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Merken   Drucken   18.10.2007, 10:12 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Devisenbetrüger auf der Flucht

Ulrich Engler sammelte bei Anlegern Millionen ein. Nun ist er verschwunden - und mit ihm das Geld. Aufgeflogen war seine Masche unter anderen durch aufmerksame Fußball-Zuschauer. von Ute Göggelmann
Ulrich Engler hat zwei Biografien. Die frei erfundene ist die des seriösen Kapitalmarktfachmanns. Danach ist er 25 Jahre lang als internationaler Banker tätig gewesen und hat bis 2003 bei der Chase Manhattan Bank, die heute zu JP Morgan gehört, den internationalen Devisenhandel geleitet. Mit diesem Lebenslauf warb Engler im Internet und in Zeitungsanzeigen für hochverzinsliche Geldanlagen seiner Firma Private Commercial Office. Seine wahre Biografie aber ist geprägt von Betrugsfällen. Die Amtsgerichte Riedlingen, Böblingen und München haben ihn wegen Vermögensdelikten verurteilt, das Amtsgericht Mannheim versucht derzeit, seine Auslieferung aus Florida zu erwirken. Der Vorwurf: "gemeinschaftlicher Betrug in besonders schweren Fällen".
Ulrich Engler wird gesucht (FTD-Montage)   Ulrich Engler wird gesucht (FTD-Montage)
Englers Masche ist typisch für den unregulierten Kapitalmarkt, der seit Jahren von der Gier und der Unwissenheit der Anleger lebt. Mit hohen Zinsversprechungen locken unseriöse Vermögensberater Kunden in Inhaberschuldverschreibungen. Geht das Unternehmen pleite, verliert der Anleger alles - die versprochene Rendite und den Einsatz. Mehr als 100.000 Anleger verloren allein in den vergangenen Jahren bei den spektakulären Pleiten von Vermögensgarant, Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West, DM Beteiligungen und First Real Estate ein Vermögen, das nach Schätzungen von Anlegerschützern in die Milliarden geht.
In die Reihe der Geprellten können sich nun auch die Engler-Anleger einreihen. Der Hochstapler, der sich in einschlägigen Foren "Richie" nennt und laut JP Morgan nie einen Tag bei der Chase Manhattan gearbeitet hat, ist seit September untergetaucht. Mit ihm sind 120 bis 160 Mio. $ an Anlegergeldern verschwunden. Auf diese Summe schätzt die Staatsanwaltschaft Mannheim derzeit den Schaden in Deutschland.
Besonders schmerzlich für die Betrogenen
"Tatsächlich hat er wahrscheinlich rund 450 Mio. $ eingesammelt", sagt Anlegeranwalt Peter Mattil. Denn Vertriebsleute seien neben Deutschland auch in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz tätig gewesen. "Das ganze Ausmaß wird vermutlich nie herauskommen, da in Liechtenstein viel Schwarzgeld eingesammelt wurde", sagt Anwalt Stefan Winheller. Diese Anleger fürchteten selbst die Strafverfolgung und würden daher auf eine Anzeige verzichten. Die Anwälte vermuten, dass Engler mit seiner Daytrading-Scheinfirma rund 5000 Anleger geschädigt hat.
Besonders schmerzlich für die Betrogenen: "Engler hat seine Geschäfte komplett aus den USA heraus gesteuert", sagt Winheller. "Wir haben es so gut wie abgeschrieben, an ihn und das Geld heranzukommen." Die Anwälte suchen nun hauptsächlich nach den Vermittlern der Engler-Produkte - vor allem nach jenen, die die hohen Provisionen von teilweise bis zu 30 Prozent abkassiert haben. Vor allem die fünf Hauptvermittler dürften Post von den Anwälten bekommen. "Bisher ist leider nur einer in Untersuchungshaft", sagt Winheller. Er vermutet, dass die anderen noch frei sind, weil die Staatsanwaltschaft überlastet ist.
Schlechte Karten
Geprellt Die Zahl der erfassten Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrugsdelikte ist nach Angaben des Bundeskriminalamts 2006 auf 18.115 gestiegen - das sind 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtschaden: rund 500 Mio. Euro.
Geschnappt 2006 konnte die Polizei 99,6 Prozent aller erfassten Anlagebetrugsdelikte aufdecken, bei allgemeinem Betrug waren es nur 84 Prozent. Die Anleger allerdings sahen ihr Geld oft nicht wieder.

Teil 2: Mit welchen abstrusen Geschichten die Anleger beruhigt werden

  • Aus der FTD vom 18.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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