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Merken   Drucken   11.12.2007, 10:04 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Auf Schnäppchenjagd bei den Kelten

Die irische Börse gehört zu den Verlierern des Jahres. Seit die US-Bankenkrise im Sommer über Europa hereinbrach, hat der Dubliner Leitindex Iseq rund ein Viertel seines Werts eingebüßt. Die Kurse der großen Aktien in dem kleinen Inselstaat brachen dabei weitaus stärker ein als irgendwo sonst in Europa. von Olaf Wittrock
Und das trotz günstiger volkswirtschaftlicher Voraussetzungen. Denn die Wirtschaft des Landes, das noch in den 80er-Jahren als Armenhaus Europas galt, ist seit 1996 im Schnitt um sieben Prozent pro Jahr gewachsen. Ein vergleichbares Tempo legten sonst nur Schwellenländer in Asien hin. Der "keltische Tiger" profitierte bei seiner ökonomischen Aufholjagd von hohen Einwandererzahlen und einem regelrechten Bauboom. Mittlerweile erwirtschaftet man mit 41.300 Euro pro Jahr mehr Pro-Kopf-Einkommen als der EU-Schnitt.
Allerdings erwarten Ökonomen, dass sich das Wachstum in den kommenden Jahren verlangsamt. "Produktivität und Einkommen haben sich angenähert, die Einwanderung lässt nach. Daher ist es unwahrscheinlich, dass das Wachstumstempo beibehalten werden kann. Es wird sich vielmehr an den Euro-Raum anpassen", sagt Willem Verhagen, Volkswirt bei ING Investment Management.
Ausgewählte Fonds mit irischen Aktien   Ausgewählte Fonds mit irischen Aktien
Auch Investoren sind verunsichert: "Die Marktteilnehmer betrachten die irische Wirtschaftsentwicklung derzeit pessimistischer als die meisten Volkswirte", sagt Aisling Vaughan, Manager des EMIF-Ireland-Index-Plus-Cap-Fonds der belgischen KBC Bank, des einzigen reinen Irlandfonds, der in Deutschland gehandelt wird. Ein wichtiger Grund dafür sind steigende Zinsen. "Gerade Investoren aus Übersee befürchten, dass dadurch der Hausbau zurückgehen wird, was nicht nur die Bauindustrie, sondern auch die großen irischen Banken treffen würde", sagt Vaughan.
Tatsächlich bestimmen Banken und Bauwirtschaft maßgeblich den Kurs der irischen Börse. Die drei stark im Baugeldgeschäft engagierten Kreditinstitute Allied Irish Banks, Bank of Ireland und Anglo Irish Bank machen gemeinsam mit dem Baustoffkonzern CRH über die Hälfte des Iseq-Index aus. "Da wir seit Mitte des Jahres verstärkt mit Sorgen um die Liquiditäts- und Vertrauenskrise an den internationalen Finanzmärkten zu kämpfen haben, lässt sich die negative Kursbewegung recht einfach erklären", bestätigt Thorsten Winkelmann, Portfoliomanager des Allianz-Dit New Stars Europe, der auf europäische Randmärkte wie Irland setzt.
Lichtblicke in stürmischer Wetterlage
Er geht davon aus, dass diese stürmische Wetterlage auch in den kommenden Monaten weiter anhält, sieht aber auch Lichtblicke. So hat die irische Regierung jüngst große neue Infrastrukturprojekte gestartet, die einen Auftragsrückgang von privater Seite zumindest teilweise kompensieren könnten. "Demgemäß erwarte ich, dass sich der irische Aktienmarkt 2008 wieder besser als seine Euroland-Nachbarn entwickeln wird", sagt Winkelmann. "Eine Kursentwicklung von über zehn Prozent für den Iseq halte ich für realistisch."
Auch Andy Lynch, Manager des ISF-European-Dynamic-Growth-Fonds der britischen Investmentgesellschaft Schroders, hält die Ängste vieler Investoren für übertrieben: "Ich bin überzeugt, dass der Markt 2008 nicht kollabieren wird." Und unter dieser Voraussetzung seien die Aktien derzeit besonders attraktiv bewertet: "Bei Bankaktien sehen wir teilweise bis zu 100 Prozent Steigerungspotenzial."
So entpuppt sich eine der momentan schwächsten Börsen des Jahres als Fundgrube für Fondsmanager, die den Markt nach Schnäppchen durchforsten. "Irische Aktien gehören nach der schwachen Performance zu den günstigsten in Europa", sagt James Buckley, Manager des Baring Europa Funds. Und wer der nach wie vor intakten Ökonomie nicht vertraut, kann immer noch auf das Gesetz der Serie bauen: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich der irische Leitindex nach schwachen Jahren regelmäßig besonders stark entwickelte." Das könnte auch 2008 passieren, so Buckley.
  • Aus der FTD vom 11.12.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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