singapur, Australien und Indien mit jeweils mehr als zehn Prozent. "Wir investieren in alle Phasen der Infrastrukturfinanzierung, -entwicklung und -wartung sowie alle Arten von Infrastrukturprojekten: von Straßen und Flughäfen über Krankenhäuser bis hin zu Versorgungsnetzen", sagt Lee. Die Managerin sieht weiterhin riesiges Potenzial: "Die chinesische Regierung plant etwa bis zum Jahr 2010 Investitionen von rund 125 Mrd. $ zur Aufbereitung und Erschließung von Wasser in Städten. In Indien sollen bis 2012 mehr als 100 Mrd. $ in die Gewinnung von konventioneller und alternativer Energie investiert werden."
Bei Wellington Management in Boston, wo die Berater des Clariden-Fonds sitzen, vertraut man trotzdem nicht nur auf Asien. US-Aktien nehmen mit einem Anteil von knapp 20 Prozent die größte Position ein, gefolgt von Titeln aus Brasilien mit 14 Prozent. Drei Manager sind für das Portfolio zuständig, jeder verwaltet ein Drittel des 555 Mio. Euro großen Fonds.
Wo der Fonds investiert
Der Fonds investiert in traditionelle Infrastruktur, also gebührenpflichtige Autobahnen, Strom- und Gasversorgung, Pipelines, Seehäfen und Flughäfen, aber auch in drahtlose Kommunikation, Wohnungsbau und in Firmen, die infrastrukturbezogene Produkte und Dienstleistungen anbieten. Dazu gehören Transportunternehmen, Hersteller von Baustoffen sowie Maschinen- und Anlagenbauer.
Auch bei Wellington gibt man sich optimistisch: "Über die nächsten 25 Jahre werden jede Woche eine Million Menschen vom Land in die Stadt ziehen, was enorme Infrastrukturinvestitionen notwendig macht", sagt Catherine Morat, Direktorin bei Wellington in London. "In Ländern wie Indien oder Brasilien ist die fehlende Infrastruktur das wichtigste Hindernis für ein stärkeres Wirtschaftswachstum."
Nach Schätzungen der Weltbank müssten die Schwellenländer jedes Jahr sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgeben, um den Infrastrukturbedarf zu decken. In Lateinamerika betragen diese Investitionen seit Jahren aber weniger als drei Prozent des BIP.
Optimistisch für den Sektor ist auch JP Morgan Asset Management: "Weltweit sind in den nächsten Jahren allein Reparatur- und Modernisierungskosten in Billionenhöhe zu erwarten", sagt Larry Kohn, Leiter der Infrastructure Investment Group von JP Morgan. "Für breit diversifizierte Anleger sollte es deshalb selbstverständlich sein, Infrastruktur-Investments in das Portfolio zu integrieren."
Für Anleger geht die Rechnung freilich nur auf, wenn die Länder auch das Geld haben, entsprechend zu investieren. Insofern dürfen die Fonds als Wette auf eine robuste Weltwirtschaft gelten.
  • Aus der FTD vom 16.07.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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