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Merken   Drucken   21.08.2006, 08:14 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Die Alleskönner Superfonds stecken in der Falle

Superfonds klingt wie Superman - und tatsächlich sind die Finanzprodukte im besten Fall mit außergewöhnlichen Eigenschaften ausgestattet. Schließlich dürfen die Manager der Superfonds frei wählen zwischen allem, was der Markt hergibt. von Martin Diekmann
Seien es Aktien, Renten, Zertifikate, andere Investmentfonds, Bargeld, Immobilien oder sogar Derivate. Allerdings ist diese große Freiheit kein Garant für eine attraktive Rendite. Zudem schließt die unterschiedliche Anlagepolitik der Superfonds einen Vergleich der Wertentwicklung aus.
Möglich wurde die Auflage von Superfonds durch das im Januar 2004 in Kraft getretene Investmentmodernisierungsgesetz. Der Einsatz von Derivaten war vorher nur zu Absicherungszwecken erlaubt, nun darf mit den modernen Finanzmarktinstrumenten auch gezockt werden. Ob und wie die Manager Derivate dann tatsächlich im Portfolio einsetzen wollen, muss allerdings aus dem Verkaufsprospekt des jeweiligen Fonds zweifelsfrei hervorgehen. Das ist den Transparenzvorschriften geschuldet.
Bislang bieten erst wenige Investmenthäuser Superfonds an, darunter die Vermögensverwalter Jens Ehrhardt und Bernd Greisinger sowie die Fondsgesellschaften Union Investment, BB-Invest und die Luxemburger GIP International.
Ein Vergleich der Produkte ist unmöglich, weil sich die Anlagekonzepte deutlich unterscheiden. Zwar reizen die Fondsmanager die Spielräume nicht aus. Doch ist der Fonds für ihre Kompetenz maßgeschneidert: Jens Ehrhardt etwa setzt mit dem von ihm betreuten Tri Style Fund fast nur auf Aktien. Dagegen vertraut BB-Invest-Manager Matthias Reichenbach mit seinem Stratego Ertrag fast nur auf Renten. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Wertentwicklungen aus. Während Ehrhardt auf Jahressicht einen Zuwachs von knapp elf Prozent erzielte, verbuchte der Stratego Ertrag über den gleichen Zeitraum ein Minus von 0,7 Prozent.
Das ist kein Einzelfall. Von Fonds, die mit dem Attribut "Super" versehen sind, erwarten die meisten Anleger sicherlich mehr. Zudem ist noch vollkommen unklar, wie sich die Produkte schlagen werden, wenn es an den Börsen mal wieder für längere Zeit bergab geht. Eines ist allerdings sicher: Ihre Anlagestrategien werden die Manager auch dann nicht radikal ändern - das dürfen sie gar nicht, wenn der Prospekt einmal geschrieben ist - aller Freiheit zum Trotz.
So steht auf den Fonds der BB-Invest zwar "Super" drauf, die insgesamt sechs Stratego-Produkte der Gesellschaft haben jedoch eng vorgegebene Grenzen, die der Manager einhalten muss. So darf Reichenbach mit dem Stratego Ertrag überhaupt nicht in Aktien investieren. Der Stratego Offensiv ist das andere Extrem: Er muss dauerhaft - also auch, wenn die Aktienkurse im Tiefflug sind - zu mindestens 51 Prozent in Aktien investiert sein.
Neben dem Korsett der vorgegebenen Anlagerichtlinien sorgen auch die Manager selbst für eine Beschränkung. "Es gibt keinen Manager, der in wirklich allen Anlagebieten gleich gut ist, und vor allem kann auch der beste Manager nicht jede Marktbewegung in allen Anlageklassen voraussehen. Deshalb spielen die meisten nicht mit dem Feuer", sagt der Sprecher einer großen deutschen Fondsgesellschaft.
Auch von einem zu Recht beliebten Manager wie Jens Ehrhardt sollte deshalb niemand erwarten, dass dieser plötzlich nur noch Bargeld hält und mit Optionen auf fallende Kurse wettet, sobald dunkle Wolken an den Börsen aufziehen. Denn Ehrhardts größte Expertise liegt im Aktienbereich, und der Manager ist clever genug, von Asset-Klassen die Finger zu lassen, von denen er nichts versteht.
"Aus diesem Grund beschränken sich alle Superfonds-Manager auf wenige Asset-Klassen und reizen das theoretisch mögliche Spektrum nicht aus", bestätigt Alfred Werner, Mitglied des Vorstands der GIP International. Werner warnt vor den hohen Erwartungen, die der Begriff "Super" mit sich bringt: "Die Produkte sind im Grunde genommen nichts anderes als Dachfonds, mit dem Unterschied, dass Superfonds sich gegen fallende Kurse absichern können." Doch nicht mal davon machen alle Manager Gebrauch. Ob sie auf diese Weise eine dauerhafte Outperformance erzielen können, darf bezweifelt werden.
Interessierte Anleger sollten sich deshalb vor einem möglichen Kauf genau über die Strategie des jeweiligen Managers informieren. Wer als Anleger zum falschen Produkt greift, ist vor hohen Verlusten nicht gefeit. Denn Superfonds-Manager, die verstärkt Optionen einsetzen, fahren ein viel höheres Risiko als ein reiner Aktienfondsmanager.
  • Aus der FTD vom 21.08.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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