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Merken   Drucken   13.03.2006, 08:18 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Brasiliens gelungener Balanceakt

Latino-Fonds gehören zu den Gewinnern der vergangenen Jahre. Vor allem die Börse im brasilianischen São Paulo erfreut die Investoren. von Martin Diekmann
Gelungener Balanceakt   Gelungener Balanceakt
Viele Anleger werden sich noch an die Zeit erinnern, als die Aktienmärkte Lateinamerikas vor allem wegen ihrer großen Schwankungsanfälligkeit für Schlagzeilen sorgten. Mutige Investoren konnten so in manchen Jahren gute Gewinne erzielen, büßten diese jedoch nicht selten sehr schnell wieder ein. Nicht wenige langfristig orientierte Anleger verbrannten sich gehörig die Finger, vor allem, als Ende des vergangenen Jahrtausends eine schwere Krise die Region erschütterte.
Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Wer vor drei Jahren in den MSCI-Latin-America-Index investierte, konnte seitdem eine Performance von beinahe 300 Prozent einstreichen - auf Dollar-Basis, doch auch in Euro gerechnet blieben immer noch etwa 250 Prozent übrig.
Maßgeblich für die mittel- und südamerikanischen Börsen ist der brasilianische Markt. Der Bovespa, der Index der Börse São Paulo, legte auf Sicht von drei Jahren um mehr als 370 Prozent zu. "Trotzdem ist Brasilien mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,3 einer der günstigsten Aktienmärkte in Schwellenländern überhaupt", sagt Urban Larson, Fondsmanager des Baring Latin America Fund. "Die Wachstumsprognosen für die Unternehmensgewinne in diesem Jahr liegen bei fast 30 Prozent."
Entsprechend optimistisch ist Larson für die Zukunft gestimmt: "Das vierte Quartal brachte dank rückläufiger Zinsen den Beginn eines Konjunkturaufschwungs, die Industrieproduktion stieg im Dezember im Vorjahresvergleich um 3,2 Prozent. " Da sich die Inflationsprognosen immer noch in der Nähe des Ziels von 4,5 Prozent bewegten, sei eine weitere Senkung des Zinsniveaus von derzeit 17,25 Prozent um 200 bis 300 Basispunkte denkbar.
Brasilien mit Abstand an erster Stelle
Kein Wunder, dass Brasilien bei Fondsgesellschaften, die vornehmlich in lateinamerikanische Aktien investieren, mit Abstand an erster Stelle steht. Allenfalls Unternehmen aus Mexiko finden noch das Interesse der Manager. Die beiden großen Nationen machen bei den meisten Latino-Fonds 80 Prozent des Fondsvermögens und mehr aus. Andere mittel- und südamerikanische Märkte sind in den Portfolios dagegen nur sporadisch vertreten.
Zwar hat sich der chilenische Markt ebenfalls sehr gut entwickelt, aber Chile gilt bereits seit einigen Jahren als zu teuer. In Ländern wie Bolivien, Peru oder Kolumbien finden institutionelle Investoren dagegen kaum geeignete Unternehmen, in die sie investieren können. Die regionalen Märkte sind zu unbedeutend und die Börsen oft unterentwickelt. Die Anzahl börsennotierter Unternehmen ist dementsprechend gering, zudem sind die meisten Gesellschaften in diesen Ländern zu klein.
Steckbrief
Name ISIN 1 Jahr 3 Jahre Agio Gebühren
    in %* in %* in % in %
Merrill Lynch IIF Latin America Fund LU0072463663 78,90 328,70 5,00 1,75
JPM Latin America Equity LU0053687314 79,20 318,80 5,00 1,50
ISI Latin America Equities DK0016259260 78,40 312,40 5,00 0,95
Gartmore Latin American Fund LU0200080918 78,40 309,20 5,00 1,50
J.I. Latin America Equity Fund DK0016261241 83,90 309,00 3,50 1,30
Fidelity Latin America Fund LU0050427557 75,90 302,30 5,25 1,50
* Performance**
**Stand: 10. 3. 2006 auf Euro-Basis, Sortierkriterium: Drei-Jahres-Performance; Quellen: Morningstar, Onvista
 
Derzeit ist Lateinamerika für Investoren jedoch nicht nur auf Grund der guten wirtschaftlichen Perspektiven interessant. In acht Ländern finden in diesem Jahr Präsidentschaftswahlen statt. "In der Vergangenheit sorgten Wahljahre wie dieses meistens für Irritationen an den Märkten", sagt Will Landers, Manager des MLIIF Latin American Fund von Merrill Lynch Investment Managers. "Dagegen hält der Zustrom ausländischen Kapitals auch in diesem Jahr unverändert an, sodass die Wahlen aus Sicht der Aktienmärkte eher zu einem Non-Event werden sollten", so Landers.
Die Gründe dafür sieht der Manager in der größeren Sicherheit und dem stabilen Wachstum, das die Region heute bietet. "Wir glauben, dass die lateinamerikanischen Märkte aus fundamentaler Sicht so gut dastehen wie seit langem nicht mehr. Und offensichtlich teilen die meisten Investoren unsere Sicht. Da viele in Lateinamerika jedoch immer noch untergewichtet sind, dürfte die Nachfrage nach Unternehmen aus der Region anhalten", sagt der Merrill-Manager.
Negative Überraschungen unwahrscheinlich
So geht nicht nur Landers davon aus, dass die Wahlen zumindest in den beiden wirtschaftlich stärksten Ländern, Brasilien und Mexiko, keine negativen Überraschungen zeitigen werden. "Da es der Wirtschaft gut geht, dürfte sich die Bereitschaft der Brasilianer zu radikalen Veränderungen in Grenzen halten", sagt Larson. "Ganz gleich, ob der amtierende Präsident Lula oder der Kandidat der oppositionellen PSDB das Rennen macht - die neue Regierung wird voraussichtlich an der derzeitigen marktfreundlichen Geld- und Fiskalpolitik festhalten."
Ernsthafte Gefahr droht derzeit nur von einer Seite: "Eine Korrektur der Rohstoffpreise, ausgelöst etwa durch eine Abschwächung der Konjunktur in China, würde die Region schwer treffen", sagt Patrice Lemonnier, Manager des Fund Latin America Equities von Crédit Agricole. Das könnte die Kurse schnell ins Rutschen bringen. Denn das Gros der Investoren wird sein Heil in der Flucht suchen und nicht warten, bis die leicht erzielten Gewinne dahinschmelzen. Ein Einstieg auf derzeitigem Niveau ist deshalb - trotz insgesamt guter Aussichten - nur risikofreudigen Investoren zu empfehlen.
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  • Aus der FTD vom 13.03.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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