Ulrich Engler wird gesucht (FTD-Montage)
Englers Masche ist typisch für den unregulierten Kapitalmarkt, der seit Jahren von der Gier und der Unwissenheit der Anleger lebt. Mit hohen Zinsversprechungen locken unseriöse Vermögensberater Kunden in Inhaberschuldverschreibungen. Geht das Unternehmen pleite, verliert der Anleger alles - die versprochene Rendite und den Einsatz. Mehr als 100.000 Anleger verloren allein in den vergangenen Jahren bei den spektakulären Pleiten von Vermögensgarant, Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West, DM Beteiligungen und First Real Estate ein Vermögen, das nach Schätzungen von Anlegerschützern in die Milliarden geht.
In die Reihe der Geprellten können sich nun auch die Engler-Anleger einreihen. Der Hochstapler, der sich in einschlägigen Foren "Richie" nennt und laut JP Morgan nie einen Tag bei der Chase Manhattan gearbeitet hat, ist seit September untergetaucht. Mit ihm sind 120 bis 160 Mio. $ an Anlegergeldern verschwunden. Auf diese Summe schätzt die Staatsanwaltschaft Mannheim derzeit den Schaden in Deutschland.
Besonders schmerzlich für die Betrogenen
"Tatsächlich hat er wahrscheinlich rund 450 Mio. $ eingesammelt", sagt Anlegeranwalt Peter Mattil. Denn Vertriebsleute seien neben Deutschland auch in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz tätig gewesen. "Das ganze Ausmaß wird vermutlich nie herauskommen, da in Liechtenstein viel Schwarzgeld eingesammelt wurde", sagt Anwalt Stefan Winheller. Diese Anleger fürchteten selbst die Strafverfolgung und würden daher auf eine Anzeige verzichten. Die Anwälte vermuten, dass Engler mit seiner Daytrading-Scheinfirma rund 5000 Anleger geschädigt hat.
Besonders schmerzlich für die Betrogenen: "Engler hat seine Geschäfte komplett aus den USA heraus gesteuert", sagt Winheller. "Wir haben es so gut wie abgeschrieben, an ihn und das Geld heranzukommen." Die Anwälte suchen nun hauptsächlich nach den Vermittlern der Engler-Produkte - vor allem nach jenen, die die hohen Provisionen von teilweise bis zu 30 Prozent abkassiert haben. Vor allem die fünf Hauptvermittler dürften Post von den Anwälten bekommen. "Bisher ist leider nur einer in Untersuchungshaft", sagt Winheller. Er vermutet, dass die anderen noch frei sind, weil die Staatsanwaltschaft überlastet ist.