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Merken   Drucken   14.11.2007, 08:39 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Deutsche unterschätzen ihr Finanzwissen

Die Kenntnis der Deutschen über Finanzanlagen ist größer als allgemein erwartet. Der Großteil der Bundesbürger unterschätzt das eigene Wissen, ergab eine Studie der Fondsgesellschaft Cominvest. von Elisabeth Atzler
34 Prozent der Befragten meinen, ihre Kenntnis von Festgeld, Aktien und Aktienfonds sei gut genug, um Vor- und Nachteile dieser Anlageform zu erklären. Nach einem Wissenstest kommt aber heraus, dass 73 Prozent sich recht gut auskennen. Vor allem bei Aktien übertrifft das tatsächliche Know-how die Selbsteinschätzung.
Die Umfrage, an der 1500 Personen zwischen 18 und 60 Jahren teilnahmen, signalisiert einen Bewusstseinswandel. Bisher haben ähnliche Studien - zum Beispiel von der Commerzbank vor drei Jahren - meist gezeigt, dass die Deutschen nichts von Geld verstehen und viele Grundbegriffe aus der Anlagewelt nicht einordnen können. Die meisten Privatleute beschäftigten sich demnach kaum mit dem Thema Geldanlage oder Börse und haben auch relativ wenig in Aktien investiert: Nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) besitzen rund 16 Prozent der Deutschen direkt Aktien oder Aktienfonds, was im internationalen Vergleich recht wenig ist. In Frankreich, Großbritannien, Japan, den USA und besonders in Schweden ist der Anteil um ein Vielfaches höher.
Eigene Altersvorsorge erhöht Interesse an Aktien
Die Cominvest-Studie legt nahe, dass die verstärkte Beschäftigung mit der Altersvorsorge den Wissensstand verbessert hat. 74 Prozent der Befragten sind sich im Klaren, dass sie mehr Eigenverantwortung bei der finanziellen Absicherung im Alter übernehmen müssen. Auch die staatliche Förderung der privaten Vorsorge könnte eine Rolle spielen. "Über das Thema Riester-Rente ist auch das ganze Thema Aktien in das Bewusstsein der Anleger eingezogen", sagte Sebastian Klein, Sprecher der Cominvest-Geschäftsführung. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales haben damit insgesamt 9,7 Millionen Verbraucher einen Riester-Vertrag.
Um das Finanzwissen zu ermitteln, wurden mittelschwere Ja-Nein-Fragen gestellt wie "Ausgabeaufschläge stellen laufende Kosten einer Anlage in Aktienfonds dar?" oder "Mit Aktien beteiligt man sich direkt am Unternehmen?". Mit dem wachsenden Know-how nimmt auch das Interesse an Aktien zu, so die Studie. Demnach finden Anleger Rentenfonds und wertgesicherte Fonds zwar besser für die Altersvorsorge als Aktienfonds sowie Aktien. Aber die Akzeptanz von Aktienfonds und Aktie liegt immerhin bei 23 Prozent sowie 18 Prozent. "Die Erkenntnis des einzelnen Bürgers, etwas für die Altersvorsorge zu tun, ist direkt gepaart mit mehr Interesse an Aktien", sagte Rüdiger von Nitzsch, Vorstand des Forschungsinstituts für Asset Management der RWTH Aachen. Das Interesse sei jetzt nicht getrieben von der Gier wie etwa während des Aktienbooms Ende der 90er-Jahre.
Mehr Know-how in Gelddingen
Risikoavers Ein großer Teil der Anleger betrachtet sich selbst als sicherheitsorientiert, was sich auch in der Vorliebe für Rentenfonds und Wertsicherungsprodukte zeigt. Die Zurückhaltung bei Aktienanlagen könnte allerdings auch daran liegen, dass sehr viele Investoren ihre eigenes Wissen unterschätzen, gerade bei Anteilsscheinen.
Unterschätzt Viele Studien haben den Deutschen bisher ein schwaches Finanzwissen testiert. Doch das scheint sich zuletzt geändert zu haben: Die Befragten schneiden besser ab, als sie selbst erwarten würden - besonders wenn es um Aktien geht. Das Bewusstsein für die eigene Altersvorsorge könnte das Know-how erhöht haben.
Von Nitzsch wies allerdings darauf hin, dass es "völlig natürlich" sei, wenn die Deutschen von ihrer schlechten Ausgangsposition aus aufholen würden. Zudem haben die Privatinvestoren bislang noch kaum reagiert: "Aus dem Anlageverhalten können wir noch nicht sehen, dass sich etwas geändert hat", sagte Franz-Josef Leven, Direktor des DAI. Laut DAI-Daten stagnierte die Zahl der Aktionäre zuletzt tendenziell.
Bewegung könnte über die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg entstehen. 68 Prozent der Befragten wünschen sich entsprechende Teilhabe, über Anteile an der Firma selbst oder Beteiligungsfonds. In Schweden, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung Aktien hält, ist diese Beteiligungsform sehr verbreitet.
Fonds müssen besser aufklären
Trotz des verbesserten Wissensstands wünschen Anleger deutlich mehr Informationen sowie Transparenz über Produkte. "Wir müssen noch viel tun. Viele Produkte sollten verständlicher werden", sagte Cominvest-Chef Klein. "Das ist auch ein Teil Selbstkritik." Die Fondsbranche habe viele Satellitenfonds aufgelegt und dabei die Kernanlage vernachlässigt, sagte er. Es müsse klare Produkte und klare Informationen geben. Vor allem Zertifikateanbieter reagieren oft sehr schnell auf Markttrends. Solche Anlagen sind aber vor allem für Investoren geeignet, die sich bereits gut auskennen.
Die aktuellen Marktturbulenzen haben die Anleger nicht aus der Ruhe gebracht. Nur für 20 Prozent der Befragten hat sich durch die gegenwärtige Börsensituation die grundsätzliche Einstellung zur Geldanlage verschlechtert.
  • Aus der FTD vom 14.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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